wikipedia und die folgen

Dieser Knol-Artikel ist Teil der Sammlung: deutsch-stunde
2009-07-05 AK
Hi Kalle
Du hast in einem anderen Forum geschrieben: “AK hat einen kommentar von VW mit der begründung gelöscht, er dulde keine verlinkungen auf rechtes gedanken-gut . aber freiheit ist immer freiheit des andersdenkenden . deshalb kann ich AK da nicht folgen und fürchte sogar, dass er sich selber in eine geistige sackgasse begibt, in der er sich nicht mehr weiter entwickeln kann . außerdem schadet er der entwicklung von knol . ihm mag das egal sein, ich finde diese wikipedia-politik hier einfach nur ätzend und abstoßend .”
Bitte vergleiche das doch mal mit dem was ich oben (02.07.) wirklich geschrieben habe. Ich verstehe auch deine Argumentation nicht. Ich habe oben ausgeführt, dass Volkmar Weiss schon mit seinen ersten “Beiträgen” in Wikipedia dafür gerügt wurde (“abstoßendes Verhalten”), dass er die Internet-Plattform missbraucht hat, um in allen möglichen Artikeln seine rechtsextremen Bücher zu pushen. Ich hatte an anderer Stelle Volkmar Weiss mehrfach gebeten, klare Stellung zu beziehen.
Zitat: “Ich bin mal gespannt, was denn in “Das Reich Artam” Utopie (sie meinen wohl Eutopie, denn Utopie ist entweder Eutopie oder Dystopie und Dystopie hatten sie bereits aufgelistet) ist. Die Ersetzung der parlamentarischen Demokratie durch ein Führerprinzip? Die Rassenzüchtungen? Dass die Deutschen den Krieg gewannen? Dass nationalsozialistische Ideen der Sozialeugenik umgesetzt wurden? Dass Freikorps-Soldaten den Neonazis in Berlin zur Hilfe kommen und es von der türkischen Vorherrschaft befreien? Dass es ein rassebewusstes Regime gibt, welches nicht im “großen Chaos” in der rassendurchmischten Degeneration untergeht? Dass genetisch einwandfreien Männern mehrere Frauen zur Verfügung stehen? Wie sieht es mit der Meinungsfreiheit in ihrer Utopie aus? Der “Junge Freiheit”-Autor Thorsten Hinz schreibt in seiner Rezension zu Ihrem Buch: “Zum Glück gibt es Artam.” Sehen Sie das auch so? Ist Artam eine anzustrebende Gesellschaftsform? Verstecken Sie sich nicht hinter der Romanform. Sagen Sie doch mal, was Sie so denken. Sie sind jetzt pensioniert und müssen Ihre Meinung nicht mehr verstecken.”
Er hat darauf nicht geantwortet. Stattdessen kamen jetzt zwei polemische Floskeln und ein Link zu einer pornographischen Passage seines Buches. Also wieder Linkspam. Was soll das?
Und bitte durchdenke noch einmal, was Zensur in Zeiten des Internet heißt. Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Es besteht nicht das Problem, dass etwas nicht gesagt werden kann, sondern es besteht das Problem, ob das Gesagte im Rauschen der Informationen gefunden werden kann. Es geht um die Auffindbarkeit von Informationen. Diese stehen aber in Konkurrenz zueinander. Bei der Google-Suche kann nur ein Begriff an erster Stelle, es können nur zehn Begriffe auf der ersten Seite stehen. Was dort nicht zu finden ist, wird nicht so schnell einem größeren Publikum bekannt. Auf den ersten Seiten sollten gute und informative Artikel zu finden sein. Herrn Weiss Artikel gehören sicher nicht dazu. Bereits die unpräzise Sprache ist sehr ärgerlich
Herr Weiss kann gerne seine sozialeugenischen Erkenntnisse auf seiner Website verbreiten. Ich werde ihm NICHT behilflich sein, diese bekannt zu machen. Sie sind es meiner Meinung nach nicht wert, bekannt gemacht zu werden. Ich denke, unter den ersten zehn Links zu Roma oder zu “Zigeuner” sollten Artikel über ihre Kultur, ihre Geschichte, ihre Musik, usw. stehen. Also möglichst informative Beiträge. Nicht aber irgendein unwissenschaftliches und dazu noch rasseneugenisches Geschwafel von “neuer erblicher Unterschicht”.
Dein Zitat, Kalle, “Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden” stammt von Rosa Luxemburg. Rosa Luxemburg wurde von rechtsextremen Freikorps-Soldaten ermordet. Ich habe oben einen Link zu dem Buch von Weiss entfernt, wo er es feiert, dass Freikorps-Soldaten in Berlin einfallen, um den “Türken-Aufstand” niederzuschlagen. George Orwell kämpfte mit der Waffe freiwillig gegen die Faschisten im Spanischen Bürgerkrieg. Im Kampf gegen die Faschisten wurder er schwer verwundet (Halsdurchschuss). Hätten die Faschisten ein paar Millimeter besser getroffen, wäre nie ein Animal Farm oder 1984 entstanden. Im Spanischen Bürgerkrieg stand Orwell den Anarchisten und der Poum nahe, die nicht nur gegen die Faschisten kämpften, sondern zudem von den Stalinisten verfolgt wurden. Wer verbrannte die Bücher und später die Menschen?
Verstehst du? Während Luxemburg und Orwell sich als demokratische Sozialisten für die Meinungsfreiheit einsetzen, werden sie von Faschisten ermordet, oder beinahe ermordet. Oder in einem sehr viel kleinerem Maßstab: während ich die Frage stelle, wie die beiden Doktortitel von Herrn Weiss mit seinen Texten vereinbar sind, schreitet er zur Tat und schreibt das Bundesverfassungsgericht an, um gegen zahlreiche andersdenkende Wissenschaftler Depromotionsverfahren einzureichen, nimmt Kontakt mit den Direktor des Instituts auf, wo ich promoviere und verbreitet in diesem Zusammenhang Lügen über mich und lanciert Zeitungsartikel über meine Person.
Weiss müsste sich präzise ausdrücken können. Er zieht es vor, nebulös zu bleiben. Ich wüsste nicht, warum ich so etwas veröffentlichen soll. Ich halte es auch für sehr unwahrscheinlich, dass mich die Auseinandersetzung mit veralterten Theorien weiter voranbringen als aktuelle Fragen. Schau dir mein Themenpalette an. Die Ideen von Weiss sind alles andere als inspirierend für mich. Er nervt: in Wikipedia, im Institut für Soziologie und hier in Knol. Es gibt viele Andersdenkende, die zu einem klaren Diskurs und eine faire Auseinandersetzung ohne Manipulationen bereit sind. Warum sollte ich mir von jemanden eine Diskussion aufzwingen lassen, der mich ständig beleidigt und mir nachstellt und im direkten Kontakt sofort polemisch wird. Tut mir leid Kalle, ich bevorzuge da andere Gesprächspartner. Die Welt ist groß und spannend.

