Meta

Inhaltsverzeichnis :

1 Zeichnung einer Zelle, mit Beschreibung
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2 Sonnenaufgang
3 Die Zeit der Sommerwonnen
4 Abendstimmung
5 Spätsommertage
6 Berufung
7 Du stießt mich oft mit Füßen

In der Haft entstanden

8 Fast alles, was hier geschrieben
9 Der Sommerabendsonne letzte Strahlen
10 Bützow Dreibergen
11 Friede sei mit euch und Liebe
12 Nun hab ich den Gipfel meines Lebens erstiegen
13 Einst spracht ihr ( Auch ihr seid blind )
14 Träge verrinnen die Stunden
15 Wie ein Quell / Lied
16 Drangsalswolkendunkel / Lied
17 Rausche Regen
18 Sonntag ist’s heute
19 Und wieder hat die Welt ihr Festkleid angelegt
20 O ihr Gedanken
21 Lebensstationen ( Wenn ich nachts auf meiner Lagerstätte lieg )
22 Im Namen des Volkes
23 Lebt wohl, Geliebte meines Lebens
24 Manchmal, dann steig ich dort oben hinauf ( Verbotene Freuden )
25 Schenk uns Vater, deinen Segen / Lied
26 Tünkroms
27 Lütt Horsting wier een kloken Mann
28 Ein sanftes Säuseln
29 Friede, ach göttlicher Friede ergieße
30 Wohl dem, der nicht wandelt
31 Noch einmal möcht ich den Himmel schauen
? Weißt du noch, weißt du noch?
32 Ich reich Dir meine Freudeshand
33 Träumerei
34 Abendhimmel, Abendrot / Lied
35 Und wenn de Weg dörch’t Düster geht
Und wenn der Weg durch’s Dunkel weist
36 Mögest mir, Jehova, geben / Lied
37 Und iht habt nicht gewollt
41 Ein Schlag ins Angesicht
42 O laß mich nicht im Meer der Bitterkeit ertrinken
Und in Gedanken eil ich immer wieder
43 An meine Kinder
44 Jehova, Gott im Licht / Lied
45Inmitten von Schutt und Trümmer
46Ein bißchen Sonnenschein
Frühling, Sommer, Herbst und Winter
47 Und wieder verblühen die Blumen
48 Mutter, was weinst du noch um dein Kind?
49 Friedhofsspaziergang
50 Wir sitzen beisammen und träumen
Schneebedeckte Tannen
51 Noch immer spür ich deine linde Hand
52 Unser Junge
53 Fern von Siloahs Quelle / Lied
54 Du schaust dich wohl manchmal voll Zagen
55 Alles vorüber, alles vorbei
56 Finale: Der Teufel feiert jetzt sein Fest
57 Fragment: Vier Kinder ..
58 Winterwald
59 Auf einen Brief
60 Herz, ach Herz
61 Süße Akkoordeonklänge
62 Und wieder blühn dort draußen tausend Blumen / Lied
63 Nun laß ich euch, ihr fluchbelad’nen Mauern
64 Mir ist, als wär ich von den Toten auferstanden
65 Erzgebirge
66 Traumweisen / Lied ohne Worte
67 Wie viele sah ich schon kommen und gehn
68 Menschenrechtsverletzung
69 Vergib mir Vater, täglich meine Sünden
70 Nun laßt uns noch einmal erheben
71 Nun muß auch ich von euch scheiden

Ende der Haft

72 Erinnerung an Rothenburg
73 De gestürte Sitzung
74 De hoge Geliehrsomkeit
75 Ich wach so manche Stunde
76 Irren ist ärztlich
77 An Mami
78 Ich stehe am Fenster und schaue hinaus
79 Ich, die Iris, beschreb dir mal ebn
80 Einst waren in meinem Garten
81 Ich werde auferstehen
82 Jugendweihe
83 Jehova lebt / Lied
84 Persiflage Sie predigen das Wort zu jeder Zeit
85 Evolutionstheorie Die Weisheit dieser Welt
86 Der Mensch sieht was vor Augen ist
87 Die alte Pfanne
88 Schottblomen
89 Denkst du in späteren Jahren
90 Betrachte einmal deine Uhr
91 Mein Papi der kann alles
92 Komm, leg deine klein Hand in meine / Lied
93 Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
94 Die Zeit des Endes
95 Fett schwimmt oben
96 De Krieg is ut
97 Zustandsbericht
98 Armes Deutschland
99 Uns Körling
100 Datt Schlammringen
101 Und jubelst du gern in den Himmel hinein
102 Die Eh gleicht einem Haus
103 Der Mensch ist ja nicht gern allein
104 Der Pfad ist steil
105 Was Gott zusammenfügt
106 Hast du dich schon einmal gefragt
107 Sprüche auf die Männerschürze geschrieben
108 Tausend Mark
109 Ich bin ein kleiner Ginkobaum
110 Zum Führerschein
111 Heut Nacht hat mich der Tod berührt
112 Die Musik
113 Parallele
114 An meine Eltern
115 Siebzig Jahre
116 Du glaubst die Bibel sei ein Märchenbuch
117 Wenn ich auf meine Hände schau
118 Es ist Abend geworden
119 Königreichssaalbau
120 Es kommen manchmal Grüße
121 Dein altes Auto

Im Falle eines Falles
Zur Taufe
Zur Eheschließung
Für einen Schuhanzieher
Auch eine Erfahrung
Der Mensch, vom Weibe geboren
Schwalbenintermezzo
An die Wand geschrieben –


Sonnenaufgang

Die Sonne kommt hinter dem Wald hervor,
wie ein feuriger roter Ball,
und steigt am Morgenhimmel empor,
wirft goldene Strahlen überall.

Den See erhellt ein mattes Gold,
das Feld ein kupferner Schein.
Die Birke schmückt sich mit Purpur hold,
mit Silber der Tau am Rain.

Die Vögel schwingen sich in die Luft,
in den hellen Sonnenstrahl,
die Blumen, erblühend, spenden Duft,
ein frohes Erwachen in Wald und Tal.

Die Lerche steigt in den Himmel hinein,
und jubelt ihr frohes Lied.
Mein junges Herz möchte hinterdrein,
in der ewigen Sonne Gebiet.

Meta Levenhagen
Friedland d. 18.3.1939


Zur Zeit der Sommerwonnen

Zur Zeit der Sommerwonnen;
Das Korn stand ernteschwer,
hab ich Abschied genommen.
Wie lang ist das schon her?

Die vollen Ähren streiften
ganz leise meine Hand.
Da mußt ich sie ergreifen,
so hat’s mich übermannt.

Der Staub an meinen Füßen,
gleichsam hielt er mich fest,
als hätt er sagen müssen:
“Komm, bleib im warmen Nest.”

Die Lerchen jubelnd schwangen
sich froh in blaue Höh’n.
Das Lied, das sie mir sangen
war: “Bleib, hier ist es schön.”

Die alten Eichen rauschten
mir noch ein Abschiedslied.
Da mußt ich stehn und lauschen,
so weh war mein Gemüt.

In manchen stillen Stunden
hör ich die Glocken gehn.
Ein Klang hat sich gefunden,
wohl mit des Windes Weh’n.

Dann träum ich in der Ferne
von meiner Heimat Glück.
Wie gerne, ach wie gerne
kehrt ich dahin zurück.


1937
Abendstimmung

Der Tag geht langsam zuende,
die Erde hüllt sich in Nacht.
Am Himmel stehn lodernde Brände.
Gewaltige, herrliche Pracht.

Die letzten Strahlen schmücken
vergoldend die Stadt, das Feld.
Mein Herz birgt ein jubelnd Entzücken.
Wie schön bist du, scheidende Welt.

Jetzt ist die Sonne versunken,
ein endloses Feuermeer.
Mein Auge genießt wonnetrunken
all die Schönheit ringsumher.

Ein ehrfurchtsvolles Schweigen
umfängt den nahen Wald.
Da, plötzlich dringt’s aus den Zweigen.
Es singt die Nachtigal.

Die schmelzenden Töne schwingen
sich sanft in der Wipfel Chor
und steigt wie ein dankbares Singen
zum Abendhimmel empor.

Da droben, das wandelnde Dunkel
bringt der müden Erde Ruh.
Die ersten Sterne funkeln.
Nun ruh mein Herz auch du.

Friedland 1937


Spätsommertage

Nun geht der Sommer zuende.
Mild lächelnd er uns darreicht
die üppig gefüllten Hände
voll Früchten, vom Frühling gezeugt.

Schon wehren Nebelschwaden
des Morgens der Sonne den Blick.
Doch hält sie mit ihren Strahlen
den Scheidenden kurz noch zurück.

Die letzten Blumen verblühen
verschwendend in ihrem Duft.
Altweibersommer ziehen
durch die linde Spätsommerluft.

Verklärt von Reinheit und Milde
liegt still die weite Natur.
Zugvögel und Stoppelgefilde
gemahnen an Abschied nur.

Der Himmel spannt blaue Weiten,
unendlich klar und rein.
Brombeeren und Schlehen reifen
im segnenden Sonnegoldschein.

Ich schreite still durch das Schweigen.
Es ist wie ein schöner Traum.
Gold schimmert in den Zweigen,
die Blätter fallen vom Baum.

So sacht sie herniederschwingen,
kaum wie vom Hauch berührt.
Mir ist’s als hört ich ein Klingen,
wie wenn Engel Harfen gerührt.

O großes heiliges Sterben,
o Wunder vom Wiedererstehn.
Gemahnt doch Welken und Werden
uns Menschen an gleiches Geschehn.

Doch füllt mich, trotz leiser Wehmut,
ein inniges Dankgefühl.
O Herz, beug dich in Demut
dem, der sich im Geben gefiel.

Neubrandenburg September 1937


BERUFUNG

Der Prophet

Herr, der du in flammenden Blitzen
uns deine Allmacht zeigst.
Schlief denn meine Seele,
Schlief denn mein Geist?

Jehova, du wecktest sie,
mit hallendem Donnerschlag.
Die Himmel zerbersten,
die Nacht wird hell, wie der Tag.

Mein Gott, mein Gott!
Im Tosen der Wetter erkenne ich deine Gewalt;
zerteilt sich das Wolkendunkel,
das drohend sich um mich geballt.

Im Flammen der Blitze,
im himmlischen Schein,
vernehm ich dein Gebieten:
Der Menschheit Weiser zu sein.

1948


Du stießt mich oft mit Füßen

Du stießt mich oft mit Füßen
und schlugst mich lendenlahm.
Ich mußte dafür büßen,
was andre dir getan.

Aus deinem harten Munde
erklang niemals ein Lied.
Ich weiß von keiner Stunde,
wo du vor Gott gekniet.

Du hattest kein Erbarmen
mit meiner Herzensnot.
Du, statt mich zu umarmen,
du wünschtest mir den Tod.

Ich hab es stets empfunden,
sag, warum haßt du mich?
In mir sind tausend Wunden,
und dennoch lieb ich dich.

1938


Fast alles, was hier geschrieben

Fast alles, was hier geschrieben,
entstand ohne Stift und Papier.
So sind mir erhalten geblieben
Gedanken, die wuchsen in mir.
Empfindungen, aus dem Erleben
empfangen, sie drängten ans Licht,
und so gelang mir, zu geben
den Versen Form und Gesicht.
Sie haben mich treulich begleitet
als Weggefährten, zumal
vom Wort Jehovas geleitet,
durch manches dunkle Tal.
Durch alle Tiefen und Höhen,
auf schwieriger Wanderung
sie mir mahnend zur Seite gehen
als stete Erinnerung.

Arrestzelle Juni 1954


Der Sommerabend letzte Strahlen

Der Sommerabend letzte Strahlen
irr’n durch den Luftschacht oben in der Wand,
erwecken meinem Herzen kaum besänft’ge Qualen,
den Frieden raubend, den ich eben fand.

Und sinkt des Schlaf`’s Erbarmen auf mich nieder,
entflieht mein Geist, erlöst von Kerkers Macht
und eilt in Traumes Wahn zu meinen Lieben wieder,
wohin mein Sehnen geht, bei Tag und Nacht.

Doch, kehret das Bewußtsein dann zurück
von nächtlichen, verklärten Traumesgängen,
schlaftrunken selig noch und voll von Glück,
entsetzt das Aug’ erstarrt an kahlen Zellenwänden.

Ach, sprengen möcht’ ich diese dunklen Kerkerwände,
worin mein junges Leben unschuldig verbannt,
befreiend rütteln die zur Tatenlosigkeit verdammten Hände,
am rost’gen Gitter in der Fensterhöhlenwand.

Doch keine tote Wand berichtet von den Schmerzen.
Ich schrieb es nicht wie viele vor mir hier in Stein.
Des Sturmes Aufruhr tobt in meinem Herzen,
dort wehr ich ihm und schließe ihn dort ein.

Vergeblich nahet ihr euch mir, dämonische Gewalten,
wenn ihr in magisch dunklem Schmerz mein Denken bannt.
Mein König, Christus Jesus, er wird mich erhalten,
beseligt spüre ich das linde Walten seiner Friedenshand.

Untersuchungshaft September 1950
Amtsgerichtsgefängnis Neubrandenburg.


Bützow-Dreibergen

Dunkel und traurig ist der Himmel mit Wolken verhängt,
als ob tiefe Trauer seine heitere Bläue verdrängt.
Ein Zuchthaus ist’s, das menschliche Willkür gefüllt,
worüber der Himmel sein Antlitz verhüllt.

Drei mächtige Blöcke, in Zellen geteilt,
begrenzen den Hof, wo die Sonne kaum weilt.
In der Mitte ein Rundteil, ein einziger Baum,
entblättert und kahl, auf einsamen Raum.

Für den täglichen Ausgang im Hofe, ein Rund,
eine Hütte, mit kotigem Kettenhund,
dem Leben hier treffend Ausdruck verleiht,
vollenden die graue Trostlosigkeit.

Doch, hinter den Mauern, der Welt entrückt,
pulsiert noch das Leben, vom Kummer bedrückt.
Schwermütig tönt der Gefang’nen Gesang
durch die Abende, verhalten und bang.

Gar mancher sühnt hier seine eigene Schuld,
verbringt seine Tage in Ungeduld.
Auch den sperrt vom Leben das eiserne Tor,
der sich dem Recht und der Wahrheit verschwor.

“Ich möchte so gern nach Hause gehn
und meinen kleinen Liebling wiedersehn.”
Welchen Schmerz wohl diese Mutter empfand,
die diese Worte schrieb in die Zellenwand.

Ein andrer hier seinen Schuldner anklagt,
der ihn um das Recht seiner Jugend gebracht.
Und weiter die kahle Zellenwand kündet,
wie ein Herz verlorene Liebe empfindet.

Vom steten Ringen um seelische Kraft,
derer, die Jahre in Einzelhaft,
die unter dem Druck politischer Diktatoren
unschuldig Freiheit und Leben verloren.

So berichten die Mauern, als stumme Zeugen,
von menschlicher Not und seelischem Leiden.
Wie fallende Körnlein rieselt das Leid
und füllt das Stundenglas der Zeit.

Wer zählt die Tränen, die hier geweint?
Sie würden zum Meer, wenn sie vereint,
zum reißenden Strom, der die Dämme durchbricht
und mündet überflutend im Weltgericht.

Grau, erbarmungslos und hart,
bei deren Anblick das Herzblut erstarrt,
stehn die Zuchthausmauern in den Himmel gereckt,
wie ein dumpfer Traum, der die Seele schreckt,
wie steingewordenes Herzeleid.
“Bützow-Dreibergen, – Zeichen der Zeit.”

Bützow November 1950


Friede sei mit euch und Liebe.

Friede sei mit euch und Liebe.
Seht, welch ein großes Gebot,
ihn und den Nächsten zu lieben,
gab uns Jehova Gott.

Welche unendliche Liebe
hat er geoffenbart.
Gab seinen Sohn hin als Opfer,
damit uns Erlösung ward.

Liebe, du heiliges Feuer,
leucht in die Herzen hinein.
Vater, daß nie sie verlösche,
soll unser Flehen sein.

Bützow 1950


Nun habe ich den Gipfel meines Lebens erstiegen

Nun habe ich den Gipfel meines Lebens erstiegen
und schaue ich noch mal zurück,
dann seh ich meine Kindheit, meine Jugend liegen,
gleich einem Frühlingstag im Dämmerlicht.

Und all das Dunkle ist gewichen,
das mich umgab wie eine Wolkenwand,
Strahlende Helle enthüllt sich meinen Blicken,
den Sinn dieses Lebens, den ich suchte – und fand.

Jehova Gott, du ließest mich dein Wort erkennen,
darin alle Weisheit verborgen ruht.
Erkenntnis gabst du mir mit vollen Händen,
in überströmender Segensflut.

Dein Wort, das ist des Daseins höchste Offenbarung,
das du in deiner Liebe uns darreichst.
Die Fülle deiner göttlichen Begnadung
wird dem zuteil, der tief sich vor dir beugt.

Fortan nun erfüllt mich ein freudiges Sinnen,
erhellt von der Gnade, die mir widerfuhr.
Verlaß ich auch jetzt meines Lebens Zinnen,
so ist es ein kurzes Hernieder doch nur.

Mein Gott, so wie du mich aus Nacht und Grauen
den Weg zum Lichte hast geführt,
so laß mich auch dein Königreich einst schauen,
wenn Christus es in Herrlichkeit regiert.

Bützow Juni 1951


Einst spracht ihr

Einst spracht ihr: “Wir schaffen’s mit eigener Kraft,
wir brauchen keinen Gott!”
Seht an, was ihr damit geschafft;
mehr Leichen und Trümmer als Brot.

Zum Lachen ist’s, wenn’s nicht so traurig wär.
Du elende Kreatur,
wo nimmst du denn Kraft und Odem her,
wenn nicht vom Schöpfer der Natur?

Das, was du selber verschuldet hast,
das legtest du Gott zur Last.
Und deshalb wurde er abgeschafft
und sein Volk verfolgt und gehaßt.

Wind habt ihr gesät, und ihr erntetet Sturm.
Ein Meer von Blut und Leid
bedeckte die Erde rundherum.
Das war der Lohn eurer Vermessenheit.

“Warum Gott das nur zugelassen hat?”
Das fragt ihr und klagt ihn noch an
und streut auf Trümmer des Irrtums die Saat
von neuem ideologischen Wahn.

Und wieder schreit ihr: “Krieg dem Krieg!”
und rührt das Trommelfell
und feiert den Frieden schon vor dem Sieg.
Oh, ihr vergaßt zu schnell!

Und wieder speit ihr mit eigener Kraft
dem Höchsten in’s Angesicht.
Ihr habt seine Botschaft verworfen und sagt:
“Wir brauchen Jehova nicht.”

Genau wie die Juden zur Zeit ihrer Gunst
den Messias zu Tode gebracht.
Wie es schrie: “Sein Blut komme über uns!”
Da versank es in Grauen und Nacht.

Auch ihr seid blind und taub und dumm,
merkt nicht, wohin das geht.
Und auf den Kanzeln bleibt man stumm,
dort wird die Wahrheit verdreht.

