2015-10-10

beim aufwachen befindet es sich in der hölle .
keine erinnerung, keine hoffnung, kein gedanke kann ihm die tröstliche erinnerung an seinen besuch bei der mutter in die öde seines fegefeuers bringen .
stunden vergehen und tage und nächte . es schreit, ermüdet, schläft ein . es wacht auf und nässt die windeln . jetzt verbindet sich damit kein wohlgefühl mehr .
kaum wurde ihm von seinen inneren organen die freude der erleichterung vermittelt, da wird diese schon wieder von stetig anwachsendem schmerz abgelöst, wenn der heiße, säurehaltige urin seinen schon wundgeriebenen körper angreift . es schreit . seine erschöpften lungen müssen schreien, um das scharfe brennen zu übertönen . es schreit, bis der schmerz und das schreien es erschöpfen, ehe es wieder einschläft . in seiner klinik, die keineswegs ein ausnahmefall ist, wechseln die fleißigen schwestern alle windeln nach zeitplan, ob sie nun trocken, feucht oder schon ganz durchnässt sind und sie schicken die kinder völlig wund nach hause, wo jemand, der zeit hat für solche dinge, sie gesundpflegen muss . wenn es in das zuhause seiner mutter gebracht wird (das seine kann man es wohl kaum nennen), ist es bereits wohl vertraut mit dem wesen des lebens . auf einer vorbewussten ebene, die all seine weiteren eindrücke bestimmen wird, wie sie ihrerseits von diesen ihre prägung erfährt, kennt es das leben als unaussprechlich einsam, ohne reaktion auf die von ihm ausgesandten signale und voller schmerz .

(lieber heinz, wir alle (du und ich eingeschlossen) sind opfer von opfern auf der suche nach opfern)


2015-10

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