2009-07-05 KS
hm, ich weiß nicht genau, was du unter einem klaren diskurs und einer fairen auseinandersetzung verstehst, und noch weniger, wer dazu bereit sein sollte . das ist doch gerade das problem : es sind nicht soviele . der beste in dieser hinsicht ist noch klaus rohde, und dessen diskussions-runde hast du ja verlassen .
du erwähnst im zusammenhang mit wikipedia habermas . auf habermas können wir uns einigen, ich halte ihn für den wichtigsten theoretiker der außerparlamentarischen bewegung überhaupt . aber wieso wikipedia den in anspruch nehmen darf, ist mir schleierhaft .nimm’s mir nicht übel, aber das grenzt schon an verarschung . und genau das ist wikipedia-politik : verarschung (im besten falle selbstverarschung) .
des weiteren weiß ich nicht genau, was du unter demokratische sozialisten verstehst .
was jedoch die anarchisten betrifft, so stimme ich dir zu . das sind tatsächlich die einzigen, die sich nicht von der geschichte haben korrumpieren lassen (vielleicht gerade wegen ihrer relativen historischen erfolglosigkeit) . dass sie nicht in die falle staatlicher hierarchie getappt sind*, genau das hat sie mir schon immer symphatisch gemacht . *(wie übrigens auch die ersten christen nicht (die dann später doch der versuchung erlegen sind))