Dort predigt man “Frieden” und meint den Krieg
und heult mit den Wölfen der Zeit.
Speichelleckend im Staube kriecht
die gottlose Geistlichkeit.

Sie sind stumme Hunde und bellen nicht.
Sie schlafen und träumen ohn’ Not.
Das sind eure Hirten, sie vergaßen ihre Pflicht.
Sie geben euch Steine statt Brot.

Nun, wo ihr Jehovas Zeugen verfolgt,
die euch die Wahrheit gebracht,
hat euch die Geistlichkeit Beifall gezollt,
das Feuer des Hasses entfacht.

Schon einmal schrieet ihr: “Hinweg mit euch!”
Und wieder schreit ihr es heut.
“Hinweg mit dem Volk, das sich uns nicht beugt! ”
Ihr kennt nicht die Zeichen der Zeit.

Uns’re Worte sind flammende Blitze durch Nacht.
Wir künden Jehovas Gericht.
Und wenn ihr uns auch mundtot macht,
den zürnenden Gott, den hindert ihr nicht.

Und wenn ihr auch heute noch triumphiert
und treibt mit dem Volk seinen Spott,
das Gottes heiligen Namen führt.
Ihr steht bereits im Gericht vor Gott.

Ihr habt zwischen Tod und Leben gewählt.
Ihr grubt euch selbst das Grab.
Ihr habt die göttliche Warnung verfehlt
und tretet vom Schauplatz ab.

Bützow 1951


Träge verrinnen die Stunden

Träge verrinnen die Stunden,
ich zähle sie längst nicht mehr
meine Seele ist wie ein Brunnen,
erschöpft, versiegt und leer.

Die Sonne geht auf und geht unter.
Ein Tag löst den anderen ab.
Draußen vergehn Sommer und Winter.
Nichts fühl ich in diesem Grab.

Kaum spür ich noch Nacht und Erwachen,
alles ist wirrer Traum.
Fühl’ langsam den Geist sich umnachten,
verlieren in endlosem Raum.

Wie liebte ich einmal das Leben.
Der lachenden Jugendlust
warf ich mich stürmisch entgegen
mit überquellender Brust.

Zerrissen sind jäh alle Saiten
in schriller Disharmonie.
Mein Leben verhallt in den Weiten
gleidh einer verlorenen Melodie.

Verklungen sind längst alle Lieder,
verrauscht meines Lebens Akkord.
Nichts gibt mir das Schicksal wieder.
Ich bin wie ein Baum, der verdorrt.

Dumpf fühl ich mein Herz nur noch schlagen.
Nur träge pulsiert noch das Blut.
Seit ich hier lebendig begraben,
entschwand mir der Lebensmut.

Einst spürt ich noch Schmerz und Freude,
der Hoffnung hellen Strahl.
Doch, wie ein Luftgebäude
sank alles in grundlose Qual.

Ach hätte der Tod doch Erbarmen
und schlüge mein Uhrwerk entzwei,
entführt mich in seinen Armen,
dann wär endlich alles vorbei.

Bützow Juli 1951
Denen nachempfunden, die an geistiger Umnachtung zugrundegingen.


Wie ein Quell Johannes 7:38

Wie ein Quell aus dem Schoß der Ewigkeit dringt
und das Land befruchtend durchfließt,
und wieder ins Meer der Unendlichkeit rinnt,
wo der ewige Kreislauf sich schließt,

ist dein Wirken, o Christus, du Friedefürst,
deiner Gnade unendlicher Strom,
der uns reinigend zu deinem Vater hinführt,
vor dem heiligen, göttlichen Thron.

Wie ein Bach, der im hellen Sonnenlicht,
so klar, so rein, so weit,
widerspiegelt des Himmels Angesicht,
widerstrahlst du Gottes Herrlichkeit.

Wer da trinkt aus diesem Wasserquell,
den dürstet nimmermehr,
denn aus ihm rinnen klar und hell
Ströme ewigen Lebens her.

Wen da dürstet, der komme und beug sich behend
und trinke aus seiner Flut,
damit er die Größe der Allmacht erkennt,
die in der Tiefe verborgen ruht.

Bützow Juni 1951


Drangsalswolkendunkel Jeremia 25:32

Drangsalswolkendunkel breitet auf Erden sich aus.
Furcht und Erwartung der Dinge, sie gehen dem Sturm voraus.
Es toben die Nationen, es wogt das Völkermeer.
Mit eiserner Rute weidet, zornglühend sie der Herr.

Wir tragen das Licht durch die Finsternis,
verfolgt und verspottet, doch siegesgewiß.

Christus, unser König, er schreitet siegend dahin.
Es fallen wie Sterne vom Himmel, die Herrscher der Welt vor ihm.
Ein Volk für seinen Namen, Jehova sich erwählt,
aus allen Nationen und Sprachen, am Ende dieser Welt.

Ein Gott, ein König, ein Volk wie nie
verbunden im Geiste der Theokratie.

Wir tun Gottes Willen, künden der Menschheit an,
daß sich ihre Tage erfüllen, die Zeit des Gerichts begann.
Satan und seine Vertreter, sie schreien und lechzen nach Blut.
Doch seine wahren Anbeter führt Jah und schützt sie gut.

Die ganze Menschheit steht vor Gericht.
Verblendet von Satan, erkennt sie es nicht.

Eilends naht das Ende. Festigt die wankenden Knie.
Stärkt die erschlafften Hände, den Kampf krönt Sieg wie nie.
Wenn wir uns mutig bekennen, zu Gott und seinem Sohn,
umlagern uns Scharen von Engeln, alle Furcht, sie flieht davon.

Frei sind wir dennoch, trotz Feindesmacht,
denn die Wahrheit, sie hat uns freigemacht.

Bützow November 1951


Rausche Regen

Rausche Regen, ströme hernieder,
bedecke den Kummer, das Herzeleid.
Und morgen lacht die Sonne wieder.
So vergehen die Tage, so verrinnt die Zeit.

Und aus den Tagen werden Wochen
und Monate. Bald ist’s ein Jahr,
wo diese Mauern mein Sehnsuchtshoffen
umschließen, das tiefe Erkenntnis gebar.

Doch, jene schmerzgetränkten Stunden,
sie trugen reiche, reife Frucht.
Im tiefsten Leid hab ich gefunden,
was ich zum Wachstum noch bedurft.

So, wie nach nebelschweren Tagen
die Sonn’ aus Wolken leuchtend bricht,
wird mir nach Leiden und Entsagen
erglühn der Freiheit gold’nes Licht.

Des Wissens wunderbare Klarheit
wuchs mir als Frucht aus dem Geschehn,
und festverwachsen mit der Wahrheit
werd ich den Weg des Lebens gehn.

Bützow 1951


Impressionen

Sonntag ist’s heute.
Die Welt da draußen will ihren Feiertag seh’n.
Auch ihr, meine lieben Kinder,
braucht heute nicht zur Schule zu gehn.
Der frühen Sommersonne heller Widerschein,
der sich dort drüben in den Scheiben bricht,
dringt auch zu mir herein.
Wohl bin ich einsam, doch ich klag nicht mehr,
macht auch des Kerkers Enge das Blut so schwer.
Und eine Woge wundersamen Duft’,
der wohl von tausend Blüten rührt,
dringt zu mir durch das Fenster,
vom Sommerwind verführt.

Und meine Gedanken wandern und gehn
doch immer wieder zu euch.
Ich seh euch in Großmutters Garten steh’n,
über die Erdbeerbeete gebeugt.
Dich, mein Söhnchen in hellem Sommersporthemd,
meine Mädchen im weißen Kleid.
Heimlich prüft ihr, ob ihr die Stachelbeeren schon essen könnt,
und ob die Kirschen nicht bald soweit?
Großmutter pflückt vom Suppenkraut
die schönsten Blätter, grün und frisch,
und einen prächtigen Blumenstrauß
für den festlich gedeckten Tisch.


Mein Bruder sitzt mit dem Akkordeon
an der Laube, unterm Fliederbaum.
Ach, seines Spieles harmonischen Ton
hör ich oftmals noch im Traum.
Ich seh im Sommerwind die Tulpen sacht sich wiegen,
wie ihre Stengel blütenschwer, sich majestätisch biegen.
Und in Gedanken eile ich mit euch durch die blühenden Sommerwiesen.
Über die Koppel, dem Steg an der Hirtentrift,
wo die Gänseblümchen sprießen,
durch den grünen schattigen Tannenwald
mit der Rosenhecke am Wegessaum,
und die heiße Sommersonne malt
eure rosigen Gesichtchen braun.

Jetzt ist auch wohl die Zeit, wo der Roggen blüht,
über das goldig wogende Rund,
der würzig, befruchtende Blütenstaub zieht,
und dazwischen blühn die Blümlein so bunt.
Roter Mohn, Klee und Raden und am Wegesrain
Kornblumen die Fülle. So ganz genau
sind deine Augen, mein Töchterlein,
wie Kornblumen, so herrlich blau.
Ach, vielleicht kann ich bald wieder bei euch sein,
mit euch durch die Weiten gehn.
Mit euch mich erfreuen am Sonnenschein,
dann wird alles wieder schön.

Bützow Juni 1951


Hesekiel 47

Und wieder hat die Welt ihr Festkleid angelegt,
mit tausend Blütenkerzen üppig sich geschmückt.
Was die Natur an ihrem Busen hegt und pflegt
und was mit ihres Segens Fülle wonnig sie beglückt,
das Menschenvolk, ist’s wert, daß ihm je solcher Reichtum ward,
daß Gott sich ihm noch immer wieder gnädig offenbart?

Dort schlägt, entgegen Gottes heiligstes Gebot,
bar jener Würde, die er dereinst ihm verlieh,
brutal und hemmungslos ein Mensch den andern tot.
Der Reiche hält den Armen schlimmer als das Vieh.
Die Faust des Starken zwingt mit unbarmherziger Gewalt
in’s Joch den Schwachen, und die Welt vom Jammer widerhallt.

Es grünt das Elend, wie der Erde Blütenkleid.
Die Menschheit windet sich in namenloser Qual.
Was Gott einst segnete, hat brüsk des Bösen List entweiht,
zertreten, was er dereinst seiner Obhut anbefahl.
O Mensch, der du voll Selbstsucht gegen Gott und sein Gebot verstießt,
sieh nun, dies ist die Frucht, die dir aus deinem Tun ersprießt.

Verraten, allen Lichtes, allen Trost’s beraubt,
irr’n einsam durch das wildbewegte Völkermeer,
von falschen Hirten feig verraten und verkauft,
viel tausend Menschen, deren Herzen voll und doch so leer.
Ihr, die ihr rüttelt an der Ketten Joch, der Finsternis,
der Tag der Freiheit naht, den Gott euch lang verhieß.

Jehova sendet heut’, wie einstmals seine Boten aus,
um zu verbinden, die zerbrochnen Herzens sind.
In aller Welt, von Ort zu Ort, von Haus zu Haus.
Gleich einem Strom, als kleiner Bach aus einem Felsen rinnt
und wächst und schwillt, und brausend über seine Ufer steigt
und überschwemmt und füllt das Land, soweit das Auge reicht.

So, wie der Frühling uns’rer Erde Sehnen stillt
und ihr mit liebendem Erbarmen die Erfüllung schenkt,
So, wie aus jeder Blüte, jeder Knospe quillt
ein neues Leben, das sich unaufhaltsam zu entfalten drängt,
so steigt der ew’ge Friede aus der Völker Nacht,
jahrtausendalte Sehnsucht, oft als Traum verlacht.

Nie gellt auf Erden mehr dann eines Unterdrückten Schrei.
Nie mehr erbebt die Kreatur in stummer Qual.
Nie triumphiert dann Unrecht mehr, noch Tyrannei.
Nie loht zum Himmel eines Krieges brennendes Fanal.
Doch, leuchtend geht die Sonne auf am Himmelszelt
und grüßt den Daseinsfrühling der verheiß’nen neuen Welt.

Bützow Mai 1952


O ihr Gedanken

O ihr Gedanken, geboren aus meinem Empfinden,
vom göttlichen Strahl der Erkenntnis gezeugt,
o daß ihr doch möchtet Nahrung finden,
in meinem Geiste, dessen Kinder ihr seid.

Verweilet, bis daß ich Worte gefunden
zu kleiden euch in ein festes Gewand,
damit ihr nicht wie ein Schemen entschwunden,
bevor ihr der Wahrheit zu dienen gesandt.

O seid wie Töne von Harfenklängen,
gespielt, wie von meisterhafter Hand.
Erschließet euch die Herzen der Menschen,
die ihr in klingenden Wohllaut gebannt.

Bützow Juli 1951


Lebensstationen

Wenn ich nachts auf meiner Lagerstatt lieg’
und der Schlaf von mir weicht,
wenn durchs Gitterfenster des Mondes Licht
die Kerkerwände bleicht,
dann steigen Erinnerungen herauf,
vergangene Tage und jüngstes Gescheh’n,
und im Geiste durcheil’ ich noch einmal den Lauf,
den Weg, den ich mußte bis hierher gehn.

Nun schläfst du, mein Bruder und ruhest aus.
Ich konnte es lange nicht fassen.
Immer war mir, als hallte dein Frohsinn durch’s Haus,
als hättst du uns eben verlassen.
Deine blühende Jugend, kaum der Kindheit entsproßt,
ward vom Chaos des Krieges ergriffen.
Es traf dich im Kampf ein Werfergeschoß
und hat dir die Brust zerrissen.

Als uns die furchtbare Nachricht erreicht,
da ist mir das Herzblut geronnen.
Unsrer Mutter hat es das Haar gebleicht,
wie der To ihr das Liebste genommen.
Ich habe mich damals vergebens gefragt:
“Wofür hast du deine Jugend zum Opfer gebracht?”
Doch niemand erforschte den dunklen Sinn,
die Menschen nahmen es schweigend hin.

Ein Soldatengrab im fernen land
ist alles, was blieb, und ein Bild an der Wand.
Doch die Erinnerung führt meinen Blick
zu den Stätten unserer Kindheit zurück,
wo wir mit unbeschwertem Sinn
schritten neben dem Vater hin,
der täglich uns spazierenführt,
während Mutter zu Hause die Hände rührt.

Und Frühling war’s und die Sonne schien,
und der Himmel war blau und die Welt so grün.
Entlang den Wall, der unsere Stadt umzieht,
ging unser tägliches Spaziergebiet.
Ich zog mein Puppenkind hinter mir her.
Warm war’s und Brüderchen fiel’s Laufen noch schwer.
Den Störchen haben wir zugeschaut,
die oben am Stadttor ihr Nest gebaut.

Unser Weg führte uns vorbei am Teich,
wo die Seerosen blühn im Schilfbereich.
Auf glitzernen Wellen schwamm ruhig ein Schwan
und der Fischer teerte den alten Kahn.
An der Mühle ergoß sich mit brausendem Schall
in’s Flußbett hernieder, ein Wasserfall,
bei dessen Anblick ich erschreckt
den Kopf zwischen Vater’s Knie gesteckt.

Das Mühlrad klapperte und würziger Duft
von Malz und Mehl erfüllte die Luft.
Doch weiter ging es den Wall entlang,
und wir machten Rast auf der nächsten Bank.
Der vater schnitt Flöten aus Rohr und Weiden
und spielte und lachte mit uns beiden.
Und jedem Halm und jedem Blatt vermöcht er Töne zu entrücken.
Er ahmte jeden Vogel nach, zu unserem Entzücken.

Ach Vater, du hast so gerne gelacht.
Doch niemals hast du es gewagt
und deine drallen Kinderchen geküßt,
denn du trugst den Tod schon in der Brust.
Doch damals verstand ich das alles noch nicht,
jedoch, vergessen hab ich es nicht.
Vergessen hab ich auch dieses nimmer:
Ein Winterabend im Kerzenschimmer.

Unsere dürftige Stube, wo Vater im Sterben liegt.
Sein Atem pfeift, seine Brust sie fliegt.
Die irrenden Augen im Fieberglanz.
Die knöchernen Hände, geballt im Todeskampf.
Und all meine kindliche Freude erlischt,
wie ich schau’ in sein schmerzzerquältes Gesicht.
Die Mutter streicht tröstend uns über das Haar,
sie, die selber des Trostes bedürftig war.

Und eines Tages lag er kalt und stumm
im Sarg, und wir standen um ihn herum.
Ein letztes Mal faßt’ ich zum Abschied seine Hand,
die mich so warm geführt durch’s Kinderland.
Doch sie war kalt und steif und als ich sie berührt,
da hab’ ich Schauer und Schmerz verspürt.
Da fühlt ich brennend in mir die Frage aufstegen
nach dem Sinn des Lebens, und sie blieb mir zu eigen.

Erkaltet, die sorgsam behütende Vaterhand.
Zwar blieb uns die Mutter, die mich niemals verstand.
Wohl hat sie sich tapfer und fleißig bewährt,
doch ein liebes Wort hab’ ich nie mehr gehört.
Fortan war mein Leben so liebeleer.
Freudlose Jugend, nie wünscht ich sie mehr.
Wohl liebt’ ich das Leben und ich lachte so gern,
doch in jener Umwelt blieb der Frohsinn mir fern.

Doch friedevoll wirkte Gottes Natur.
Tröstlich umfingen mich Felder und Flur.
Und ich sah den Himmel in Gluten entfacht,
der sinkenden Sonne lodernde Pracht.
Dann stand ich ergriffen vor Gott im Gebet
und habe ihn zu erkennen gefleht.
Wohl sagten die Menschen:” Kein Gott ist da.”
Doch ich wußte es besser, denn ich fühlte ihn ja.

Und ich fühlte noch mehr: Die Kluft, die mich trennt,
von jenen Menschen, darum sind sie mir fremd.
Doch dann gab mir das Leben, eh’ ich mich besann,
ein kurzes Glück, dich, meinen Mann.
Und Liebe und Frieden, drei Kinder dazu,
gesund und schön und sanftmütig wie du.
Ein Glück, das mancher vergebens erträumt,
das wurd’ mir zuteil, eh ich noch gesäumt.

Doch eh’ ich meinen Reichtum so ganz begriff
da packt uns das Unheil mit würgendem Griff.
Des Krieges Dunkel, das die Erde überzog,
riß dich hinweg mit wirbelndem Sog.
Statt warmer Kinderhändchen Kosen,
umgab dich jetzt des Schlachtlärms Tosen.
In jener unheilvollen Schlacht
hast du wohl an mich und die Kinder gedacht.

An dein Jüngstes, das du noch nicht gesehn,
und sahst dich wohl vor seinem Bettchen stehn,
strichst in Gedanken wohl über das Haar
deines Töchterchens, das dir so ähnlich war,
an deinen Jungen, der jauchzend seine ersten Schrittchen geübt,
als du von uns gingst, und du warst so betrübt.
Da barst die Erde, und Trümmer und Rauchfontänen
stiegen zum Himmel hinauf, dem branderhellten.

