2015-10-08

plötzlich wird es emporgehoben; die erwartungen dessen, was ihm zuteil werden muss, melden sich wieder . die nasse windel wird entfernt . erleicherung . lebendige hände berühren seine haut . seine füße werden hochgehoben, und ein neues knochentrockenes, lebloses stück stoff wird ihm um die lenden gewickelt . sofort ist es wieder so, als hätte es die hände nie gegeben und die nasse windel auch nicht . es gibt keine bewusste erinnerung, keine spur von hoffnung . das baby befindet sich in unerträglicher leere, zeitlos, reglos, ruhig, voll endlosen ungestillten verlangens . seine natürliche logik probiert ihre notmaßnahmen aus, doch die sind alle nur geeignet, kurze ausfälle bei ansonsten richtiger behandlung zu überbrücken oder erleichterung herbeizurufen durch jemanden, von dem angenommen wird, das er sie gewähren will . für den gegebenen extremfall hat die natürliche logik keine lösung . die situation ist jenseits ihrer immensen erfahrung . nach nur einigen stunden atmens hat das baby bereits einen grad von entfremdung von seiner natur erreicht, der jenseits der rettungskräfte ihrer mächtigen logik liegt . die zeit seines aufenthalts im mutterleib bedeutet aller wahrscheinkichkeit nach die beste annäherung an jenes wohlgefühl,in welchem es der ihm angeborenen erwartung zufolge das ganze leben hätte zubringen sollen . sein wesen gründet auf der annahme, das die mutter sich angemessen verhält und das die motivationen und das darauf abgestimmte handeln beider naturgemäß einander wechselseitig dienen werden .


2015-10

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