verstehst du, das problem ist menschlicher natur . es steckt in unserer psyche . das jetzt auf einzelne phänomene zu schieben ist kurzsichtig und bringt nichts .
wer verbrannte die bücher und später die menschen? na, ist doch einfach : die, christen, ganz klar .

2009-07-06 AK
Eine Diskussion bedingt, dass man aufeinander eingeht und dass die Argumentation eine gewisse Logik hat.
Beispiel: Ich stelle in einem Text
http://www.freitag.de/community/blogs/andreas-kemper/wissenschaftlicher-rassismus-und-reputabilitaet
die These auf, dass das alte verstaubte akademische System durch internetbasierte Wissensplattformen Konkurrenz bekommt. Diese Wissensplattformen sind anerkennungstheoretisch inzwischen so weit etabliert, dass sie die wissenschaftliche Reputabilität eines Akademikers ankratzen können, die bislang durch seine Doktorgrade abgesichert war.
Der Text wurde dahingehend missverstanden, dass ich jemanden seinen Doktorgrad aberkennen lassen will. Dafür wurde ich kritisiert. Ich stellte es richtig. Auf die Richtigstellung wurde nicht reagiert, sondern es wurde weiterhin auf darauf herumgeritten, ich würde Doktorgrade aberkennen wollen (auch von dir, Kalle). Das ist keine Diskussion, sondern ein autistisches Nebeneinanderherbrabbeln.
Aber es kam ja noch viel dicker: Herr Weiss meldete sich mit dem Beitrag zu Wort, dass er sich ans BVfG gewandt hatte, um hunderte von Doktoren in ein Depromotionsverfahren zu zerren. Und plötzlich war Schweigen im Walde.
Wo blieb denn da die Logik und Stringenz der Auseinandersetzung?
1) Es wurde die These (1) aufgestellt “Aberkennung von Doktorgrade ist totalitär”
2) Es wurde die These (2) aufgestellt “Andreas Kemper will Doktorgrade aberkennen und ist damit totalitär”
3) Ich hatte klargestellt, dass die 2. These auf einem Missverständnis beruht.
4) Darauf wurde nicht eingegangen, sondern stumpf weiter die 2. These behauptet
5) Volkmar Weiss meldet sich zu Wort und bekennt sich dazu, dass er aktiv geworden ist, um nicht nur einen, sondern hunderte von Doktorengrade aberkennen zu lassen
6) Das ursprüngliche Diskussionsthema mit der These (1): “Aberkennung von Doktorgrade ist totaltitär” wird nicht weiterverfolgt. Im Gegenteil, plötzlich kam von dir: ist ja auch richtig so, Doktorgrade aberkennen zu lassen.
Hinzu kam, dass die “Diskussion” absolut wirr verlief und Weiss es vorzug, auf keine Frage einzugehen. Sorry. Das war mir zu dämlich. Und zwar schon bevor du deine Beleidigungen (“Kleinhirn”) vom Stapel gehen ließest.