Als du noch voll Sehnsucht, da hat dich Entsetzen ergriffen,
da wurde dein Leib von Bomben zerrissen.
Das war an einem wunderschönen Frühlingstag,
als dich fern von uns der Tod hinweggerafft.
Noch wußt ich nicht, daß verstummt dein lieber Mund,
da stand ich bebend zur selben Stund,
die Kleinen im Arm, auf banger Wacht,
in einer verderbenbringenden Bombenschlacht.

Zerstört all mein Glück. Ich war so verlassen und leer.
“Meine Kinder haben keinen Vater mehr!”
Und jenes Fragen, das ich zum ersten Mal an meines Vaters Grab empfand,
das wuchs und schrie in mir, wie ich es nie gekannt:
“Was ist der Sinn des Lebens? Wozu das Leid, das Glück,
wenn alles doch vergebens zum Staube kehrt zurück?”
Ich hab die Natur und die Menschen gefragt,
doch niemand hat mir die Antwort gesagt.

Als dann die Kriegsfront auch uns sich genaht,
Verderben bringend meiner Heimatstadt,
danach den Weg mir bahnte, um ein Stück Brot zu kaufen,
fand ich meine Heimstatt: Ein rauchender Trümmerhaufen.
Und Tod und Entsetzen ringsumher,
doch meine Augen hatten keine Tränen mehr.
Alles Leid, das ich damals gesehn,
blieb Antwort fordernd vor meiner Seele stehn.

Das Einzige, was mir von allem verblieb:
Meine Kinder – und die hatte ich so lieb.
Ja, ihretwegen wollt’ ich es wagen,
das Leben und mein Schicksal zu tragen.
Da war Gott, dessen Dasein ich immer gespürt.
Zu ihm rang ich nach Licht und er hat mich geführt.
In mein Herz, das von Leid und Schmerz zerfurcht,
fiel der Same des “Wortes”, gedieh und bracht’ Frucht.

Doch wie der Sturm über die Felder tobt,
so traf mich die Prüfung und hat mich erprobt.
Fortan war die Freude mir beigegeben,
wonach ich verlangte mein ganzes Leben.
Die große Erkenntnis hat Gott mir beschert,
er, der das Gebet jedes Aufrichtigen hört.
Sie hat mir Licht in mein Leben gebracht,
die Wahrheit, sie hat mich frei gemacht.

Und ich liebe die Wahrheit und ich liebe Gott,
und ich liebe seinen Sohn, der mich erlöst vom Tod.
Und ich weiß, daß die Welt vor dem Abgrund steht,
weil der teufel sie regiert, der Jehova geschmäht.
Ich will, daß Gottes Name gerechtfertigt wird,
bloßstellen die falsche Religion, die die Menschheit verwirrt,
die sich mit den Herrschern der Erde beleibt,
ihre Kinder dem Moloch Krieg in den Rachen treibt.

Und ich geh diesen Weg, trotz Spott und Hohn,
im Herzen die Freude der Zukunft schon.
Einen Weg, voller Dornen, mit Steinen besäht,
der über schwindelnde Höh’n und durch Tiefen geht.
Und ich geh diesen Weg, ich kann nicht zurück.
Was bietet mir die Welt? Vielleicht ein kurzes Glück?
wofür sie mich ins Verderben mitreißt,
währen Gott mir ewiges Lebwn verheißt.

Ewiges Leben, voll Frieden, wird er uns verleih’n.
Kein Tod, keine Trauer, kein Schmerz wird mehr sein.
Und die uns der Tod einst fortgenommen,
sie alle werden dann wiederkommen,
in einer Welt, wo Wahrheit und Recht
regieren und wo ein Menschengeschlecht
vollkommen und rein den Schöpfer erhebt.
Wonach heute die Menschheit vergebens strebt,
den Frieden der Welt mit Gewalt zu erzwingen.
Die Schrift sagt: Es wird ihnen niemals gelingen.

Ich muß diesen Weg bis zum Ende gehn.
Ach, möchtet ihr mich doch verstehn.
Heut schmäht ihr mich noch: Ich versäumt meine Pflicht
und liebe meine Kinder nicht.
Doch wißt, wenn ich sie auch betrübt,
ich habe sie mehr als mein Leben geliebt.
Mit meiner Treue steh ich nicht allein
für mich, sondern für meine unmündigen Kinder ein.

Und wenn ihr auch meinen Entschluß verflucht,
meinen Namen zu nennen, euch scheut,
die Erinnerung an mich zu entweihen versucht.
Jehova verzeihe es euch.
Ach, daß ihr es erkennen möchtet doch,
daß dieser Weg zum Leben führt, und ihr vielleicht
ihn selber einmal gehet noch,
denn wißt’s, ich bat es und erfleht es stets für euch.

Zuchthaus Bützow 1951


Im Namen des Volkes.

Von kahlen Mauern, ein dumpfes Geviert,
Fensterhöhlen, aus denen das Grauen stiert,
umschließen ein Fleckchen von trostlosem Grau;
selbst die Sonne meidet das öde Verhau.
Dort zieh’n wir schweigend die Runde, Schritt für Schritt,
nur die groben Holzschuhe klappern im Tritt.
Ab und zu ein keifendes Wutgeschrei
der Wachmeisterin, die als Aufsicht dabei.
Im Namen des Volkes!

Man hat uns der Freiheit, des Rechtes beraubt,
beschuldigt mit dem, was sie selbst nicht geglaubt.
Sie selber haben das Recht verletzt,
denn sie übertraten ihr eig’nes Gesetz.
Das Blut uns’rer Toten zum Himmel schreit,
schuldlose Opfer einer furchtbaren Zeit.
Man sprach uns das Urteil, voll glühendem Haß,
Ankläger und Richter und alles das,
Im Namen des Volkes!

Uns strahlt nicht der Sonne belebendes Licht.
Das Allernotwendigste gönnt man uns nicht.
Viel tausend Blumen da draußen erblühn,
und duftende Wälder in tiefdunklem Grün.
Uns lacht nicht der Frühling in all seiner Pracht.
Statt des silbernen Mondes Licht bei Nacht,
blenden Scheinwerfer uns mit grellem Strahl,
erfüllen selbst Nachts noch den Häftling mit Qual.
Im Namen des Volkes!


Geschlagen, mißhandelt, erpreßt und gequält,
den schlimmsten Verbrechern gleichgestellt.
Zusammengepfercht, in dumpfen Zellenraum,
die Enge gestattet die Notdurft kaum.
Todkrank und fiebernd in Einzelhaft,
ohn’ ärztliche Hilfe, von solchen bewacht,
die über uns als Aufsicht gesetzt,
die dumm und brutal und politisch verhetzt.
Im Namen des Volkes!

Unfähige, die des Rechtes walten,
maßen sich an, Gericht abzuhalten,
“Im Namen des Volkes! Erkennt ihr es nicht?”
Ihr harrt mit abgewandtem Gesicht.
Ihr tragt die Schuld, wenn ihr feige schweigt
und duldet, daß man das Recht gebeugt.
Ihr schließt die Augen vor unserer Not,
nicht wissend, was morgen euch selber droht.
Im Namen des Volkes!

Wir haben euch täglich die Botschaft gebracht,
bei manchen beliebt und von vielen verlacht.
Dem einen war sie ein lieblicher Klang,
den meisten jedoch ein Grabgesang.
Gott legte das Leben euch vor und den Tod.
Ihr habt euch entschieden, vernahmt sein Gebot.
Ihr habt geschwiegen, ihr habt es geseh’n,
Ihr habt geduldet, was da gescheh’n.
Im Namen des Volkes!

Vergeblich ist all euer Friedensgeschrei.
“Kein Friede dem Gesetzlosen sei.”
Und wenn ihr, vom Joch eurer Herrscher beengt,
verzweifelt, aufbäumend die Ketten zersprengt,
selbst wenn euch der Sturz des Systems gelingt,
in Anarchie dann und Chaos versinkt
die gesetzlose Welt, denn irret euch nicht,
Gott läßt sich nicht spotten, er hält Gericht.
Im Namen Jehovas!
Bützow Juli 1952


Lebt wohl, Geliebte

Lebt wohl, Geliebte fern im Lande,
aus Kerkermauern grüß ich euch.
Nicht hat des Feindes schwere Bande
mir Geist und Glaubenskraft gebeugt.
In manchen heimwehvollen Stunden
hat die Erinn’rung sehnsuchtsmild,
die mich zutiefst mit euch verbunden,
das Herz mit heißer Sehnsucht mir gefüllt.

Wohl ist mein Denken und mein Streben
um euer Glück und Wohl bewegt,
doch ist’s der Preis des ew’gen Lebens,
der mich durch alle Tiefen trägt.
Es ist der Abglanz seiner Liebe,
der mich auf Gottes Pfade trieb.
Wenn ich auch heut euch noch betrübe,
einmal erkennt ihr, wie ich euch geliebt.

Noch wißt ihr nicht, was mich bewegte,
entsagungsvoll den Weg zu gehn.
Dem, der Gott dient, wird er, der Höchste
auch seine Lieben wohl versehn.
Nie soll ein Jammer, eine Klage,
nie eine Träne mir entweihn
das hohe Vorrecht seiner Gnade,
das er mir gab, ein Zeuge Jah’s zu sein.

Bützow 1952


Verbotene Freuden

Manchmal, dann steig ich dort oben hinauf
und schaue heimlich zum Fenster hinaus.
Weit in die Runde schweift dann mein Blick,
und alles Schwere weicht weit, weit zurück.

Rot leuchten die Dächer der kleinen Stadt
herüber aus grünendem Blätterstaat.
Weit in der ferne schimmert ein See,
hahinter dunkel bewaldete Höh.

Die Schwalben fliegen am Fenster vorbei.
Von irgendwoher hör ich Kindergeschrei
Die Linden blühn, ein würziger Duft
von frischfeuchtem Heu erfüllt die Luft.

Oh grünende, blühende Sommerpracht!
Oh goldene Freiheit, wie ziehst du mit Macht
mich in die Weite, in’s Leben hinaus.
Grüß Sommerwind mir die Lieben zu Haus.

Bützow Juni 1952


Der Segen Jehovas, er macht reich
Spr.10:22

Schenk uns Vater deinen Segen,
wenn wir an die Arbeit gehn.
Laß dein Wort auf unsern Wegen
Menschen finden, die verstehn.
Deine Wahrheit sei wie Regen,
der vom Himmel niederwärts,
sehnsuchtsstillend, überstömend
sich ergießt in’s Menschenherz.
Deine Wahrheit sei wie Sonne,
wärmespendend, licht und klar,
wie der Frühling, voller Wonne,
der sich wortlos offenbart.

Schenk uns Vater, deine Liebe,
die wir deinen Willen tun,
haßverfolgt vom Weltgetriebe
freudig künden deinen Ruhm.
Menschenherzen Ackern gleichen,
wildgepflügt vom Rad der Zeit,
voll Begehren, wie ergreifend,
für das gold’ne Korn bereit.
Deine Wahrheit sei wie Samen,
der in’s off’ne Erdreich fällt.
Welch ein Vorrecht, deinen Namen
zu verkünden aller Welt.

Schenk uns,Vater, deine Freude,
überströmend sei der Quell,
der uns Kraft und Mut verleihe,
für das Werk, das wir erwählt.
Füll das Herz uns mit Erbarmen,
das uns selber ward zum Heil.
Trost und Friede sei’s dem Armen,
daß ihm Rettung ward zuteil.
Gnade ist’s, die du uns schenktest,
Licht zu tragen durch die Nacht.
Das ist’s, was zur Zeit des Endes
furchtlos uns und glücklich macht.

Schenk uns, Vater, Kraft und Frieden.
Vor der Engel Angesicht,
an den Feinden auszuüben,
das geschriebene Gericht.
Wenn das Auge es erkennet,
wird das Herz vor Freude weit,
denn die Füll des Meeres wendet
sich zu uns in großer Zeit.
Dazu schenk uns, Vater, Segen,
weisheitsvoll dein Werk zu tun.
Alle Welt soll es bewgen.
Unsre Freude sie dein Ruhm.

Bützow 1952


Tünkroms

Wie Tügen sünd dorför bekannt,
dat wie de Wohrheit seggn in Stadt un Land.
Jedwedn falschen Glown hebbn wie von uns dohn
un ok keen Götzenbild un Kult lotn wie bi uns bestohn.
Deswegn hett de Düwel up uns ne grote Wut
un wo he kann, streut he Verleumdung gegn uns ut.
So is dor neulich mol een Ding passiert,
dats würklich wiert, dat man dat diffendiert.

Töw, dacht de Düwel, dat oll Lögenmul,
nu heff ick juch. Doch süh, dor set de Ul.
Dor is Martha, de uns alln wohlbekannt,
wohnt mit in Vadders Hus, un achtern is een Stückchen Land.
Dor wassen Tüften, Kohl, von ditt un datt een beten,
wat se för ehr Familie bruckt un för ehr Zick tom Freten.
Doch, ok de Hoasen schmeckt de Kohl ganz prächtig,
un Marthing argert sich doröwer mächtig.

Vertellt ehr Vadder dat: Wie kann man’t ännern,
do mie doch mol ne Vogelscheuche tosomentimmern.
De Oll, de lött sich dat nich twemol seggn.
Fix ward he ehr dor nun een Krütz tosomenpinn.
Großmudding söcht ‘n por Plün’n rut un ‘n olln Hot.
De Kreigenschugels, de ward würklich got.
Uns Marthing ward dat Krütz sich nu up ‘t Schuller nehmen
un Plün’n un Hot in ‘t Hand, un ward sich up dat Feld begewen.

Se ward verdwas quer öwern Stoppelacker gohn.
Mit eenmol find se öwerall noch Weitenohrn.
Dat rop ick mie tohop, so denkt se fix.
Dat is doch schod, wenn dat verkümmt, dor kenn ick nix.
Se nimmt dat Krütz von ‘t Schuller, piekt dat inne Ierd
un huckt sich dorför dol un sammelt ungestürt.
Se denkt: Wat warn mien Hönings dorin freten,
un mien lütt Anning kann ‘n por Zuckereier exta eten.

Un hen und werrer nimmt se Krütz un Plün’n,
un piekt dat up ne anner Stell, wo ‘s miehr det finn.
Un huckt sich wedder dorför dol.
Dat werrerholt sich nochn por Mol.
Se ropt un ropt un in ehrn Iewer markt se nich,
dat Nohwers Knecht dor plögt up ‘m annern Strich.
De kiekt un staunt, un ögt un pliert:
Wat hüten Dogs doch all passiert.

He denkt bi sich, in sienen Sinn:
“Dat’s doch Frau Knie, watt föllt de in?
Süß seggt’s, wie sölln ut Kirch uttren,
un nu det’s sülben dat Krütz anbeden. –
Dit’s doch förwohr ‘n Gaudiüm,
dit drog ick furts int Dörp herüm.”
Geseggt, gedohn, dat’s rasch passiert.
De Lüd hat’t bannig intressiert.

An de Wohrheit, ne, dor willn’s nich ran,
öwer all sön Tünkroms hürn’s giern an.
So würd int ganze Dörp vertellt,
bet dat uns Lüd dat ward vermellt.
De seggn: Wie möten doch Martha frogen:
Hür mol, wat hebns tosomenlogen.
Un se vertelln ehr de Geschicht,
wat Nohwers Knecht von ehr bericht.

Un allens lacht, as Martha dor
vertellt, wat an dat Ganze wor.
De Knecht, de har de Vogelscheuch as Krütz ansehn,
un Ohrenläsen as Nederkneen.
Gans harmlos wier de Sock, de dor is vör sich gohn.
Sühst woll, so dohn Gerüchte entstohn.
Bützow 1952


Lütt Horsting

Lütt Horsting wier een kloken Mann,
blots schod, dat he inne School nix kann.
He spelt lewer Football un schmitt no de Kreigen,
un wiel det Unnerricht gript he Fleigen.

Sei Schoolanfang sünd nu acht Wochen vergohn,
un Horsting kann ümmer noch nich verstohn,
wurüm det de Liehrer de Kinner so quälen.
“Wie hebn kum noch Tied üm buten to spälen.”

Dat Lesen un Räcken un Bokstobieren,
meent he, is förn Liehrer, för den mötn wie liehrn.
He denkt, wie sünd dömlich un heallen klok:
Ick heff nix dorvon un dat weet ick ok. –

Ens Dogs, as nu de School to En’n,
kümmt he no Hus un schmitt behenn
sein Tofel upm Disch un röppt:
“Dit kiek die an. Dit schrew hüt uns Liehrer an’t Tofel ran.

Die Upgown söln wie bet morgen ruter kriegen,
wat hinner kümmt, söln wie em achter schriewn.
Ick bün wol nich klok? Ick sall mie den Kopp terbreken?
Dat sall he sich man allen utreken.”

Bützow 1953


Vision Jesaja 35

Ein sanftes Säuseln fächelt hin und wieder
Gesträuch und Gräser, die im Sonnenglanz erblühn,
und leise widertönt’s, wie Sphärenlieder,
wie Harfenklänge wundersamer Harmonien.

In ungeahnter Bläue lacht der Himmel
und spiegelt dort im See sein Angesicht.
In dessen silberhellen Fluten tummeln,
voll Lebensfreud und Wonne, munt’re Fischlein sich.

Seerosen blühn, wie wenn vom Licht geboren,
bei deren Anblick jedes Menschenherz beglückt;
Libellen schwirren drüber hin, wie traumverloren,
am nahen Ufer man grüne Palmen blickt.

Im Blattgewirr die schönsten Früchte prangen,
und in den Bäumen schillern Vöglein, tropisch bunt,
dazwischen Orchideen, Lianen ranekn,
und süßer Wohlgeruch entströmt dem Blütenmund.

Und Blumen aller Art, Rosen winken
von jedem Garten, jedem Beet, wie hingestreut.
Es sinken Falter nieder, um zu trinken
vom süßen Nektar, der im Blütenkelch bereit.

Ein üpp’ger Blütenflor bedeckt die ganze Erde,
wie keines Menschen Phantasie es je erträumt.
Befreite Welt! Mit dankbarer Gebärde
bringst tausendfältig dar, was du so lang versäumt.

Und plötzlich, Jubelsänge, Dankeslieder –
Ein Zug von Menschen naht von fern.
Ein jeder schön von Angesicht und Glieder.
Vollkommne Menschenstimmen singen Lob dem Herrn.

Voran dem Zug, voll zartem Liebreiz, Kinder,
das Haupt mit Blütenkränzen festlich schön geschmückt.
O glücklich, wer hier weilt als Überwinder!
Dies ist der Tag, den ich im Geist erblickt.

Bützow 1952


… und befreie uns von dem, der böse ist.
Matthäus 6:13

Friede, ach göttlicher Friede ergieße
lindernde Ström’ mir ins blutende Herz.
Ach, daß sich mir doch wieder erschließe,
Fülle des himmlischen Trostes im Schmerz.

Schwer ist der Kampf und ich pflegte zu streiten
freudigen Herzens, mit flammendem Mut.
Stets von Erkenntnis ließ ich mich leiten,
Christus, mein Feldherr, du führtest mich gut.

Hart ist der Kampf. Wider finstre Gewalten
durft’ ich bisher immer Sieger sein.
Christus, du hast mich treulich gehalten,
doch, warum läßt du mich plötzlich allein?

Schlange, fast hast du mich überwunden,
züngelst, du geile, zum tödlichen Stich.
Jugend und Sinneslust wähnt’ ich entschwunden.
Satan, perfider, wie quälst du mich.

Machtlos die hand. Alle Kräfte erloschen.
Biete dir nicht mehr die offene Stirn.
Näherst dich drohend, den rachen offen,
hauchst mir den glühenden Brodem in’s Hirn.

Hast mir das Herz und die Sinne verblendet.
“Christus, errette, bewahre mich jetzt!”
Dank dir, du hast die Gefahr abgewendet,
eh’ mich der tödliche Stachel verletzt.

Irrt ich vom Weg, den ich bisher beschritten?
Ließ ich die Hand, die mich rettend ergriff?
Leichtsinnig bin ich vom Pfad abgeglitten.
Schmerz, Angst und Reue durchtoben mich.

Friede, ach göttlicher Friede ergieße
lindernde Ström’ mir ins blutende Herz.
Ach, daß sich mir doch wieder erschließe,
Fülle des himmlischen Trostes im Schmerz.

Bützow 1953


Nach Psalm 1

Wohl dem, der nicht wandelt der Gottlosen Pfad,
nicht weilt, wo die Spötter sitzen,
der Lust am Worte Jehovas nur hat
und redet von seinen Gesetzen.
Ihn schreckt keine Drohung, kein Haß, kein Spott.
Du bist seine Zukunft, Jehova Gott.

Er ist wie ein Baum, der an Wassern gepflanzt,
am grünenden Ufer des Strandes.
Nicht mindert die Dürre den blühenden Glanz,
ihn wässern die Ströme des Landes.
Er bringt seine Früchte und grünet fort
wenn ringsum alles verwelkt und verdorrt.

Sein freudiger Eifer drängt Tag ihn und Nacht
die göttliche Wahrheit zu künden.
Ein Herz voller Demut, das Frieden ihm schafft,
so sucht er bei Gott Gunst zu finden.
Der Gottlose doch, der ihn heute noch schmäht,
ist morgen wie Spreu, die vom Winde verweht.

Drum müh dich, in Wahrheit und Lauterkeit,
die Wege des Herrn zu bewahren,
heut’ angesichts des Endes der Zeit
in Treue auszuharren.
Erscheint auch die Finsternis oft dicht,
die Sonn’ der Verheißung sie strahlend durchbricht.

Bützow Februar 1953


Noch einmal möcht’ ich den Himmel schauen

Noch einmal möcht’ ich den Himmel schauen
in seinem unendlichen Blau,
befreit von Kerker und Todesgrauen
durchstreifen Felder und Wiesen und Au’.

Noch einmal im blühenden Grase liegen,
bewundern der Wolken Pracht,
die Freiheit genießen in vollen Zügen,
mich freun an des Schöpfers unendlicher Macht.

Noch einmal möcht’ ich den Frühling erleben,
das erste sprossende Grün,
das Knospenbrechen, das zarte Erbeben,
die Erde im bräutlichen Schmuck erblühn.

Noch einmal die Kinder an’s Herze drücken,
die strahlenden Augen sehn,
mich an dem Kosen der Händchen beglücken,
um niemals wieder von ihnen zu gehn.

Noch einmal des Sommers Früchte genießen,
erquicken den darbenden Leib
mit dem, was gedeiht an Bäumen und Büschen
in üppiger Fülle der Erntezeit.

Noch einmal des Kornfeldes goldene Wogen
mein Auge zu sehen verlangt,
mit Mohn und Kornblumen bunt durchwoben
und Heckenrosen am Feldweg entlang.

Möchte’ einmal die Lerche noch jubeln hören
die hoch in der Bläue steht,
den heiligen Odem Gottes verspüren,
nur einmal, noch einmal. Das ist mein Gebet.

Bützow Sommer 1953


Aus der Kinderzeit!

Weißt du noch, weißt du noch,
du mein liebes Schwesterlein,
als wir waren klein?

War die Welt so riesengroß
und du nahmst uns auf den Schoß,
spannest Märchen, sangest Lieder.
Ach, die Zeit kehrt niemals wieder.
Ungetrübte, frohe Stunden,
o wie schnell seid ihr entschwunden,
und mit kindlich frohem Sinn
schritten wir durch’s Leben hin.
Weißt du noch, weißt du noch?

Weißt du noch, weißt du noch,
du mein liebes Schwesterlein,
als wir waren klein?

War die Welt ein Märchenland
und wir schritten Hand in Hand
über’m Stadtwall, über Wiesen.
Tausend bunte Blumen sprießen.
Ei wer war’s, der mir erzählte:
Sterne, die vom Himmelszelte
aud die Erde fallen dicht,
das sind die Vergißmeinnicht.
Weißt du noch, weißt du noch?

Weißt du noch, weißt du noch,
du mein liebes Schwesterlein,
als wir waren klein?

Tief in unserm Mühlenteich
wähnt man ein versunk’nes Reich,
und mit angespannten Sinnen
lauschten wir dem Glockenklingen.
Glaubt’ an Elfen und an Zwergen,
die vor Menschen sich verbergen.
Und den Königssohn vom Schloß
suchten wir in jedem Frosch.
Weißt du noch, weißt du noch?

Weißt du noch, weißt du noch,
du mein liebes Schwesterlein,
als wir waren klein?

Waren schlechte Zeiten schon,
doch wir spürten kaum davon.
Vor dem Haus mit der Laterne
spielten wir des Abends gerne
Ringelreih’n und Pfänderspiele.
Nachbarskinder gab’s so viele,
bis die Mutter uns gebot:
“Kommt herauf zum Abendbrot.”
Weißt du noch, weißt du noch?

Weißt du noch, weißt du noch,
du mein liebes Schwesterlein,
als wir waren klein?

Heimatstadt und Heimatlaut,
alles ist mir noch vertraut.
Heute liegt die Stadt in Trümmer,
doch Erinnerung flieht nimmer.
Von dem Schwesterlein, dem lieben,
ist dir nur ein Bild geblieben,
und von unserm Brüderlein,
ein Soldatengrab am Rhein.
Weißt du noch, weißt du noch?

Bützow 1954


… um zu trösten alle Trauernden
Jesaja 61:2

Ich reich dir meine Freundeshand.
Schlag ein und fasse Mut.
Ist dir der Weg auch unbekannt,
schenk mir Vertraun, ich mein es gut.

Du weißt es nicht zu nennen,
was dich betrübt zum Tod.
Ich glaub es wohl zu kennen:
Dir fehlt die Harmonie mit Gott.

Wehrt man auch einer Pflanze
den Regen und das Licht?
Die Welt im eitlen Glanze
ersetzt die Himmelssonn’ dir nicht.

Dein Herz hat zu entscheiden.
Nicht, was “Wer” dazu sagt.
Schenk ihm des Willens Freuden,
damit es dich einst nicht verklagt.

Ich reich dir meine Freundeshand.
Schlag ein und fasse Mut.
Gebrauch das Herz und den Verstand
du weißt, ich mein es gut.

Bützow Winter 1953


Träumerei

Und in Gedanken eil’ ich immer wieder
den Weg, der aus der Fremde mich zur Heimat führt.
Hält doch der linde Traum das Heimweh nieder,
das oft mit heißer Hand mein Herz berührt.

Bin ich dann so des Kerkers Macht entkommen,
ein niegekanntes Frohgefühl füllt meine Brust,
steh’ ich am Straßenrand und schau benommen
der Großstadt Leben, ihre laute, bunte Lust.

Dann eile ich an Dorf und Feld vorüber.
Blaublumen blühn im Korn und roter Mohn.
Da werf’ ich mich in all dem Segen nieder:
Wie hab ich alles das entbehrt, wie lange schon?

Doch weiter tragen mich des Geistes Schwingen
durch Städt’ und Wälder, die mir fremd und doch verwandt,
und immer über mir der Lerche Singen.
Schon nahen Fluren, die mir wohlbekannt.

Da taucht aus all dem Sommersonnenfrieden
mein Heimatstädtchen aus dem Tale vor mir auf.
Ein Wetter flieht, nur leis grollt’s noch vom Süden.
Im Regenbogenglanz grüßt es herauf.

Wehmütig geh ich durch die alten Gassen.
Nur hier und da ein Laden wiederhergestellt,
genau, wie ich vor ein paar Jahren es einmal verlassen.
Auf Trümmern wuchert eine Wiesenwelt.

Doch hinter’m Tor träumt meine alte Straße
da ich aufwuchs in dörflicher Geruhsamkeit,
und wie zum Gruße haben regennasse
Akazien Blüten auf den Weg gestreut.

Noch vom Gewitter stehen Regenlachen
auf staub’gem Wege. Kinder tummeln sich darin
halbnackt, mit Lärmen und mit Lachen,
und meine eig’ne Kindheit kommt mir in den Sinn.

Dort drüben leuchtend rote Beeren prangen
im Villengarten, kaum vom Blätterwerk bedeckt,
wonach als Kind ich oftmals voll Verlangen
die Hände durch den engen Maschenzaun gestreckt.

Vom Straßenteich grüßt mich der Frösche Quäken.
Vom Sägewerk weht duftend, frisch der Harzgeruch
des frisch geschnitt’nen Holzes mir entgegen.
Rings Gärten, Felder Wald und Wiesenbruch.

Und dort mein Elternhaus. – Welch süßes Bangen.
Wie schmerzhaft mir das Bild zum Herzen drängt.
Gleich wird mein Arm die Lieben warm umpfangen. –
Hier endet stets mein Traum, das Bild versinkt.

Laßt mich den frommen Wahn nur immer träumen.
Ich weiß, vielleicht wird einmal alles anders sein.
Ich werde nie das große Ziel darob versäumen.
Die große Heimkehr. – Einmal wird sie Wahrheit sein.

Bützow Sommer 1954


Sonnenuntergang

Abendhimmel, Abendrot.
Regenwolken lichtdurchloht.
Goldbestrahlte Himmelssäume,
und ich steh’ und träume.

Wundersames Wolkenbild.
Wie auf ewigem Gefild
führt ein ehern steiler Pfad
hin zu einer goldnen Stadt.

Allen Sturm, der mich durchtost,
stillst du, süßer Himmelstrost,
und ein unnennbar Verlangen
nimmt mein herz gefangen.

Eh’ mein Sehnen überquillt,
schwindest du, o holdes Bild,
das du Herr, mein Gott beschieden,
füllst das Herz mit Frieden.

Bützow 1954


Und ob ich schon wanderte durch’s tiefe Tal Psalm 23:4

Un wenn de Weg dörcht Düster geht,
denn weet man ihrst wat “Utharrn” het.
Dree Wochen Arrest bröcht mie dat in,
weil ick vor Entkräftung inschlopen bünn.

Dree Wochen Arrest. All dree Dog wat to Eten,
un mie sünn doch schon de Lungen anfreten.
Keen Disch un keen Bett, vör de Nacht nich mol Stroh
up’m ieskolln Footborn, un mie friert doch so.

Un de Finster sünn hoch, kum seh ick de Sünn,
un de Schieb’n sünn intwei, ümmer regnet dat dorin.
Ick seh blots de Muurn, süß nix von de Welt.
Dat geit mie schlümmer as dat Veh, dat man inspuunt hölt.

Von wien’n hür ick Kinner, un dat deet mie so weh,
un denn denk ick no Hus, ick heff jo ok dree.
Dree Kinner, de se dat Letzte wegnohm,
denn ehr Vadder ligt ok schon in Rußland begroben.

Doch will ick nich klogen, bünn jo nich alleen,
uns Herrgott in’n Himmel hett allens sehn.
He leggt nich miehr up, as ick kann erdrogen,
dit is jo mien Prüfung, ick bruck nich verzogen.

Ick weet, in de Schrift upschrewen steht:
“All wohre Christen möten döch Leed.”
Un de sich an uns versündigen dohn,
de kriegen dorföhr ok eens ehren Lohn.

Doch dat zu weeten kann mie nich erfreun,
ick wünscht veel leewer, se würden bereun.
un ümkiehrn un würden Gott’s Wurt annehm,
denn künn ick mien schlimmsten Feind vergewen.

Doch weet ick dat woll, dat ward nich geschehn,
denn se hebben jo keen Hart, se heb’n nur een Steen,
se hebben keen Geweten, se heb’ bloß een Wohn,
un sowat kann nie nich vör Gott bestohn.

Arrestzelle Bützow-Dreibergen


“und ob ich schon wanderte durch’s tiefe Tal ..” Psalm 23:4

Und wenn der Weg durch’s Dunkel weist,
dann weiß man erst, was Ausharrn heißt.
Drei Wochen Arrest mich dafür traf,
weil mich am Tag übermannte der Schlaf.

Drei Wochen Arrest, nur jeden dritten Tag was zu essen,
und mir sind doch schon die Lungen zerfressen.
Keinen Tisch und kein Bett, für die Nacht nicht mal Stroh
auf eiskaltem Boden und ich friere doch so.

Das Fenster ist hoch. Kaum seh ich der Sonne Schein,
und die Scheiben sind entzwei, es regnet hinein.
Ich seh nur die Mauern, sonst nichts von der Welt,
Es geht mir schlimmer als dem Vieh, das man eingesperrt hält.

Von fern hör ich Kinder, wie weh ist mir dabei,
ich denke nach Haus, ich hab ja auch drei.
Drei Kinder, denen man das letzte genommen,
denn ihr Vater ist schon im Krieg umgekommen.

Doch ich will nicht klagen, bin ja nicht allein.
Jehova im Himmel wird Kraft mir verleihn.
Er legt nicht mehr auf, als ich kann ertragen,
denn dies ist meine Prüfung, ich brauch nicht zu verzagen.

Ich weiß, in der Schrift geschrieben steht,
daß der Weg wahrer Christen durch Leiden geht,
und wer sich an ihnen versündigen wird,
bekommt den Lohn, der ihm gebürt.

Doch, das zu wissen kann mich nicht erfreun.
Viel lieber wünscht ich, sie würden bereuen
und umkehrn und Gottes Wort annehm’n,
dann könnt ich meinem schlimmsten Feind vergeben.

Doch weiß ich wohl, es wird nicht sein.
Sie haben statt eines Herzens nur einen Stein.
Sie haben kein Gewissen, um einzusehn,
und sowas kann niemals vor Gott bestehn.

Arresthaft Bützow-Dreibergen.


Gebet
5:22

Mögest mir, Jehova, geben
Geist von deinem hohen Geist,
laß mein Herz sich nicht erheben,
gib mich nicht dem Hochmut preis.

Wollest mir die Gabe schenken,
meinen Nächsten zu verstehn,
Weisheit mir in’s Herze senken
und Erkenntnis, klar zu sehn.

Mögest Einsicht mir gewähren,
daß ich Schwächen bin bereit
zu gestehn und mir bescheren
Sinn für die Gerechtigkeit.

Wollest du mir Macht verleihen,
jedoch über and’re nicht,
Geist und Leib vom Joch befreien,
selber zu beherrschen mich.

Doch vor allem ich erflehe:
Füll mich irdenes Gefäß
überstömend, Herr, versehe
mich mit Liebe, dir gemäß.

Nie hab ich umsonst gebeten.
Vater, alles gabst du mir.
Her, dein Wille, er gescheh’ denn.
Immer, immer dank ich dir.

Bützow Februar 1954


… und ihr habt nicht gewollt

Wie hab ich um euch gerungen,
wie hab ich um euch gefleht.
Nächte voll schlafloser Stunden,
verbracht’ ich um euch im Gebet.

Ich bin mit euch geschritten
durch alle Tiefen und Höh’n,
bin selbst fast dabei geglitten,
ich wollte euch ganz verstehn.

Nun stehe ich voller Schmerzen
mit leeren Händen, gebeugt,
Verzweiflung und Trauer im Herzen,
ich habe umsonst gezeugt.

Ich habe mich ganz gegeben.
Ich sah darin mehr als nur Pflicht.
Wo blieb nun, Jehova, dein Segen?
Wo fehlt’ ich? Ich weiß es nicht.

Ich glaube, jetzt lern ich verstehen
dich Christus, was du gemeint,
als du auf Israels Höhen
Jerusalems Ende beweint.

Bützow 1954


An die Wand geschrieben

Ein Schlag in’s Angesicht der Menschlichkeit
ist jeder Tag, der den Tyrannen hier noch Macht verleiht.
Ein Tor, wer auf die Gnade der Verbrecher sinnt,
die menschlich zu empfinden nicht mehr fähig sind.

O Menschenwürde, die geknechtet du am Boden schreist
und deren Würde draußen laut das Zeitungswesen preist,
wann wirst du aus dem Staube dich erheben
und frei von Ketten über diesen Erdball schweben?

Wo ein Tyrann sein eigenes Gesetz nicht hält,
da sind die Tage seiner Macht bereits gezählt.

Bützow Bunkerzelle 29.6.1954


Gebet

O laß mich nicht im Meer der Bitterkeit ertrinken.
O laß mich nicht in Zweifels Wogen untersinken,
daß nicht der Hader meiner Seele Altar schleift,
mein Herz sich nicht an deinem Heiligtum vergreift.

Mir ist, als ob am Scheideweg ich stehe.
Vielleicht, daß ich nur nicht mit klaren Augen sehe?
Doch, wenn des Irrtums Schleier mir verhüllt den Blick,
mein Gott, dann führe mich den rechten Pfad zurück.

Manchmal ist mir, als müßt’ ich einsam meinen Weg vollbringen.
Doch Spuren zeigen mir, daß hier schon viele vor mir gingen.
Doch unaufhaltsam drängt viel Volk den Pfad herauf.
Vielleicht, daß ich zu schnell ihm lief vorauf?

Ist’s die Erkenntnis, drum ich bat dich, klar zu sehen?
Mein Gott, dann laß mich nicht auf halbem Weg zugrunde gehen.
Hilf mir, den Grat, der mir das Licht verdeckt, zu überwinden.
Laß mich den Weg zurück zu deinem Volke finden.

Bützow Juli 1954


An meine Kinder !

Die Jahre sind vergangen,
die Zeit ist längst dahin,
seit jener Nacht voll Bangen,
da ich verhaftet bin.

Und doch ist mir, als wäre
erst alles jetzt geschehn.
Trotz aller Tragik Schwere,
die Zeit, sie blieb nicht stehn.

Die Nacht, zuvor im Schlummer,
mein kleiner, lieber Sohn,
da schrakst du auf vor Kummer,
du träumtest schon davon.

Ich hielt dich in den Armen,
denn haltlos weintest du,
den Mund, den tränenwarmen,
deckt ich mit Küssen zu.

Die allerschwerste Wunde,
die mir das Leben stieß,
war jene Trennungsstunde,
da man mich von euch riß.

Ihr lagt in euern Bettchen,
unwissend, kaum bedeckt,
mein Söhnchen und die Mädchen,
schlaftrunken ausgestreckt.