2009-07-06 KS
“es wurde weiterhin auf darauf herumgeritten, … (auch von dir, Kalle)”
du meinst die stelle ” du hast dr. goebbels gasagt . … ich kann’s nicht lassen” ?
das kann ich löschen (soll ich ?)
die kleinhirn/großhirn assoziation kann ich ebenfalls löschen .
das ist doch alles nebensächlich . genauso, wie die ganze doktor-frage . na ja, zumindest für mich .
ich kann mir auch nicht vorstellen, dass habermas von einer inhaltlichen stringenz ausgegangen ist . die wollen wir doch gerade über die diskussion erst herstellen .
ich nehme eher an, er meinte, die sprache sei von natur aus ein mittel der verständigung und nicht der macht-ausübung (kein staat verlässt sich allein auf die sprache, sondern letzlich immer auf die reine gewalt, wie man sie sachen gegenüber ausübt (und damit eben dem menschen sein menschsein abspricht (letzlich die ur- und erbsünde (du nennst das glaube ich “diskriminierung”, du kannst es auch “versklavung” nennen oder “folter”))) .
du wirst natürlich (wie der staat) sagen, du hast nicht als erster zur gewalt gegriffen sondern nur auf gewalt reagiert, aber jeder gewaltausübende wird genau das gleiche behaupten und er hat sogar subjektiv recht damit . es ist doch bekannt, dass z.b. hitler als kind derbe prügel bezogen hat, wie viele seiner anhänger auch . wie die kette durchbrechen ?
ich kann mir nicht helfen, aber ich habe das dumme gefühl, das du die diskussion letztlich verlassen hast, weil du hier keine gewalt gegen VW ausüben konntest .
ich weiß, du wirst dich jetzt wieder gewaltig angegriffen fühlen, aber ich gebe zu bedenken, dass sprache an und für sich gewaltlos ist . du kannst mich ja widerlegen .

2009-07-06 AK
Ja, ich widerspreche. Sprache ist nicht “an und für sich gewaltlos”. Sprache kann sehr gewalttätig sein:
http://www.kripo-online.at/krb/show_art.asp?id=1274
http://home.arcor.de/kittycat.79/spracheundgewalt/
http://www.sfb-performativ.de/pdf/jahrestagung_2006.pdf
http://www.dji.de/cgi-bin/projekte/inklude.php?inklude=stellungnahmen/gewaltundmedien/artendergewalt.htm

2009-07-08 KS
du sagst (zitierst) es selbst :
“gewaltwirkungen durch sprachliche äußerungen sind an die inkorporierung sozialer strukturen, dispositionen und herrschaftsverhältnisse gebunden” (und an den gebrauch lateinischer wörter) .
sprache an und für sich ist gewaltlos .
und schein-wahrheit (lüge) ist keine wahrheit, selbst wenn sie als solche erscheint und geglaubt wird . was du als sprache bezeichnest, sind sprach-störungen (deine sämtlichen beispiele behandeln eben nicht sprache, sondern das verbrechen an der sprache) .
das recht aber, nicht zu antworten, hat in knol jeder . es wird zwar auch scherzhaft als todes-strafe bezeichnet, aber manchmal richtet man sich damit auch selber . das kommt immer auf die umstände an .
die griechen bezeichneten übrigens die nicht-griechischen völker als stammler (barbaren) und weigerten sich, deren sprache zu lernen . und so wurden schließlich sogar die hebräischen schriften zu den “griechischen schriften”, aber geschrieben von nicht-griechen . .

2009-07-08 AK
kalle schwarz, du kopierst sämtliche Beiträge dieser Diskussion in einer andere Diskussion. Ich hatte mich aus der Diskussion verabschiedet und dafür Gründe genannt. Bitte respektiere das.

Inhaltlich: was bitte schön soll denn eine “Sprache an und für sich” sein? “An sich”, “für sich” und “an und für sich” sind hegelsche Begriffe. Aber ich glaube, du meintest das eher umgangssprachlich im Sinne von “reiner” Sprache, unabhängig von gesellschaftlichen Einflüssen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so etwas gibt. Sprache ist immer gesellschaftlich. Es gibt keine Privatsprache http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische_Untersuchungen#Privatsprache
Wenn Menschen mit einer Terminologie aus der Schädlingsbekämpfung benannt werden
http://de.wikipedia.org/wiki/Sprache_des_Nationalsozialismus
dann ist das Gewalt. Und es ist keine Gewalt, diese Sprechen zu unterbinden.

Entsprechend gebe ich Wulf D. Hund Recht. Er benennt die Äußerung von Hr. Phillipp (siehe “Mobbing in Wikipedia” oben in meinem Artikel) als rassistisch. Was sagst du zu der Äußerung? Ist sie rassistisch? Und wenn ja: ist Rassismus keine Gewalt?

2009-07-09 KS
wir sollten uns einig werden. was wir hier eigentlich wollen . willst du eine allgemein gültige struktur, oder willst du dich lediglich privat befriedigen . jetzt wirst du natürlich beteuern “oh na, nie”, aber was du hier veranstaltest, ist 1-stern qualität .
natürlich gibt es sprache an und für sich, grammatik, allgemein die struktur oder ganz allgemein das wesen der sprache, das ja darin besteht, etwas zu bezeichnen, also eben nicht die sache selbst ist . natürlich kann ich den befehl zur exekution geben, aber der befehl ist eben nicht die exekution selber, es bedarf immer eines macht-apparates zur ausführung und in diesem ist die gewalt begründet und sonst nirgens .
doch wem erzähl ich das .
die äußerung von Phillip ist sicher geistiger dünnschiss und wäre es selbst dann, wenn afrikaner andere gehirne hätten, als europäer (z.b. haben männer und frauen ja tatsächlich verschiedene gehirne und trotzdem können sie sich prächtig verstehen) . aber das etikett “rassismus” ist ebenfalls geistiger dünnschiss . das ist der ruf nach dem büttel (admin), der hier einschreiten soll .
http://knol.google.com/k/claes-johnson/wikipedia-inquisition/yvfu3xg7d7wt/12#
ich nehme aber für mich das recht der freien meinungsäußerung in anspruch und muss es andern daher genauso zugestehen .

“… es ist keine Gewalt, diese Sprechen zu unterbinden.” : ganz klar WIDERSPRUCH, euer ehren .
der trick, etwas als gewalt zu bezeichnen, um mit gewalt reagieren zu können und das dann auch noch als nicht-gewalt zu verkaufen, diese wikipedia-scheiße sollte in knol keinen platz haben .

2009-07-09 AK
“Onanie”, “Dünnschiss”, “Wikipedia-Scheiße” … Ich verstehe nicht, mit welcher Intention du diese Begriffe benutzt. Es sind untaugliche Metaphern.

Ich weiß noch immer nicht, was du unter Sprache verstehst.
Nehmen wir dein angeführtes Beispiel “Befehl zur Erschießung”. Du sagst, dass es nicht der Befehl ist, der erschießt, sondern dass es eines Machtapparates bedürfe und dass in diesem die Gewalt begründet sei. Aber gehört zum Machtapparat nicht auch, dass es Befehle gibt? Und wenn Befehlsgewalt und die Weise Befehle zu aussprechen, also Sprache in einer bestimmten Form zu verwenden, Teil des Machtapparates sind und wenn in diesem Machapparat als Ganzem die Gewalt begründet ist, dann kannst du doch die Sprache nicht von der Gewalt lossprechen. Sie hat ihren Anteil an der Erschießung eines Gefangenen ebenso wie die Kugel, die ihn trifft.

Und daraus resultiert, dass ich den reibungslosen Ablauf der Erschießung und damit Gewalt auch verhindern könnte, indem ich die Sprache als Ansatzpunkt nehme. Wenn ich verhindere, dass der Befehl geäußert wird, findet eine Erschießung vorerst nicht statt. Oder würde es sich verbieten, die Befehlsäußerung des Offiziers zu unterbinden, da dieser ein Recht auf jede Äußerung hat und dieses Recht höher anzusiedeln ist als jedes andere Recht (z.B. Unversehrtheit des Lebens)?

Zu deinem zweiten Punkt: ist die Kennzeichnung “rassistisch” für die obige Formulierung nur in dem Fall unsinnig? Dann können wir gerne ein anderes Beispiel heranziehen (obschon hier immerhin ein ausgewiesener Experte das Beispiel nannte). Oder vertrittst du generell die Position, dass es keine rassistischen Äußerungen geben kann?