Mein blutend Herz bezwingend,
so stand ich in der Tür,
die Tränen niederringend,
die Schergen hinter mir.

Wollt euch noch wecken, sagen
euch noch ein letztes Wort:
“Sollt lieb sein, euch vertragen”,
da stießen sie mich fort.

Sie haben kein Empfinden,
kein Flehen stimmt sie um.
Ich wußt’ es ohnehin, denn
ich bat sie auch nicht drum.

Wofür, mögt ihr euch fragen?
Noch könnt ihr nicht verstehn,
was euch Verächter sagen,
wie sie die Dinge sehn.

Ich hab mich nicht vergangen
am Menschenrecht, ich steh,
da kann man nicht verlangen,
daß ich um Gnade fleh.

Ich bin Jehovas Zeuge
und werd’ es immer sein,
vor keinem ich mich beuge,
als nur vor Gott allein.

Ich muß die Wahrheit sagen,
die mir im Herzen brennt,
den großen Einsatz wagen,
der keinen Aufschub kennt.

Worum die Menschen ringen,
jahrtausendlang in Nacht,
das kann nur Gott vollbringen
und keines Menschen Macht.

Daß Freiheit werd’ und Friede
auf Erden, künden wir.
Weil ich die Menschen liebe,
seht, darum bin ich hier.

Wie hat man euch erzogen,
daß ihr mich so vergaßt,
um’s Schönste mich betrogen,
womit verdien ich das?

Kein Brief von Kinderhänden,
so oft ich euch auch schrieb,
kein herzliches Gedenken,
und ich hab’ euch so lieb.

“Ihr müßt euch meiner schämen”,
das redet man euch ein.
Doch sollt ihr euch nicht grämen,
sollt allzeit freudig sein.

Schlagt nicht die Augen nieder,
bekennt mich allezeit,
damit, komm ich einst wieder,
ihr meiner würdig seid.

Ich kämpfe mit den Vielen,
die heut’ noch ungezählt,
für Leben, Freiheit, Frieden,
für eine bess’re Welt.

Bützow Juli 1954
Diesen Brief lernte eine Schwester auswendig, denn ich bat sie, ihn nach ihrer Entlassung an meine Kinder zu schicken. Er ist aber, wer weiß aus welchen Gründen, nie zu ihnen gelangt.


Gebet im Schlußangriff Hesekiel 38:16

Jehova, Gott im Licht,
Vater, verlaß uns nicht!
Sieh, wie uns mächtige Feinde umtoben,
Satan, mit all seinem Heer der Dämonen.
Alle Gewalten stehn wieder uns auf,
ziehen nach Harmagedon hinauf.

Jehova, Gott im Licht,
Vater, verlaß uns nicht!

Jehova, Gott im Licht,
Vater, verlaß uns nicht!
Siehe, wir stehen in Todesgefahren,
send uns zum Schutz deine himmlischen Scharen.
Öffne die Augen uns, damit wir sehn,
daß viel mehr für uns, als wider uns stehn.

Jehova, Gott im Licht,
Vater, verlaß uns nicht!

Jehova, Gott im Licht,
Vater, verlaß uns nicht!
Stärk’ unsern Glauben und unser Vertrauen.
Laß deinen Sieg an den Feinden uns schauen.
Dein ist die Ehre und dein ist der Ruhm.
Schütze dein göttliches Eigentum.

Jehova, Gott im Licht,
Vater, verlaß uns nicht!

Bützow 1954


Enttäuschung

Inmitten von Schutt und Trümmer
ein Blümlein so herrlich erblüht,
so schön, so anmutig wie nimmer
mein Auge ein solches wohl sieht.

Ergriffen beugt’ ich mich nieder
und schaute und sah mich nicht satt,
und freute mich immer wieder
doch?s schien mir ein wenig matt.

Ich dachte, nach Vaters Garten
nehme ich es mit, nach daheim,
da wird ich es pflegen und warten,
das liebliche Blümelein.

Ich grub’s auf – und zu, behende.
Dem Himmel sei es geklagt.
Es fanden die bebenden Hände
die Wurzeln von Würmern zernagt.

Ich kann es nicht welken sehen
und wende mich schmerzerfüllt. –
Es wird verdorren, vergehen.
Ich trage im Herzen sein Bild.

Bützow 1954


Ein bißchen Sonnenschein

Ein bißchen Sonnenschein,
der sich durch’s Gitter stiehlt.
Ein bißchen Frühlingswind,
der mir die Stirne kühlt.
Ein bißchen Himmelsblau,
das meine Sehnsucht weckt.
Ein bißchen Blütenduft,
der meinen Sinn erregt.
Ein bißchen Vogelsang,
der mir zu Herzen drängt.
Der immer gleiche Traum
mich sanft umfängt.

Bützow März 1954


Ein Frühlingstag

Sprießendes Grün, aus Mauerritzen.
Katzen, die in der Sonne sitzen.
Veilchen blüh’n am Wall unter Büschen.
Käfer krabbeln aus den Nischen.
Störche klappern vom Dach , am Tor.
Lerchen jubeln in den Himmel empor.
Libellen flirren über dem Teich.
Rohrdommeln nisten im Gesträuch.
An den Wallwegen blühn Spireen.
Leute, die spazieren geh’n.
Aus offenem Fenster der Schule dringt
heller Gesang, ein Kinderchor singt.
Zwischen Kantsteinen blühn verschmitzt,
Löwenzahn, und das Spatzenvolk sitzt
im Schlehdorn, der seine Blüten verstreut. –

Bilder, aus längst vergangener Zeit!

Ein Sommertag

Spitzgieblige Häuschen, mit knarrenden Stiegen,
die sich geduckt an die Stadtmauer schmiegen.
Kopfsteinpflaster, Straßenlaterne,
schräg gegenüber die Mietskaserne,
daneben wirft ein Kastanienbaum,
sommers Blüten über den Zaun.
Gewitterschwüle, drückende Hitze,
Wolkendunkel, zuckende Blitze.
Donnerschläge, prasselnder Wolkenbruch.
Gereinigte Luft, frischer Blütengeruch.
Schwalben segeln durch’s Himmelsblau,
huden und nisten am Mauervorbau.
Blumen auf niedriger Fensterbank,
vom Nebengäßchen her, Drehorgelklang.
Kinderjauchzen, Sterbegeläut.

Bilder, aus längst vergangener Zeit!

Ein Herbstabend

Herbstabenddämmrung, gespenstische Schatten.
Unter den Dielen das Nagen der Ratten.
Wechselndes Mondlicht, huschend Gewölk.
Bohren des Mehlwurm’s im morschen Gebälk.
Leise rieselt Kalk von der Wand.
Kinderohren lauschen gebannt,
verworrenen Stimmen, seltsam und fremd.
Wachsende Angst den Herzschlag hemmt.
Lang und unheimlich hallt der Schlag,
der alten Uhr im Gebäude nach.
Schlurfende Schritte die Treppe hinauf,
bis vor die Tür, – – jetzt geht sie auf . – –
Mutter, mit Lampe und Abendbrot
endet im Nu alle kindliche Not.
Wie doch das Licht alle Ängste zerstreut.

Bilder, aus längst vergangener Zeit!

Ein Wintertag

Verschneites Gäßchen, Schellengebimmel.
Glutrote Sonne am Nachmittagshimmel.
Eiszapfen hängen an Dächern und Zweigen,
die sich schneelastig in Winterpracht beugen.
Ausgelassene Kinderscharen,
die sich balgen und Schlitten fahren.
Herrlich die Eisbahn im Rinnstein und weit,
obwohl der Hauswirt mit Asche gestreut ..
Hände und Füße sind verfroren.
Kaffee in heißen Ofenrohren.
Tränen und trösten, kindlicher Schwur
draußen zu spielen im Sommer nur.
Doch schon der Schlaf jeden Vorsatz enthebt,
schwerelos gleitend im Traum man entschwebt.
Draußen fallen die Flocken, – es schneit.

Bilder, aus längst vergangener Zeit!
Bützow 1954


Und wieder verblühen die Blumen

Und wieder verblühen die Blumen
da draußen im Herbstsonnenschein.
Des Sommers Laute verstummen.
Bunt leuchtet das Laub im Hain.

Und wieder ziehen die Sänger
des Frühlings ‘gen Süden hinan.
Da ist mir, als ob ich nicht länger
die Kerkerluft atmen kann.

Ach, all das reine Streben
nach Freiheit, Schönheit und Licht,
das Gott uns einst gegeben,
machtvoll alle Schranken durchbricht.

O könnt’ ich noch einmal genießen
die heilende Spätsommerluft,
und atmen den unendlich süßen
belebenden Blütenduft.

Nie blühten die Blüten bunter.
Nie schien der Himmel so blau.
Nie ging die Sonne so unter,
wie ich es im Geiste hier schau.

Nie hab’ ich so klar gesehen,
seit ich nach Erkenntnis gestrebt.
Hier lernt’ ich die Tiefen verstehen,
seit ich sie selber durchlebt.

Sind auch mit den Jahren zerronnen
manch’ Traum und der Jugend Glück.
Doch, was ich dafür gewonnen,
ich gäbe es nie mehr zurück.

O Reichtum, der mir gegeben!
Ich werd’, wenn die Fesseln gesprengt,
mein Dasein bewußter erleben,
als wär es mir neu geschenkt.

Bützow 1954


Jesaja 61:2

Mutter, was weinst du dort um dein Kind?
Trockne die Tränen, sieh nur geschwind.
Schau, auf jenem Grabstein dort drüben
steht doch die frohe Verheißung geschrieben.
Hast du denn diese noch niemals vernommen?
“Wahrlich, es wird die Stunde kommen,
da alle, die in den Gräbern vergehn,
meine Stimme hören und auferstehn!”
Glaubst du den Worten Jesu denn nicht?
Sicherlich hält er, was er verspricht.

Wehmütig lächelnd schaut sie darein:
Freilich, ich glaube, doch wann wird das sein?

Höre: Hast sicher selbst oft im Gebet,
dem “Vaterunser”, darum gefleht,
“Dein Reich komme”, und ohne Acht
niemals darüber nachgedacht.
Sieh, diese Welt ist am Vergehn.
Eine neue ist im Entsteh’n.
Eine Welt voller Frieden und Sonnenschein,
denn Christus wird König auf Erden sein.
Und alle werden dann wiederkommen,
die uns in bitt’rer Stunde genommen.

Auch dein Kind wird wieder bei dir sein.
Denk dir nur, wie schön wird das sein.

Komm, wir wolln es den anderen sagen,
die da noch seufzen und jammern und klagen,
wollen ihnen die Botschaft verkünden,
daß sie, wie du, auch Trost daran finden
und glücklich werden, wie du es jetzt bist.

Mutter, denk nur, wie schön das ist.

Bützow 1954


Friedhofsspaziergang

Jüngst bin ich dort gewesen
wo die Verstorb’nen ruhn.
Manch Inschrift konnt’ ich lesen
am Grabmal, manch Signum.

Von Freunden und Verwandten,
oft neu, oft schon verblaßt,
manch Hügel von Bekannten,
oft frisch, oft schon vergrast.

Wie schön die Blumen blühen.
Von liebevoller Hand
gepflegt, als ob ihr Mühen
den Schmerz des Todes bannt.

Im hellen Sonnenglanze
liegt friedlich eine Welt,
die hier vom Lebenstanze
ausruhend innehält.

Hier schläft ein kleiner Knabe,
mein Bruder von acht Jahr’.
Man trug ihn schon zu Grabe,
als ich noch garnicht war.

Wenn ich ihn mir vorstelle,
ich kenn ihn nur vom Bild,
ein herziger Geselle
mit Augen lieb und mild.

Dort ruht mein Vater friedlich.
Ihm rauscht ein Lindenbaum
am Wegesrand gemütlich
in langem, langem Traum.

Und hier mein Spielgefährte,
du kleiner, kecker Wicht. –
Längst deckt dich schon die Erde,
doch ich vergeß dich nicht.

Hier ruhn sie, die im Leben
gefühlt, gewirkt wie du
und ich. Heut deckt ihr Streben
die kühle Erde zu.

So schreit ich auf den Wegen
und steh vor einer Gruft,
daraus schlägt mir entgegen
die feuchte Moderluft.

Neugierig tret’ ich näher.
Verblichenes Gebein
scharrt dort der Totengräber
in einen Winkel ein.

Auf mein verstörtes Fragen
spricht er gleichmütig: Nun,
der Platz ist rar, nach Jahren
wird hier ein andrer ruhn.

Den Schauder zu verwinden,
entflieh ich dem Geschehn.
Welch tröstliches Empfinden.
Es gibt ein “Auferstehn”.

Bützow 1954


Joel 2:28

Wir sitzen beisammen und träumen
von jener seligen Zeit,
wo wir unter Blütenbäumen
lustwandeln, für immer befreit.

Entschwunden sind Müh und Beschwerde,
in’s Meer des Vergessens gesenkt.
O glücklich, wem auf dieser Erde
die goldene Hoffnung geschenkt.

Das “Buch der Bücher” berichtet
von unserer Erde Erneu’n.
Viel schöner, als Menschen erdichtet,
wird Gottes Königreich sein.

Wir träumen von Myrthen, Zypressen,
und weinumrankten Höh’n,
von Früchten, die wir nie gegessen
und die wir niemals gesehn.

Von marmorweißen Palästen
und Gärten im Springbrunnenglanz,
musikdurchwogten Festen
und fröhlichem Reigentanz.

Von Ehen, die wir dann schließen,
wo Seelen, glückerfüllt
in eins zusammenfließen,
wo alles Sehnen gestillt.

Von jauchzenden Kinderscharen
voll Demut, die unschuldrein
die Wege Jehovas bewahren,
uns mit ihrer Anmut erfreun.

Wenn sie dann gesprungen kommen,
vom fröhlichen Spiel, heimatwärts,
dann zihn wir im Geiste versonnen
die Kleinen liebkosend ans Herz.

So sind all die tausend Freuden,
die uns einst Jehova beschert,
gemessen an diesen Leiden
die Treue zu ihm wohl wert.

Ach, höbe nicht manschmal die Blicke
der Wand’rer, voll Müh’ und Beschwer’,
zu seinem Ziele und Glücke,
wo nähm’ er den Anspruch wohl her?

So lasset des Traumes Gestalten
vor unseren Augen bestehn.
Mög Gott uns die Liebe erhalten,
den Weg bis zu Ende zu gehen.

Bützow November 195
Diese Antwort schickten wir unseren mitgefangenen Schwestern,
nachdem wir auf einem Strafblock abgesondert wurden.


Noch immer spür ich deine linde Hand

Noch immer spür ich deine linde Hand,
die tröstend über Haar und Stirn mir strich,
wenn ich das Haupt in wildem Schmerz gebannt
in deinem Schoß verbarg. Du kanntest mich.

Noch immer hör ich deiner Stimme Klang.
Du sprachst mit mir gemeinsam das Gebet.
So manches Lied ich mit dir sang.
Du hast mit mir gelitten und gefleht.

Und Gottes höchstes, heiligstes Gebot
der Nächstenliebe, das Beglückung schafft
und siegreich überwindet Nacht und Tod,
das hast du mir so leicht, so leicht gemacht.

Du hast in Treuen deinen Lauf vollbracht.
Trennt uns auch irdische Vergänglichkeit,
die Hoffnung überstrahlt des Todes Macht.
Kurz ist die Trennung, ewig doch die Freud’.

Meiner mütterlichen Schwester Martha Knie gewidmet.
Gestorben an unmenschlicher Behandlung im Zuchthaus Bützow 1953

Bützow 1955


Unser Junge

Wir haben ihn zwar niemals gesehn,
Man brachte dich fort, als das geschehn.
Doch dann, nach Wochen, wurd uns kund:
Du hast einen Sohn, und beide gesund.

Nach monaten bist du dann wiedergekommen.
Deinen Jungen, den hat man dir fortgenommen.
Wie grausam doch die Feinde sind,
sie schonen nicht Greis, nicht Weib noch Kind.

Es könnte zwar alles anders sein.
Könnt’s dich im Kreis deiner Lieben erfreun.
Du weißt, wie beglückend es ist, zu erleben
das erste Lächeln, das Köpfchenheben,

wie er, von zärtlichen Blicken gestreift,
mit seinen kleinen Patschhändchen greift,
nach Schwesterchens blonden Wuschelhaaren,
die stolz ihn im Kinderwagen fahren.

Das Zähnchenkriegen, sein Lachen und Weinen,
die ersten Versuche auf schwankenden Beinen,
das alles hast du tapfer entbehrt,
auch damit Jehovas Namen geehrt.

Drum mög Gottes Segen auf ihm sein,
er prächtig an Leib und Seele gedeihn,
denn alles, was dich an Sorgen bewegt,
hast du in seine Hand gelegt.

Und wenn wir uns draußen einst wiedersehn,
wir hoffen, das möge bald geschehn,
dann Schwesterlein, erfüllst uns die Bitt’
und bringst uns den kleinen Zuchthäusler mit.

Dann wird er von einem Arm zum andern
reihum bei allen von uns wandern,
die hier mit dir verbunden sind.
Dein Sohn ist unser aller Kind.

Bützow 1955


Psalm 137

Fern von Siloahs Quelle,
die sanft und lieblich rauscht,
der’n munterem Gefälle
ich gar so gern gelauscht.

Wie dürstet nach dem reinen
und klaren Born mein Herz.
Flieht immer doch in Träumen
die Seele heimatwärts.

Ihr Hügel voller Reben,
ihr Au’n voll Korn, und ach
ihr Feste voller Leben,
wie sehn ich mich danach.

O, Babels trübe Fluten
beleben nicht die Kraft,
die Fron und Sonnengluten
verdorrt und hingerafft.

Wenn auch in Sklavenbande
der Leib sich trauernd fügt,
trotz Knechtschaft und trotz Schande,
der Geist ist unbesiegt.

Bis uns Jehovas Scharen
befrein von Feindes List,
laßt Treue uns bewahren.
Wer weiß, wie nah das ist.

Einst werden Heimatklänge
das müde Herz erfreun,
und weinbelaubte Hänge
die alte Kraft erneu’n.

Bützow 1955
Dieses lange Gedicht war eigentlich (im Zuchthausjargon) ein Kassiber.
Das heißt: Ein verbotenes Schreiben.