2009-07-09 KS
sprachgebrauch : A -> B bedeutet nicht A = B .
folglich ist es unlogisch,den befehl, der zur gewalt-ausübung führt, mit gewalt-ausübung gleich zu setzen .
juristisch ist es übrigens so, dass der befehl zwar zur gewalt-ausübung dazu gehört, dass das aber nur für den gilt, der das ganze gewollt und bewusst durchgeführt hat .
und wenn du den machtapparat an einer exekution hindern willst, musst du mächtiger sein als er, also sogar noch mehr gewalt anwenden (siehe usa und saddam hussein) .
und wenn das wörtchen “wenn” nicht wär … .
“rassistisch” (als vernichtendes urteil) ist für den fall unsinnig, dass man für meinungs-freiheit eintritt .
also nur hier im knol . nicht als rassistische politik . da ist es durchaus verwerflich .
die deutschen sind da gebrannte kinder . die amerikaner sind in punkto meinungs-freiheit viel großzügiger . und ich bin halt noch viel großzügiger .
natürlich hat sprache einen einfluss auf unser verhalten . aber nur im kontext . und der kontext in knol ist die gruppe, in der gesprochen wird . wenn du also einen “rassisten” wirklich beeindrucken willst, dann sprich ihn als mensch in der gruppe an, und sofort wird ihm klar werden, dass es etwas besseres gibt als rassismus .

2009-07-10 AK
“folglich ist es unlogisch,den befehl, der zur gewalt-ausübung führt, mit gewalt-ausübung gleich zu setzen.” Was ist denn dann Gewalt? Wäre dann nur der Soldat Gewalttäter, der schießt, oder nur die Kugel, die den Körper zerfetzt? Und der Offizier, der den Befehl gab zu schießen ist von jeder Gewaltausübung freizusprechen? Das leuchtet mir nicht ein und du widersprichst dir auch.
Oben hattest du gesagt, es ist der Machtapparat, der zuständig ist für die Erschießung, für die Gewalt. Ich hatte dann die These aufgestellt, dass die Erteilung von Befehlen Bestandteil dieses Machtapparates ist und damit Befehle zur Gewaltausübung gehören. Was man ja auch im Umkehrschluss daraus ablesen kann, es ohne einen Befehl zur Erschießung nicht so reibungslos bzw. mit einer hohen Wahrscheinlichkeit gar nicht zu einer Erschießung kommt. Die These, dass man mehr Gewalt anwenden muss, um Gewalt zu stoppen, leuchtet mir nicht ein. Es gibt ja auch gewaltfreie Aktionen oder Sand im Getriebe.

2009-07-10 KS
“gewalt” im sinne von “zwang” (und darum geht es uns hier ja eigentlich) ist im grunde überhaupt nicht physisch, sondern psychich . es geht also um die quelle der gewalt und um ihr opfer . dem opfer wird gegen seinen eigenen willen etwas angetan oder es wird zu etwas gezwungen .
(das auspeitschen eines masochisten auf seinen wunsch hin wäre dann keine gewalt . wenn aber eltern ihre kinder daran hindern, auf die straße zu laufen, dann ist das gewalt (und in diesem besonderen fall auch gerechtfertigt, trotzdem unschön, denn es zeigt, dass irgendetwas nicht stimmt, letzendlich wird damit ein stück kindheit der technik (dem verkehr) geopfert (von daher ist übrigens kein zufall, dass baal, der kinder verschlingende gott, auch der gott der technik bezeichnet wird)) .
wenn wir also keinen zwang wollen, müssen wir uns über das, was wir tun, verständigen . folglich ist sprache also das mittel, um gewalt zu verhindern . fällt dir das jetzt schwer, mir da zuzustimmen ?
(wir hatten dieses problem ja schon ein paar mal)
rein physisch oder physikalisch ist A -> B übrigens immer gewalt, weil per definition A zwangsläufig B hervorruft . also sind auch gewaltfreie aktionen oder sand im getriebe gewalt, falls sie erfolg haben . moralisch allerdings nur dann, wenn sie gegen den willen der anderen seite erfolg haben (ghandi z.b. wollte, dass die engländer ihr unrecht von sich aus einsehen (im knol sollte das eigentlich ganz selbstverständlich sein (aber das hatten wir ja schon))) .
übrigens wird sich ein machtapparat nicht so leicht an einer hinrichtung hindern lassen . selbst, wenn du den befehlenden offizier aus dem weg räumst, übernimmt sofort sein stellvertreter das kommando und das zeigt ja, dass der offizier nicht die quelle der machtausübung war .

2009-07-10 AK
Wieso geht es hier um Zwang?
In meinem Artikel geht es um Manipulationen. Ich hatte diese Manipulationen unterteilt in Täuschung und Bedrohung.
Ich sehe nicht, dass Zwang hier das Problem ist, über das wir reden. Jedenfalls diskutierte ich bislang nicht über Zwang, sondern über Gewalt.
Du schreibst: “wenn wir also keinen zwang wollen, müssen wir uns über das, was wir tun, verständigen . folglich ist sprache also das mittel, um gewalt zu verhindern . fällt dir das jetzt schwer, mir da zuzustimmen ?”
Die Prämisse stimmt schon nicht. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, die Nazis zu zwingen, ihre Massenmorde zu beenden, dann hätte ich diese Möglichkeit gewählt. Oder um im Beispiel zu bleiben: Könnte ich den Offizier zwingen, nicht den Befehl zur Erschießung auszusprechen, würde ich diese Möglichkeit nicht ausschließen. Könnte ich die Erschießung verhindern, in dem ich einfach mal mit dem Offizier rede und für die potentiellen Opfer ein gutes Wort einlege, wäre diese Möglichkeit dem Zwang natürlich vorzuziehen. Aber Zwang ist eine Option, die ich moralisch nicht generell verwerfe. Du brachtest ja schon das Beispiel mit den Kindern, die auf die Straße rennen wollen und im letzten Moment körperlich daran gehindert werden, von einem LKW überrollt zu werden.
Wenn also die Handlung des Sprechens oder Schreibens dazu führt, dass jemand in seiner Selbstverwirklichung eingeschränkt wird (in dem beispielsweise der Befeht ausgesprochen wird, jemanden zu erschießen), dann ist es durchaus legitim, ja sogar moralisch richtig, dieses Sprechen/ Schreiben zu unterbinden, wenn man die Macht dazu hat. Es ist nicht nötig, die eigentliche Quelle dessen auszumachen, was die Erschießung im Ursprung veranlassen wollte, wobei es im Sinne der Nachhaltigkeit natürlich gut wäre, auch diese Quelle anzugehen.

2009-07-10 CYNTHIA
Hallo,
Ich habe mit großem Interesse Deinen Knol gelesen.
Ich habe heute morgen in den Neuerscheinungen meiner Bücherei geblättert. Darunter war auch ein Buch über Intelligenz von Hans Jürgen Eysenck – Erscheinungsjahr 2009. Ich bin in diesem Buch auf die verwunderliche Aussage gestoßen der mittlere IQ der Akademiker betrage 153. Da das so nicht stimmen konnte, habe ich mir die Quelle angesehen: Cyril Burt. Ich gehe doch richtig in der Annahme, dass Burt inzwischen diskreditiert ist? Wenn dies der Fall ist, dann sollte verhindert werden, dass seine Theorien 1. überhaupt noch in aktuellen Büchern abgedruckt werden und 2. in der Bücherei in unserer Uni (Uni Bielefeld) verkauft werden. Ich wollte Dich, da Du anscheinend Erfahrung damit hast, fragen, was in dieser Sache unternommen werden kann.