Es war für einen Mithäftling bestimmt, mit dem ich mich eingehend über die Wahrheit unterhalten konnte.
Der Anlaß zu dieser Gelegenheit waren die nächtlichen Stromsperren während der Arbeit.
Unter den vorwiegend politischen Häftlingen lernte ich eine Studienrätin kennen, die mitsamt ihren Studenten inhaftiert worden war, weil sie die Anschrift des “RIAS” an diese weitergegeben, was ihr eine langjährige Zuchthausstrafe eingetragen hatte.
Sie war sehr deprimiert wegen der Uneinig- und Ziellosigkeit ihrer politischen Genossen. Sie äußerte dieses voller Bitterkeit und sprach uns Zeugen Jehovas dagegen ihre Anerkennung aus, wegen unserer Standhaftigkeit und des Zusammenhaltes.
Ich konnte diese Gelegenheit nutzen, um ihr die Gründe unseres Verhaltens zu erklären, was zu einer regen Diskussion führte über das wahre Christentum, das wir als Zeugen Jehovas versuchten, auszuleben.
Doch diese Gelegenheit, dies fortzusetzen, wurde abrupt beendet. Wir wurden getrennt. Ich erfuhr, daß sie in einen andern Block verlegt und einer andern Schicht zugeteilt worden war.
So begann ich die Konversation auf meine Weise fortzusetzen. Ich baute Vers für Vers, gleich einem Bau, Stein auf Stein.
So entstand dieses Gebilde. Nur so gelang es mir, festzuhalten, was ich diesem hörendem Menschen übermitteln wollte.
Aber ich hatte nie mehr Gelegenheit, dieses Vorhaben auszuführen. Wir verloren uns aus den Augen. Geblieben aber ist dieses Gedicht, das als Zeugnis oder “Kassiber” gedacht war.


Du schaust dich wohl manchmal voll Zagen
entsetzt und verzweifelt um,
gepeinigt von tausend Fragen:
“Wozu dieses Leben, warum?”

Die Weltgeschichte kündet
von Kriegen, Vernichtung und Tod.
Durch alle Zeiten windet
sich ein Strom aus Blut und Not.

Nationen und Völker versanken
in Nacht und Vergessenheit.
Jahrtausende in Gedanken
durchlebst du, bis in diese Zeit,

wo beim Atombombengrollen
die Menschheit den Atem verhält,
in die du mit edlem Wollen
und heißem Herzen gestellt.

Das Zeitalter der Vollendung
der Technik und Wissenschaft,
wo Menschen in wilder Verblendung
verleugnen die göttliche Kraft,

vor Ismen und Wissenschaften,
den heutigen Götzen, gebeugt,
das Wort des Höchsten verachten,
das Sinn, Ziel und Ausweg zeigt.

Den Daseinszweck zu ergründen
im Wesen der Philosophie
versucht’ man und konnt ihn nicht finden
vor Weltlicher Theorie.

Nur wenig Menschen fanden
den Aufschluß im göttlichen Plan.
Sie wurden jedoch mißverstanden,
als weltfremd und irr abgetan.

Auch du hast dein Herz mit Ergüssen
des menschlichen Geistes gefüllt
und fühlst doch, daß all dein Wissen
den Hunger nach Wahrheit nicht stillt.

Eines lehrt dich das wirkliche Leben
mit gräßlicher Deutlichkeit:
Das ganze menschliche Streben
ist nahem Verderben geweiht.

Denn, was Menschenhirn auch erfunden
zum Segen und Wohlstand erdacht
Jahrtausende lang, ist in Stunden
zerstört und zunichte gemacht.

Wie klein und armselig dagegen
ist all der gute Versuch
der Technik, er wurd nicht zum Segen.
Er wurde der Menschheit zum Fluch.

Es ist das, seit Menschengedenken,
gleichbleibende Ringen nach Macht
das eigne Geschick selbst zu lenken.
Doch niemand hat es vollbracht.

Man suchte, vom Wahn besessen,
für das Versagen die Schuld
bei jenen, die gottvergessen
sie stets in den Schlaf gelullt.

So stürzte man von ihren Thronen
die scheinfromme Monarchie.
In blutigen Revolutionen
erstarkte die Demokratie.

Aus Unterdrückung geboren,
genährt von Haß und Pein,
von Männern, dem Willen verschworwen,
die Völker vom Joch zu befrein.

Doch läßt sich kein Friede erzwingen.
Und Freiheit heißt nicht “Gewalt”.
Und Kettengeklirr ist kein Klingen,
das allzu verheißungsvoll schallt.

So scheiterte all ihr Bestreben
an selbstischer Uneinigkeit,
dem menschlichen Unvermögen,
an Gott- und Gesetzlosigkeit.

Es legten die Volksbefreier
in unberufene Hand
den Funken, er wurde zum Feuer,
zum unstillbaren Brand.

Schon zügeln gierig die Flammen
am morschen Bau dieser Welt,
den falsche Religion zusammen-
gefügt und der mit ihr fällt.

Die mit hierarchischem Bannstrahl
die Welt unterjocht und verheert
und unter dem kirchlichen Schandmal
die Wahrheit in Lüge verkehrt.

Das Wort des Höchsten verschandelt,
den christlichen Grundsatz entweiht.
Die ganze Menschheit wandelt
in tiefster Verworrenheit.

Das alle erfüllt dich mit Grauen,
du siehst keinen Ausweg, kein Ziel.
Erschüttert ist dein Vertrauen,
voll Bitterkeit dein Gefühl.

Doch wende den Blick von den Qualen
des unverstandenen Seins,
zertrümmerten Idealen,
der Welt des Betrugs und des Scheins,

zum Vater empor, dessen Werke
der Schöpfung dich täglich erfreun,
des allgewaltigen Stärke
die Schatten des Irrtums zerstreun.

Enthüllt nicht der Gang der Gezeiten,
der Wechsel von Tag und Nacht,
des Weltalls Unendlichkeiten,
dir Gottes gewaltige Macht?

Sieh, Sonnen und Sternheere kreisen
in ewiger Ordnung die Bahn
nach seinem Gesetz und beweisen
sein Dasein am Schöpfungsplan.

Nichts ist es, was er übersehen,
ihm ist alles offenbar.
Das ganze Weltgeschehen
legt in seinem Wort er uns dar.

Kein Buch ist so verbreitet,
uralt, doch gegenwartsneu,
umkämpft, verfemt, mißdeutet,
beliebt und wahrheitsgetreu.

Aus jenem alten Berichte
enthüllt sich das große Geschehn
und läßt dich im göttlichen Lichte
den Sinn dieses Daseins verstehn.

Dort wirkt, in unendlichen Sphären
ein allumfassender Geist.
Er war, Er ist, Er läßt werden.
Sein Name “Jehova” heißt.

Seraphe und Cherubinen
schuf er durch des Werkmeisters Hand,
dem Logos, der uns vor ihnen
als Erstling der Schöpfung bekannt.

Durch ihn sind die Himmel geworden.
Durch ihn ist die Erde erstellt,
die er aus den Sternen erkoren,
auf ihr die Entscheidung gefällt.

In riesigen Zeitepochen
verlieh er der Erde Gestalt.
Als er das “Werde” gesprochen,
verebbte des Dunkels Gewalt,

entstanden Flüsse und Berge
und Fluren, mit Leben erfüllt,
und endlich als Krone der Werke:
“Der Mensch”, Gottes Ebenbild.

Ihm, den er aus Erde erschaffen
in vollkommner Schönheit und Kraft,
verlieh er die Eigenschaften:
Gerechtigkeit, Weisheit und Macht.

Als höchstes je offenbarten
ward Liebe ins Herz ihm gesenkt,
ein üppig blühender Garten
als irdische Heimat geschenkt.

Ihm wurd als Gehilfin zur Seite
das Weib zur Freude gesellt
und über dem Tierreich der Weite
die Herrschaft anheimgestellt.

So schuf Gott den Menschen zum Leben,
zum Lieben, um glücklich zu sein,
dem Schöpfer die Ehre zu geben,
sich seines Daseins zu freun.

Und all seine Werke waren
von ihm selbst als gut genannt.
Des Himmels unzählbare Scharen
frohlockten im Jubelgesang.

Ein mächtiger unter den Söhnen
ehovas, als Glanzstern geschaut,
ihm ward, dem Vollkommenen, Schönen,
die Herrschaft auf Erden vertraut.

Doch angesichts all der Ehren,
die dem Schöpfer dargebracht,
war machtvoll der Sünde Begehren
in seinem Herzen erwacht.

In folgenschwerem Erwägen
beshloß er, sich über den Thron
Jehovas zu erheben.
So stiftete er Rebellion.

Mißbrauchte das zur Belehrung
ihm anvertraute Paar,
das vollkommen vor der Bewährung,
drum voll verantwortlich war.

So wurde an jenem Tage
von Gott selbst der Richtspruch gefällt,
ein Treueprinzip in Frage
vor aller Schöpfung gestellt.

Doch ließ Gott dem großen Rivalen
für sechstausend Jahre die Macht
auf Erden, danit vor allen
der Fall zur Entscheidung gebracht,

an ihm seine Macht zu beweisen,
die herrlich sich offenbart,
indem er den Samen verheißen,
durch den er gerechtfertigt ward,

durch dessen Opfer, zur Rettung
von Menschen der Weg befreit,
die durch die Übertretung
dem Todesfluche geweiht.

So birgt jenes Drama in Eden
den Kern des uralten Problems,
der menschlichen Kriege und Fehden,
der Unfähigkeit dieses Systems.

Verfallen sind damals wie heute
die Menschen dem Gott dieser Welt.
Sie stellen sich selbst auf die Seite
des, der sie in Finsternis hält.

In ungeheurer Verblendung
zog selbst ein mächtiges Heer
von Engeln, mißbrauchend die Sendung,
als Dämonen hinter ihm her.

Geschlechter kamen und gingen.
Die Gottlosigkeit nahm überhand.
Die Welt, entartet in Sünden,
im Wasser der Flut verschwand.

In tosendem Elemente
blieb, durch Gottes Gnade bewahrt,
nur Noah, der treu bis zum Ende
mit seiner Familie verharrt.

Der Auftrag, die Erde zu füllen,
erging an sein Geschlecht,
zu wandeln nach Gottes Willen,
in Ehrfurcht, in Reinheit und Recht.

Gott gab ihm nicht vergebens
sein wunderbares Gesetz
der Heiligkeit des Lebens,
das Menschen jedoch stets verletzt

und sich mit blutigen Händen
von ihrem Schöpfere gekehrt,
statt ihre Schuld zu bekennen
ihn noch geschmäht und entehrt.

Doch waren in allen Zeiten
ergebene Menschen bereit
trotz Prüfung, Verfolgung und Leiden
zur Wahrung der Lauterkeit.

Durch Abrahams Demut und Treue
ward die Verheißung ersehn
für alle, die gleich ihm voll Reue
Gott suchen und Gnade erflehn.

So hatte aus seinem Samen
Jehova ein Volk sich erwählt,
durch das er der Welt seinen Namen
voll unter Beweis gestellt.

Doch allzu schnell vergessen
war seine huldreiche Hand.
Im Dienste fremder Interessen
lag Israels Untergang.

Weil es das Gesetz übertreten,
treulos, mit störrischem Sinn,
gab Gott es dann in Ketten
den feindlichen Völkern hin.

Die Theokratie war beendet.
Die Herrschaft der Heiden begann.
Sieben Zeiten, bis sie vollendet,
gab Gott den Propheten an.

Schwer lag die Hand der Nationen
auf dem verworfnen Geschlecht,
das, durch alle Generationen
die Fesseln zu sprengen erwägt.

In jener Zeit voll Uneinen
ward die Verheißung erfüllt,
mit des Messias Erscheinen
die Prophezeiung enthüllt.

Nach Gottes weiser Vorkehrung
verließ er sein vormenschlich Sein
und setze sich für die Rechtfertigung
des Namens Jehovas ein.

Er kam als “Das Licht” zu den Seinen,
doch nahmen sie ihn nicht an.
Sie schlugen den sündlosen, reinen
Sohn Gottes an einen Stamm.

Weil sie mißachteten willentlich
die Gnadengelegenheit
verwarf sie Gott endgültig
und für alle Ewigkeit.

Die vollständige Zerstörung
Jerusalems bewies,
mit nachfolgender Verheerung,
was Christus warnend verhieß.

Nur seine Jünger verstanden
und harrten voll Zuversicht
der Zeichen der Zeit, sie entrannen
dem furchtbaren Schreckensgericht.

Sie scheuten nicht Müh und Beschwerde
und trieben das Werk voran,
verstreut auf der ganzen Erde,
gleich, wie es Christus getan.

Die Botschaft des Heils zu verkünden
erkannten sie als ihre Pflicht,
um Gottes Gunst zu finden
beim Kommen seines Gerichts.

So wurde der wachsenden Menge
der Segen Jehovas zum Lohn.
Das waren die Uranfänge
der christlichen Religion.

Doch barg sie schon beim Beginne
Anzeichen des nahen Verfalls,
entartet in dem Sinne
wie Israel dazumals.

Durch den gewissenlosen
Verrat kam es darum,
wie prophezeit zum großen
Abfall vom Christentum.

Von heidnischen Traditionen
und finsterem Irrtum entstellt,
als Machtinstrument der Nationen
erwarb sie die Herrschaft der Welt.

Errichtete unterm Deckmantel
der päpstlichen Unfehlbarkeit
ein Schreckensregime durch den Wandel
wie niemals zuvor Gott entweiht.

Die dunkelste Zeit der Geschichte
der grausamen Despotie.
Das waren die blutigen Früchte
katholischer Hierarchie.

Und wieder erscholl durch das Grauen
der warnende Ruf durch die Nacht.
Es standen voll Gottvertrauen
auch dort treue Christen auf Wacht.

Im Jahre Neunzehnhundertundvierzehn
beendete Gott das System
der Heidennationen, es stürzten
die Herrscher von ihren Höh’n.

Durch jenen Kampf im Himmel,
da Satan zur Erde getan,
trat mitten im Schlachtengetümmel
Christus seine Herrschaft an.

Er richtete die Nationen,
begann bei der Christenheit.
Verwarf, samt Papststuhl und Kronen,
die maßlose Unfehlbarkeit.

Es ist ein gewaltiges Ringen
entbtrannt um die Herrschaft der Welt,
doch keine Bemühungen bringen
den Segen, der ihnen fehlt.

Wie sehr die Völker dürsten
nach Frieden, beweist ihr Geschrei,
wohinter die Machthaber rüsten.
Doch das überhört man dabei.

Nicht denken, nicht sehen, nicht hören,
das ist ihrem Willen genehm,
die Massen zu betören
nicht hinter das Blendwerk zu sehn.

Um allen Völkern zu zeigen,
was Gott beschlossen hat,
verkünden Jehovas Zeugen
daß Harmagedon naht.

Verkünden den ewigen Frieden,
das Reich, das im Kommen ist,
daß allen, die Wahrheit lieben,
Errettung und Leben gewiß.

Sieh, all das muß ich dir sagen.
Gewaltig ist das Geschehn
in diesen letzten Tagen,
man kann es nicht übersehn.

Auch du wirst es erkennen,
wenn es dir ernst darum ist,
den Ruf befolgen können.
Warum nennst du dich sonst “Christ”?

Du kennst den Ernst der Zeiten.
Du kennst des Herrn Gebot.
Du selbst hast zu entscheiden:
“Für oder gegen Gott!”

Bützow 1955


Nachtwanderungen

Alles vorüber, alles vorbei,
was dich so glücklich gemacht,
was dir so freudig gelacht.
‘S ist wie ein Traum, der entschwand,
niemals Verwirklichung fand.
Herz, daß du nimmer vergißt,
was du geliebt. Ach es ist
alles vorüber, alles vorbei.

Sacht fällt der Schnee.
Rings um mich her ist Einsamkeit.
Mein Herz vergeht vor Leid
und namenlosem Weh.

Sieh meine Not.
Nimm mich an’s Vaterherz
und stille meinen Schmerz,
mein Gott, mein Gott!

Bützow 1956


Finale

Der Teufel feiert jetzt sein Fest.
Er ladet alles ein,
was böse und was gottlos ist.
Herein zu ihm, herein!

Als Festplatz dient der Erdensaal.
Er selber ist der Wirt.
Dämonen amten, ohne Zahl,
wie sich’s für ihn gebührt.

Die Sünde lauert an der Tür.
Ihr zahlt man sein Entree.
Der Haß, der Hader neben ihr
amtieren als Portier.

Das Festmahl, es ist reich gedeckt
mit menschlichem Gebein.
Hei, wie man sich die Finger leckt.
Das wird das letzte sein.

Der Zorn die Taumelbecher füllt
mit Blut bis an den Rand.
Da nimmt, in wüstem Rausch gehüllt,
das Treiben überhand.

Nackt liegt die Hurerei und bloß
auf ihrem Buhlenbett.
Die Wollust lädt in ihren Schoß,
wen irgend sie erspäht.

Jetzt spielt der Tod zum letzten Tanz.
Wie er die Zähne bleckt.
Die schaurig schrille Dissonanz
das Grauen weltweit trägt.

Da hebt ein tolles Chaos an,
wie man es nie erlebt.
Der Teufel fühlt sein Ende nahn.
Die Erde wankt und bebt.

Denn wo er nicht regieren kann,
er alles ruiniert.
Empfang, o Welt im blinden Wahn,
dein Teil, das dir gebührt.


Fragment

Vier Kinder, die Eltern, ein einziger dürftiger Raum.
Der reicht zum Atmen, zum Essen, zum Schlafen kaum.
Im engen Gäßchen, wo der Abfluß im Rinnstein steht,
dessen giftigen Brodem der Wind, wie zum Hohn, uns ins Fenster weht.
Kriegsleidend der Vater, er hustet sich langsam tot,
und wir alle sind von der Tuberkulose bedroht.
Der Hauswirt, ein alter, herzloser Mann,
drückt und bedroht uns, wo er nur kann.
Wohl zahlen wir Miete, erfüllen auch sonst unsre Pflicht,
trotz kärglicher Rente, doch Rechte – die haben wir nicht.
Was kümmert die Behörde der arme Mann?
Ich klage an.

Vier Jahre in Frankreichs Schützengräben, in Schlamm und Dreck,
Da holte sich Vater die Schwindsucht weg.
Und während der Landser kämpfte und hungerte, bis ihm das Gedärme quoll,
schlug sich die Führung am Nachschub und Kriegsgut die Bäuche voll.
Und der Pfarrer predigt mit scheinheiligen Gebärden:
Seid getreu bis in den Tod, dann wird euch die Krone des Lebens werden.
Denn fallt ihr für’s Vaterland, ist euch der Himmel gewiß.
( Und du sollst nicht töten, sprach unser Herr Jesus Christ. )
Doch knallt’s, dann flieht der Herr Pfarrer mit angstschlotterdem Gebein.
Der Herr Pfarrer will nicht in den Himmel hinein.
Das alles erzählte mein Vater, ein verbitterter Mann.
Ich klage an.


Auf einen Brief

Mein liebes Kind, du fragtest kürzlich bei mir an:
Wie geht es deinem Kopf , außer den Ohren?
Nun ja, mein Kopf, der ist noch dran,
und daran sind bekanntlich ja die Ohren..
Mein Kopf steht, wie du weißt, ja unter’m Druck
von Atü-Atmosphären,
und deshalb wohl entweicht er oft in höh’re Sphären.
Doch die Radaranlage links ist ziemlich schwer lädiert,
und daher wird die rechte in der Werkstatt repariert.
Auf das ergebnis bin ich sehr gespannt.
Noch funktioniert sie nicht, unter dem Mullverband.
Wenn nicht, dann gräm ich mich nicht allzusehr.
Solange bis der “Taube hört” muß ein Verstärker her.