Das Buch heißt: “IQ-Tests – Wie hoch ist ihr IQ” und stammt von Hans Jürgen Eysenck. Die ISBN ist: 987 3 499 62532

Ich würde mich über eine Antwort freuen. Entweder hier oder unter Cynthiameier123@yahoo.de

2009-07-10 AK
Natürlich ist Cyril Burt in weiten Teilen diskreditiert. Dass Eysenck weiterhin Burt zitiert, verwundert nicht. Jay Gould zitierte ja ausdrücklich Eysenck, der nicht glauben wollte, dass Burt Daten manipulierte, bzw. sich diese Daten schlicht ausdachte.

Die Aussage ist schon deshalb schwierig, weil sie sich auf völlig veraltete Daten beruft.

Du kannst die Bibliotheksaufsicht und die entsprechende Fachschaft ansprechen. Aber Universitätsbibliotheken führen auch Bücher, in denen nachweislich falsche Informationen verbreitet werden. Schon allein deshalb, damit man diese falschen Informationen untersuchen kann. Für Erstsemester ist so eine Lektüre problematisch, weil sie eventuell nicht den Überblick habe, Falschinformationen als Falschinformationen einordnen zu können. Für WissenschaftssoziologInnen ist so ein Buch hingegen hochinteressant.

Liebe Grüße
Andreas

2009-07-10 CYNTHIA
Es handelt sich nicht um die Universitätsbibliothek, sondern um eine Bücherei, die sich in der Universität befindet.

Ich habe mich unter anderem an die Antifa-AG unserer Uni gewandt. Natürlich werde ich auch die Bücherei selbst ansprechen. Damit wird das Problem aber nicht aus der Welt sein, da das Buch bestimmt auch an anderen Stellen verkauft wird.

Sicherlich sind Bücher, in denen nachweislich falsche Informationen verbreitet werden, von wissenschaftlichem Interesse, aber gehören sie nicht in den “Giftschrank” – in eine spezielle Abteilung für umstrittene Bücher? So jedenfalls ist das an unserer Uni geregelt.

Ich studiere Psychologie und ich bin mir sicher, dass diese Daten frei erfunden sind. Die gängigen IQ-Test gehen nur bis 145 und schon dieser Wert kommt extrem selten vor.

2009-07-11 KS
“..wäre diese Möglichkeit dem Zwang natürlich vorzuziehen”
damit sind wir uns eigentlich schon einig . knol ist ja gerade deshalb so wichtig, weil es uns diese möglichkeit bietet . wikipedia hat mir diese möglichkeit NICHT geboten .
der staat, die uni, eine bücherei, das sind alles einrichtungen, die ich nicht brauche, wenn knol funktioniert . und wenn es nicht funktioniert, müssen wir uns eben umsehen, ob es etwas besseres gibt oder dies notfalls selbst erfinden .
was wir brauchen, ist vor allem kommunikative intelligenz, leute, die das kommunikative hin und her durchziehen können, bis die einigung erreicht ist . alle anderen interessieren erst mal gar nicht, weil wir denen selbst dann nicht helfen könnten, wenn wir 100 milliarden euro dafür zur verfügung hätten . weil nämlich die notwendige infra-struktur fehlen würde , und die würde fehlen, weil sie sich nicht drauf einigen können .
du hast bisher einigermaßen durchgehalten, nicht immer, aber immer öfter
wir sollten jetzt schaun, ob wir eine dritte person finden können, die ebenfalls durchhält .
diese person hätte es vor allem dann einfacher, wenn wir nur über und durch sie kommunizieren .
das verlangt ein ganz klein wenig struturelle disziplin, aber glaube einem alten strukturalisten, es gibt nichts besseres, als eine gute struktur . bist du bereit ?

hi cynthia,
psychologie ist wirklich ein interessantes fach . angewandte psychologie ist natürlich noch interessanter . hier hast du schon mal zwei dankbare objekte . bist du bereit ?

liegt dein IQ wirklich bei 123 ? oder bist du eines der seltenen weiblichen wesen, die sich für zahlen interessieren (achtung, klischee) .

wenn andreas verstanden hat, was ich meine, wird er übrigens dir antworten und nicht mir .


noch’ne sammlung <

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