November 1982


Winterwald

Schneebedeckte Tannen
glitzern im Sonnenschein.
Eiskristalle umspannen
die Drähte am Waldesrain.

Über’m verschneiten Wege
läuft eines Wildrudels Spur,
verliert sich im dichten Gehege
der heimischen Waldesflur.

Neugierig äugt aus den Zweigen
ein Eichhörnchen. Lautlos vom Baum
rieselt der Schnee. Ranken neigen
sich unter dem weißen Flaum.

Im azurblauen Schimmer
erstrahlt das Himmelszelt.
Märchenweißer Flimmer
bedeckt die schweigende Welt.

Bützow Winter 1956
Entstanden, als wir den großen Kälteeinbruch in ungehezter Zelle erlebten.
Bilder, die sich an der gefrorenen Wand bildeten.


Hoffnung

Herz, ach Herz, was klopfst du so ungestüm?
Macht dich der Klang dieser Worte: “Nach Hause”, so stürmisch erglühn?
Noch ist’s nur ein Raunen, das jene Hoffnung gebar,
und doch so ganz anders, als all das Wähnen von Jahr zu Jahr.

Hast all’ die Lasten der Jahre ohn’ Zagen,
im steten Wissen um das”Warum” getragen.
Leiden und Schmerzen, allzutiefst menschlich Empfinden,
Konntest du mit Gottes Kraft überwinden.

Was du, in tausend verworrenen Träumen, nächtens erlebt,
Was dich in vielen einsamen Stunden über die tristen Tage erthebt,
all das wird Wirklichkeit, bleibt nicht mehr Traum.
Herz, o mein Herz, und nun glaubst du es kaum.

Bützow 1956


Meinem Bruder

Süße Akkordeonklänge
wiegen mich sanft in den Traum,
heben aus dumpfer Enge
mich über Weiten und Raum,

tragen mich, wie auf Schwingen,
Stätten der Sehnsucht zu.
Heimatlich hör ich es klingen,
‘s ist Feierabendruh.

Ich seh dich im Spiele versunken
in’s offene Fenster gelehnt.
Der Tag versinkt sonnentrunken,
vom Abendglanz übertönt.

Und unter deinen Händen
perlend die Töne entfliehn,
reihn sich in buntem Verschwenden
zu farbigen Melodien.

All deines Herzens Empfinden
verströmen die Töne in’s All,
wecken in allen Gründen
innigen Widerhall.

Wie lieb’ ich des unendlich reichen
Wohlklanges Zaubermacht,
das Schwellen, Verebben, der weichen
Akkorde vollzönende Pracht.

Ach, jenes sanfte Fließen
webt meiner Träume Bild.
Ob sich mir das zu genießen
alles noch einmal erfüllt?

Bützow Mai 1956


Und wieder blühn dort draußen tausend Blumen

Und wieder blühn dort draußen tausend Blumen.
Der Frühling lacht und lockt mit aller Macht.
Und auch in mir ist neues Sehnen
und neuer Freiheitsdrang erwacht.
Bald werd’ ich heim zu meinen Lieben eilen.
Werd mich des Glücks der Wiederkehr erfreun,
wird wieder Freud und Leid mit ihnen teilen,
und aller Kummer wird vergessen sein.

Was ich verschloß in all den langen Jahren
im tiefsten Herzensgrunde, um es hier
vor’m rauhen Alltag zu bewahren,
das alles widerhallt in mir.
All meines Herzens zärtliches Empfinden
zu euch, die ihr um mich gebangt, geweint,
das alles wird Erfüllung finden,
an jenem Tage, der uns wieder eint.

Dann werden Kinderarme mich umpfangen,
mich fest umschließen, was mir lang verwehrt.
Wie oft hab ich doch voll Verlangen,
den Kindermund zum Kuß begehrt.
Dann werden Freudentränen fließen,
ich werd’ mit liebevoller Hand
sie trocknen und dann werd ich wissen,
daß alle Trauer jetzt gebannt.

Dann werd’ ich wieder durch die Weiten gehen
und mir wird sein, wie heute noch im Traum.
Ergriffen werde ich dann stehen,
vor jeder Blüte, jedem Baum.
Beglückt und selig werd’ ich lauschen,
der Vöglein Lied, der Lerche Sang,
und in mir wird beim Waldesrauschen,
aufklingen tiefer Lobgesang.

Doch eines kann und werd’ ich nie vergessen,
die vielen Jahre, die ich hier durchlebt.
Nur kann den Trennungsschmerz ermessen,
der gleichen Sinn’s mit uns gestrebt.
Doch einmal wird der Schmerz vergehen
und aller Kummer wird gestillt;
Dann schenkt uns Gott ein Wiedersehen,
wenn die Verheißung sich erfüllt.

Hoheneck 1957


Gedanken beim Abtransport August 1956

Nun laß ich euch, ihr fluchbelad’nen Mauern,
die ihr mir all die Jahre ungastliche Heimat wart.
Ein bißchen Wehmut ist in mir, ein leises Trauern.
Wohl dem, der sich trotz alledem bewahrt,
gleich Blumen, die in Eis und Schnee erblühn,
das menschlich tiefe Fühlen, das ihm Gott verliehn.

Ein letztes Mal seh ich im Morgengrauen
auf dich, du düst’re Festung aus Beton und Stein,
mit deinen Fenstern, die wie tote Augen schauen,
und doch, viel warmes Leben schließt ihr ein.
Erlittenes, erlebtes eigenen und andern Leid,
füllt ein Kapitel meines Lebens dieser Zeit.

Ein Stück des Lebens ist zurückgeblieben,
der Rest der Jugendjahre. Mit mir geht das Leid
und die Erinnerung an uns’re toten Lieben,
die qualvoll starben an Unmenschlichkeit.
Was hier erlebt, erlitten und gefühlt,
ist, was am Leibe Christi sich erfüllt.

Ich hab gedarbt, gehungert und gefroren,
im mittelalterlichen Bau der Zuchthaushaft,
und doch sind diese Jahre nicht verloren,
den sie vertieften meines Glaubens Kraft.
Hier hab ich meines Gottes Hand, der mich geführt
und des Gebetes Kraft und seinen Trost gespürt.

Der Morgenhimmel rötet sich im Osten.
Bizarren ragt davor der Bau und heis’res Bellen naht
von blutgierigen Hunden, und Kommandoposten
verfrachten uns in Käfigwagen hinter Draht.
Wohin es geht, ist niemandem von uns bekannt.
Noch liegt das Ziel für uns im Niemandsland.


Erzgebirge

Land, voll unendlicher Schönheit!
Makellos wäre das Bild,
trutzte nicht von deinen Höh’n weit
die Zwingburg, mit Schande gefüllt.

Doch in versöhnlicher Anmut
schenkst du dem lechzenden Blick,
der auf der Schönheit gebannt ruht,
Labe im schweren Geschick.

Schön, wenn nach nächtlichem Drängen
sommers das Frührot erstrahlt,
auf allen Bergen und Hängen
goldrotes Glühen malt.

Schön, wie sich zwischen den Bergen
Häuser und Gäßchen hinziehn,
draus abends, wie aus Spielzeugwerken,
verstreut tausend Lichter erglühn.

Schön sind die Täler und Höhen
schön sind die Auen dein.
Schön bist du im Sturmes Wehen,
schön im Gewitterschein.

Schöner noch, o welche Wonne,
erscheinst du mir im Glanz
der untergehenden Sonne
hell leuchtendem Strahlenkranz.

Wenn sie dann im Westen versunken,
in Flammengebirgen verloht,
dann schmückt dich noch schönheitstrunken
ein sanftes Abendrot.

Tief nimmt, in ergriffenem Schweigen
die Seele das Bild in sich auf.
Gefühle der Dankbarkeit steigen
zum Schöpfer in’s Weltall hinauf.

Hoheneck 1956


Entlassung

Wie viele sah ich schon kommen und gehen
in all den langen Jahren!
Ich lernte sie lieben und verstehn,
die gleichen Sinnes waren.

Von manchen mir längst der Name entschwand,
nur blieb die Erinn’rung zurück,
der warme Druck einer lieben Hand,
ein innig verstehender Blick.

Uns eint die Wahrheit, ein Glaube, ein Geist,
das gleiche Ziel und Bestreben.
Uns hat die Verfolgung zusammengeschweißt,
gemeinsames gleiches Erleben.

Wer weiß, ob wir uns wiedersehn
in dieser alten Welt?
Wer weiß, ob wir den Endkampf bestehn,
wer weiß, wer da steht, ob er fällt.?

Uns mindert die Hoffnung den Trennungsschmerz,
uns dereinst wiederzufinden.
Doch leise Wehmut erfüllt unser Herz,
gemeinsames, gleiches Empfinden.

Wie viele sah ich schon kommen und gehn,
ein jeder nahm mit sich
ein Stück meines Herzens. Auf Wiedersehn.
Jehova geleite dich.

Hoheneck Oktober 1956


Menschenrechtsverletzung

Sie mustern uns wie das Schlachtvieh,
von dem man sich Nutzen verspricht.
So schänden sie Gottes Macht, die
uns gab Menschengesicht.

Sie sprechen von “Weltgewissen
und Völkerverbundenheit”
und treten doch täglich mit Füßen
die Rechte der Menschlichkeit.

Sie zwingen uns, sich zu entkleiden,
zum Zwecke der Visitation,
um sich an uns’rer Nacktheit zu weiden.
Hier wird Menschenwürde zum Hohn.

Dann fordern sie noch, daß wir schweigen,
wenn sie uns mit Schmach bedeckt.
Ihr Glaube, uns zu überzeugen,
verrät ihren Intellekt.

Sie forschen mit lauernden Blicken
in unserem Mienenspiel,
unheimliche Angst im Rücken.
Sie fürchten Geist und Gefühl.

Wir sind ihnen preisgegeben,
schutzlos ihrem Haß ausgesetzt,
damit sich an unserm Erbeben
die hirnlose Meute ergötzt.

Wie schwer ist es, sich zu bezwingen,
wenn Zorn und Empörung entfacht,
Empfindungen niederzuringen
durch stete Vernunftesmacht.

Die menschliche Würde zu wahren,
den Vorteilen zu entgehn,
in Konsequenz zu verharren,
vor Gott und sich selbst zu bestehn.

Bützow Juli 1956


Gebet Psalm 51

Vergib mir, Vater, täglich meine Sünden,
verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
laß mich Vergebung vor dem Thton der unverdienten Güte finden,
selbst wenn es mir an Kraft und Mut noch zum Gebet gebricht.

Vergib mir, Herr, wenn ich auch übertreten,
trotz der Erkenntnis, dein Gebot und unterlag
im Kampf mit all den unablässig, steten
Begierden. Herr du weißt, der Geist ist willig, doch das Fleisch so schwach.

Verzeihe mir auch die verborg’nen Fehle,
und führe mir vor Augen, was an mir sich deiner unwürdig erweist.
Schaffe mir, Gott, ein reines Herz, daß meine Seele
dich Tag für Tag als ihren Schöpfer preist.

Befestige du mich in Wahrheit und in Treue.
Erneuere du mich allenteils
im Geiste der Beständigkeit. Ja täglich schaffe mir auf’s neue
die Freude deines wunderbaren Heil’s.

Hoheneck Januar 1957


Einst waren in meinem Garten

Einst waren in meinem Garten
drei liebliche Blümlein erblüht.
Ich durfte sie pflegen und warten;
Wie hatt’ ich sie doch so lieb!

Doch dann konnt ich sie nicht mehr tränken.
Ich mußte zum fernen Ort.
Die heißen Winde versengten
sie fast und wären verdorrt.

Und als ich wiedergekommen,
da brach mir das Herz fast entzwei,
man hat sie mir fortgenommen.
Es waren doch meine, die drei. –

Nur eine ist mir geblieben
als Trost in meinem Schmerz.
Doch die hat Dornen getrieben,
die stechen mir ins Herz.

Wohl sehe ich Knospen entstehen.
Vielleicht, daß sie and’re erfreun.
Ich werde sie nicht mehr sehen,
es wird zu spät für mich sein.

Hamburg 1963


Erinnerung an Rothenburg

Unvergeßliche Stunden
der Rast, die mir Flücht’gem geschenkt.
Hier habe ich Frieden gefunden
von allem, was mich bedrängt.

Tage der Mitsommerfülle,
von wärmendem Glanz verklärt.
Tage weltferner Stille,
die Trost und Vergessen beschert.

Noch einmal seh’ ich uns stehen,
den Blick weit in das Land,
auf ferne blaue Höhen
des Riesengebirges gewandt.

Von seltsamem Zauber umfangen,
unirdischer Harmonien,
die durch den Äther erklangen,
des Vorspiel’s aus Lohengrin.

Wege, die wir gingen
im schattigen Park, wo verträumt
Zweige von Weiden hingen
an Teichufern, blütenumsäumt.

Durch altertümliche Gassen,
Der Turmuhr traulicher Schlag
klang über Markt und Straßen
in den hellen Tag.

Ein Sonnenabend. Durch Blüten
ein Gang, durch’s Ährenmeer.
Die Wellen der Neiße erglühten
und rauschten leise durch’s Wehr.

Dort haben wir Abschied genommen.
Das alles ist nun so weit.
Etwas hab ich mitgenommen
vom Frieden jener Zeit.

Ihn trage ich mit durch das Leben
auf stürmischer Wanderung.
Er blieb mir von diesem Erleben
als schönste Erinnerung.

Hamburg 7.9.1959


De gestürte Sitzung

Herr August seet tofredn upt Klo
un rokt sien Piep Toback dorto.
Weil een bekanntlich dor nich veel ward stürt,
sich datt am besten hier studiert.
Un bie de spaltbreet opne Dör
langt he sich jo de Zeitung vör.
Em intressiert de hoge Politik
von Weimars Nohkriegsrepublik.
Un weil he irgndwo bie sind müßt,
wier he seit kortem nu Faschist.

Dat wier in’n Mai, un buten lacht de Sünn,
dat datt man dor all utholln künn.
Ganz mollig schient se up dat Dack herup,
de Lüd harn all dat Finster up.
De Vögel deen luthals singen,
de Görn mit Kneestrümp rümmerspringen,
un de Salot, de kreg all grote Bläder,
de Höhner leggten ümmer beter.
De Felder grön, de Fleder bläuht,
de ganze Welt, de wier vull Lust un Freud.

Doch dor, wat nu? Een gruglich Stöhnen.
To Enn wier all de Sommerfreden.
Een Krieschen, Schriegen, jo dat wier,
as wenn een lewig uphungn wür.
Un disse Krach de kem ut Klo.
De Lüd, de löpen all hento.
Un vör de wietup retne Dör,
stünn all n Hümpel Gören vör.

Een Attetat wier hier passiert.
Herrn Augusten har datt malürt,
Inn schrecklichen Anfall von Rassenwohn
har em sien Nohwer upm Dötzkopp schlohn,
as he sien politsches Studium affholln.
Wiert Loch gröter west, wier he rinnerfolln.

As n Taschenmetz seet he int Loch upm Klo,
tosomenklappt. De Büx, de hüng em up de Schoh,
dat Hemd hochrutscht, bet unnert Arm,
ne Buul upm Kopp, un mök een Larm,
dat keener wogt em antofoten,
doch sitten künns em so nich loten,
de Mann, de güng jo dor kaputt.

Sien Frau, de kümmt mitn open Dutt.
De schrieggt, as se ehrn August süht, löppt no ehrn Diern,
Een Tüffel dee se noch verliern.
De ganz Verwandschaft kümmt un ok de Schwiegersöhn.
De holt de Breckstangn nu von n Böhn,
Un mit verente Kraft, mit Larm un Tösen
dohn se den Olln toletzt erlösen.

Een gruglichen Entschluß ward nu erwogen:
Den Nohwer nächstens dottoschlogen.
Doch mit de Tied verrokt de Wut.
Se komn lang werrer in Freden ut.
Herr August is nich miehr Faschist,
weil em dat to gefährlich is.
He denkt: Geht sönn lütt Sitzung schon verquer,
wie geht t denn ierst upm Reichsdag her?

Hamburg 1959


De hoge Geliehrsomkeit

Lütt Tuding künn in de School nich lier’n.
Se wier ehr Vadder sein enzigste Diern,
doch trotzdem seet se von all de Kinner
up’m iersten Platz, man blots von hinner.
Wat wiert von’n Malür, statt ehrn Kopp, dee dat Mäcken
all ehre niegen Griffel terbrecken,
un von de Tofel bröcht de lütt Mus
meistens man blots den’n Rohm mit no Hus.

Denn Tofellappen, den’n nehm se furt’sen
un dee sich de Scho un de Näs dormit putzen,
un’t Leesbock harr bannige Eselsuhren.
Na, dorför wier’s jo ne Dochter von’n Buren.
Ehr Vadding wier wiet un breet bekannt
as’n düchtigen Mann, de ne flietige Hand.
Blots künn he, datt möt man weg’n Tuding verstohn,
ok beter mit de Fork, as mit’t Schriewtüg ümgohn.

Doch desweg’n hart em Miendog nich malürt.
He schrew sein Nom, soveel harr he liehrt.
Jedoch, dat wier nu all kort un got.
To Hus harr Tuding ok ehre Not
mit de vertrackten Schoolarbeiten,
dor dee sed ok nich beter weiten.
Se molt unner Rohren un Hojopen
de ganze Tofel vull Ulen un Open.

Eens Dog’s dunn keem Besök no hier.
Een jungen Mann, un disse wier
von Liesbeth , eer Kusien ut’d Stadt,
de niege Brutmann. Dat wier wat,
de Mann de har Stellmoker liehrt.
He wüßt ok gliek, war sich gehürt,
dee sich glieks an de Arbeit mocken.
Een Diestel wier von Wogen brocken.

Een nieget Meßbrett müßt ok her,
in’t Köckenschapp, dor fehlt ne Dör.
un noch ‘n Deckel för dat Klo.
Un bie sein Arbeit hürt he jo,
sön’n Krieschen un sön’n Maletiern,
as Mudding schimpft mit ehre Diern:
Wat büst du blot’s von’n dömlich Schop.
Un schlöggt pladautz ehr an den Kopp.

He leggt sein Hobel up de Bank,
löppt rinn un röppt: Tan’n büst du krank?
Wat kann dat arme Kind dorför. –
He sett sich neb’n datt lütte Gör,
un dee et öwern Dötzkopp strocken:
Wie beid’n, wie warn dat jetzt mol mocken.
Lütt Tuding kriegt ‘ne Schmoltenstull,
un he schriwwt ehr de Tofel vull.

Mit beiden Backen kaut dat Mäcken.
Dat Schriewn is farig, jetzt dat Reckken.
Un mit tofred’n un ‘n frohen Sinn,
packt se ditmohl ehr Tofel in.
Den’n annern Dag in’t School passier’t
De Liehrer is nich schlicht verfiert.
He seggt: Na Gertrud, sag mal an,
das hast du doch nich selbst getan? –

Uns Tuding, de steht up un seggt:
Herr Liehrer , jo, se hebben recht.

Datt? Datt dett Unkel Willi dohn,
de is ok op de Hoge Töchterschool gohn. –

1959


Irren ist ärztlich

Woll den de noch een Größing hett,
un datt ock noch wiertschätzen deed,
as up den Burenhoff de Kinner
von Mudding Schulten, de noch ümmer,
von Morgends früh bett in de Nacht
för Groot un Lütt sich affmaracht.

Een Dogs güng se wie ümmer in’n Stall
un dor passier’t, se kriegt ‘n Herzanfall.
Se föllt verdwas, ohn noch to schrien,
mit’n Emma rücklings mang de Schwien.
Dor ligt se nu wi doot, rögt sich nich miehr.
Blots rasch, manto, dor möt’n Dokta her. –

De is tofällig bi’n Nohwer nebenan,
un kümmt ok glieks, de kloke Mann.
He pliert ganz dösig öwern Koben,
schüttkoppt un schlögt de Og’n no boben:
Dor helpt keen Schütteln miehr un Kniepen,
de Frau is doot, möt jie begriepen. –

Dor rohrt un jammert Frau un Kind,
un ok de Mannslüd noh dran sünd.
Herr Dokting, nee, dats nich to foten,
uns Mudding, se hett uns verloten,
uns Mudding, ach, se wier so god,
uns Mudding, ach, nu is se doot. –

De Dokta geht ut’n Stall herut
un schriwwt den Dodenschien jetzt ut.
He sett sich up sein Moped rup.
Dor steht uns Größing werra up.
Dat Spreckwurt hier Anwendung find,
dat Docktas ock blots Minschen sünd.

1991


An Mami

Gute Nacht, mein Mamilein,
dein Herzliebchen schläft jetzt ein.
Bist du auch so weit von hier,
kommst vielleicht im Traum zu mir.
Papilein deckt mich jetzt zu
und ich lach’ im Schlaf ihm zu.

Ach mein liebes Mamilein,
einmal kommst du wieder heim.
O wie werd ich dich dann lieben.
Viele Küßchen wirst du kriegen.
O wie werd ich mich dann freun.
Gute Nacht, lieb Mamilein.

Hamburg 1966
von Iris


An Papi

Ich stehe am Fenster und schaue hinaus.
Mein Papi kommt gleich von der Arbeit nach Haus.
Mein Papi fährt keinen Mercedes,
er kommt bloß immer “per Pedes”.

Mein Papi, mein Papi, mein Papilein,
wozu hast du bloß deinen Führerschein?

Mein Papi, mein Papi ist reich, sage ich.
Er hat zwar kein Geld, doch dafür hat er mich.
Und wäre mein Papi ein Millionär,
ob er ohne mich wohl so glücklich wär.

Mein Papi, mein Papi, mein Papilein,
ich bin doch dein größtes Schätzelein.

Ich schaue mir alle Männer an.
Mein Papi ist doch der schönste Mann.
Er hat keinen Bauch, i bewahre,
und statt ‘ner Glatze, viel Haare.

Mein Papi, mein Papi, mein Papilein,
für mich wirst du immer der Schönste sein.

Und wenn ich einst groß bin, dann heirat’ ich dich.
Ich will keinen andern, denn ich will nur dich.
Die Mami behalten wir eben,
zum Kochen und Waschen daneben.

Mein Papi, mein Papi, mein Papilein,
wir drei werden immer beisammensein.

Und jetzt fährt mein Papi ‘n alten V.W.
Der ist zwar verrostet, doch sonst ganz o.k.
Wir kommen damit auch sehr gut von der Stell
und sparen das Geld somit für’s Karrussel.
Mein Papi, mein Papi, mein Papilein,
und ich darf dein kleiner Beifahrer sein.


An Tante Selmi

Ich, die Iris, beschreib dir mal eben
unser kleines Familienleben,
damit du weißt, wie es hier steht,
und wie es gewöhnlich bei uns zugeht.

Papi legt ‘ne elektrische Leitung,
Mami häkelt Kinderkleidung,
ich schreib meine Mathematik
und meine Omi macht Musik.

Sonntags halb fünf fahr’n wir jedesmal
alle zusammen zum Königreichssaal.
Komm’n wir nach Hause, hab ich Durst
und Papi grillt uns ‘ne extra Wurst.

Anschließend muß ich dann in’s Bett,
obwohl ich viel lieber Ferngesehn hätt.
Widersprechen gibt es nicht,
ausgedreht wird dann das Licht.

Ach , und dann am nächsten Morgen
beginnen erneut meine kleinen Sorgen,
denn dann möchte ich am liebsten noch pennen,
doch jetzt heißt es, zur Schule rennen.

Frau Niemann heißt meine Lehrerin,
der ich ganz gut gesonnen bin.
Bloß, ich hab eine Schwierigkeit,
ich bin so langsam, und das tut mir leid.

Weil sie da mit Klamotten schmeißen
auf dem Schulweg, muß ich beweisen,
daß ich auch nicht von Pappe bin.
Ach ja, das Leben biegt einen schon hin.

Neulich, das war doch bald wie verhext,
da schrieb ich glatt im Diktat eine Sechs.
Da hab ich mich aber am Riemen gerissen
und nacheinander drei Einsen geschmissen.

Omi, die ist vom Tisch gesprungen
und das ist ihr dann auch gründlich mißlungen.
Wie kann man auch ohne Fallschirm abspringen.
Nun hat sie ein Gibsbein und muß mir vorsingen.

Die Tante Friedel, die ist ganz schön dick.
Ich jubelte laut: “O welch ein Glück,
jetzt kriegt sie ein Baby!” Doch Mama sagt: “Nein,
die ist doch schon Siebzig, das kann ja nicht sein.”

Manchmal, dann ruft Tante Erna an.
Mama redet und redet und läßt mich nicht ran.
Ich sag’s Dir ganz leise hinter der Hand:
“Die Quasselstrippen sind beide verwandt.”

Heut’ früh gab’s schon was auf den Po.
Meine Sachen war’n weg, ich weiß auch nicht wo?
Mama sagt: Sie haut mich aus Liebe,
damit ich mich in der Ordnung übe.

Nun Tante Selmi, weißt du Bescheid.
Ich hoff, daß mein Brieflein Euch alle erfreut.
Für deine Familie von uns einen Gruß
und für dich von mir einen extra Kuß.


Inschrift auf dem Grabstein

Ich werde auferstehen.
An jenem großen Tag
wird in Erfüllung gehen,
was Christus uns versprach.

O trocknet eure Tränen
und freuet euch darauf.
Gestillt wird alles Sehnen.
Die Toten stehen auf.

1970


Jugendweihe

Zu Ende ist nun deine Kinderzeit.
Heut’ wirst du feierlich geweiht.
Heut’ ist für dich ein großer Tag,
drum denkt man kaum darüber nach.

Doch hat die Sache einen tieferen Sinn.
Sich weihen heißt: Man gibt sich hin.
Und wenn du es genau bedenkst:
Es ist “Dein Leben”, was du schenkst.

Heut’ wird dein Ehrgefühl traktiert,
indem man dir vor Augen führt,
daß du jetzt deinem Volk gehörst,
weswegen du ihm Treue schwörst.

Man macht das zwar ganz diplomatisch,
beweihräuchert es “demokratisch”.
Ihr Eltern, bildet euch doch nicht ein,
die Sache würde nur harmlos sein?

Man wollt’ nur nicht euer Gefühl verletzen,
drum muß man euch das anders vorsetzen.
Man weiß, ihr klebt an der Tradition,
drum Jugendweihe, statt Konfirmation.

Einst gab die Kirche der Jugend den Segen.
Das tat sie aus schlauer Berechnung, deswegen
war euer Seelenheil ihr so teuer.
Sie brauchte ja eure Kirchensteuer.

Doch änderte sich der Zeitenlauf.
Man steckte euch neue Irrlichter auf.
Früher trieb man die Jugend ins Feuer für’s Kreuz.
Heute wird sie ideologisch verheizt.

Heut schwört man dem Staat, statt der Kirche, die Treu’.
Im Grunde genommen ist das nicht neu.
Es ist dasselbe im Endeffekt,
nur ist der Zeitzünder mit Zucker bedeckt.

Es ist zwar ein feierlicher Akt,
doch in seinem Innern liegt verpackt
das Todesurteil, es ist parat
für den Tag X schon aufgespart.

Ihr werdet dafür einst zur Kasse verlangt,
dann hilft keine Reue, kein Bittgesang.
Ihr zahlt den Tribut, verlaßt euch drauf.
Eines Tages geht die Rechnung auf.

Und du mein Sohn, sei wach, sei wach.
Denk über deine Weihe nach.
Noch ist der Sinn dir wohl nicht voll bewußt.
Doch kommt der Tag, da du dich klar entscheiden mußt.

Denn in nicht allzuferner Zeit
verlangt man deinen Fahneneid.
Verpaß die letzte Chance nicht.
Sei wach, mein Sohn, ich mahne dich.

Warum verlangt der Staat dein Leben?
Hat etwa er es dir gegeben?
Mit welchem Recht verlangt er Treue bis zum Tod?
Wenn’s nötig ist, mein Sohn, dann gib es Gott.

Meinem Enkel statt Glückwunsch
April 1972.


Jehova lebt

Es ist ein Gott, der alles macht.
Das Weltall zeugt von seiner Pracht.
Siehst du die Sonn’ im Abendglanz,
des Nordlichts bunten Flammenkranz?
Der Himmel sternenübersät
verkündet seine Majestät.

Er schuf das Meer, den Ozean,
wies seinen Wogen Grenzen an.
Der Berge Gipfel, steile Höh’n,
sanftgrüne Täler, blaue Seen.
Die Ganze Schöpfung weltenweit
verkündet seine Herrlichkeit.

Wenn sturmgepeitschte Wolken ziehn,
wenn Donner bersten, Wetter fliehn,
wenn Blitz und Feuer niederfällt
und Regen tränkt die durstge Welt;
Der Bogen dann am Himmelsrund
verkündet seinen heil’gen Bund.

Wenn Winterschnee die Erde deckt,
wenn Frühlingswehen Blüten weckt,
in Sommersonnenseligkeit
die ganze Erde sich erfreut;
Ja, Vogelsang und Blütenduft
verkünden, daß du alles schufst.

Hehova Gott, dein Allmacht füllt
das Universum und enthüllt
dein’ Kraft. Materie und Geist
und auch mein Mund voll Jubel preist,
wovon mein Herz in Ehrfurcht bebt:
Jehova lebt, Jehova lebt!

Hamburg 1973


Persiflage
auf die neuzeitlichen Pharisäer und Schriftgelehrten

Sie predigen das “Wort zu jeder Zeit”.
Sie wechseln die Farben, sie wechseln das Kleid.
Sie drehen die Fahnen stets nach dem Wind.
Im Anpassen sind sie sehr geschwind.

Wenn sie auch sonst auf der Stelle treten
in Glaubensdingen, doch können sie beten.
Sie haben es auf “lateinisch” im Kopf,
und sowas beeindruckt so manchen Tropf.

Sie haben “Hebräisch” und “Griechisch” studiert,
sie haben den Herrgott für sich engagiert.
Sie sind so klug und können, o Hohn,
den Vater nicht unterscheiden vom Sohn.

Ja, ihre Gelehrsamkeit ist so perfekt,
sie haben die “Dreieinigkeit” entdeckt.
Jedoch, die läßt sich nicht erklären,
drum lassen sie sie als Geheimnis verehren.

Sie feiern viele kirchliche Feste,
beweihräuchern alle Überreste
aus jener finst’ren Heidenzeit
und tragen deshalb wohl ein schwarzes Kleid.

Und wenn das Dunkel ihnen gar zu dicht,
dann machen sie sich selber Licht
und stecken sich viele Kerzen an,
damit man die Finsternis sehen kann.

Zu Weihnachten sind sie besonders heilig.
Sie feiern Advent und haben es eilig,
sich jedes Jahr auf’s neu zu belügen,
das Kindlein in der Krippe zu wiegen,

obwohl es bereits, seit fast zweitausend Jahren,
ihnen zugeschickt das Gerichtsverfahren.
Doch das alles lassen sie außer acht
und feiern fromm die “Stille Nacht”.

Sie segnen die Waffen und heiligen den Krieg
und bitten den Heiland um ihren Sieg.
Doch wenn der Krieg verloren wird,
beklagen sie, daß sie sich geirrt.

Schluck Christenheit, die bitt’re Pille,
es war schon wieder nicht Gottes Wille.
Sie düngen mit immer demselben Mist.
Wie gut, daß das Volk so vergesslich ist.

Sie haben politische Führer gewählt
und stehen extrem auf der Seite der Welt.
Sie haben vor lauter Gier nach Macht
den christlichen Namen stinkend gemacht.

Sie raffen Reichtum an sich und Land.
Sie haben Bibeln und Ketzer verbrannt.
Sie führten Kriege und hielten Gericht
und stellten sich Gott stets als Schild vor’s Gesicht.

Sie haben das Kreuz auf den Kirchturm gestockt,
vom Volk sich das Privileg entlockt,
daß wir getauft, konfirmiert und begraben.
Und so soll es bleiben, so will man es haben.

Man glaubt an der Seele Unsterblichkeit,
die sich beim Tode vom Körper befreit.
Die fliegt dann zum Himmel oder zur Höll’.
Doch neuerdings ist das nicht mehr aktuell.

Heut hat man dafür eine and’re Version,
heut ist man konform und lehrt Evolution.
Man wahrt das Gesicht, wie sollt es auch sein,
man trägt immerhin einen Heiligenschein.

Die einen nennen sich stolz “Protestanten”,
obwohl die Leiche schon abgestanden.
Sie klammern sich an den “Tanten” fest.
Die nur sind geblieben von ihrem Protest.

Die andern sind “katholisch versehrt”.
Bei ihnen wird der Papst als Gott verehrt.
Und andere wiederum glauben partout
die Wissenschaft sei eine heilige Kuh.

Es ist so bequem, nicht denken zu müssen.
Das tut der Pastor, der muß das wissen,
der kriegt das bezahlt, das ist sein Brot,
auch wenn er predigt: “Gott ist tot!”

Heut sind die Kirchenbänke leer.
Man zahlt seine Steuern, was will man mehr?
Vergeblich läuten seit langem die Glocken,
damit ist kein Hund mehr vom Ofen zu locken.

Dort ist keine Wahrheit. Dort ist kein Gott.
Dort schlug man den Glauben als Kind schon tot.
Wo Finsternis ist, dort kann Gott nicht sein,
denn Gott ist Licht. Er muß woanders sein.

Hamburg 1972


Weil sie sich weise dünkten, sind sie zu Narren geworden.
Römer 1:22

Die Weisheit dieser Welt hat wiederum ein Ei gelegt
und es bebrütet und gehegt, gepflegt.
Und als es ausgeschlüpft, erblickt o Hohn,
Ein Hirngespinst das Licht der Welt: Die “Evolution”.

Das arme Ding, es ist bedauernswert.
Man überlegt, verwirft, – wohin das wohl gehört? –
Ist’s Tier, ist’s Pflanze, welche Kategorie?
Es ist und bleibt das Mostrum reine Theorie.

Denn nun, für Tatsachen fehlt allenthalben der Beweis.
So manche Ansicht legte man bereits auf Eis.
Selbst Darwin war nicht wohl in seiner Haut,
als er vergeblich nach den Bindegliedern ausgeschaut.

Jedoch ein Tor ist nichts in dieser Welt,
wenn sich ein and’rer ihm nicht zugesellt.
In vielen Köpfen zündete der Geistesblitz.
Doktor und Tor, sie alle nahm er in Besitz.

Darwin, de Vries, Lamark und noch so mancher Materialist,
sie alle lehrten, daß das Leben ganz von selbst entstanden ist.
Es bildete durch Zufall sich im großen Meer,
und all das sei schon Jahrmilliarden her.

Ihr Herren, das zu glauben ist nun doch zu viel verlangt.
Es sei, man wär an seinem Geist erkrankt.
So aber leuchtet dieser Spuk nicht ein.
Was, eine einz’ge Zelle soll der Anfang sein?

Dabei ist dies Gebilde, wie man weiß, so kompliziert,
wie etwa die Funktion New Yorks. Man ist frappiert,
wenn man bedenkt, das menschliche Gehirn allein besteht
aus vielen Zellen, deren Zahl in die Milliarden geht.

Wie hat die kleine Einzelzelle nur entdeckt
wie man sich mehrt, um schließlich dann im Endeffekt
zu dem zu werden, was man heut den “Homo sapiens” heißt,
so ganz aus sich allein, so ohne Intellekt und Geist?

Und weiter fragt man sich: Wenn alles Leben aus dem Einen ist
und sich entwickelt hätte, ja dann müßt
sich alles kreuzen lassen, alles hätte sich vermengt.
O böser Traum, von welchen Monsterwesen würden wir bedrängt?

Man stelle sich zum Beispiel seine Katze vor, sie sei
geschwängert worden von dem Papagei,
und deren Bastard ließe mit dem Hund sich ein. –
Ja, gerade das müßt’ das Ergebnis der Entwicklung sein.

O Gott sei Dank, das uns das alles blieb erspart!
Denn du erschufst ein jegliches nach seiner Art.
So steht’s in deinem Wort, ganz schlicht und klar,
und der Beweis ist überwältigend, jedoch das war

den klugen Leuten dieser Welt nicht kompliziert genug,
und so verfielen sie auf jenen lächerlichen Selbstbetrug,
und säten eines Irrtums fürchterliche Saat,
der diese Welt, wie ein Gestrüpp, fast überwuchert hat.

An Gott zu glauben wäre demnach Aberwitz,
und sein Gesetz dann folglich auch nicht nütz.
Wem schuldet man dann Rechenschaft, schlägt man den Nächsten tot?
So ist durch diese Lehre heut die Welt verroht.

Denn ganze Völker wurden in ein neues Joch gepreßt.
Statt Gottes Wort, der Wahrheit, lehrt man sie das “Manifest”.
Was Wunder, wenn gewalttat und Verbrechen blühn?
Man kann mit programmiertem Kopf wohl schwer vernünftge Schlüsse ziehn.

Computer, Raumfahrzeug, ja Tisch und Stuhl, ein jeder Gegenstand
ist das Produkt von Menschenhirn und Menschenhand.
Behaupte einmal, daß zum Beispiel deine Uhr
entstanden ist durch blinden Zufall der Natur.

Man würde meinen, daß du nicht mehr klar im Kopfe sei’st.
Jedoch, das ist ein schlagender Beweis.
Das Weltall, ja die ganze Schöpfung ist so fein gemacht.
Ein unendlicher Intellekt hat all das ausgedacht.

Nun denn, der Mensch, er will durchaus betrogen sein.
So ging er einen schlechten Handel ein.
Er gab Vernunft und Glauben auf für einen Judaslohn,
empfing dafür als Tauschobjekt das Windei Evolution.

Statt eines Menschen Angesicht, das Gott ersann,
grinst ihn ein Affenwesen aus imaginärer Vorzeit an,
das gierig an fossilen Knochenresten nagt,
denn die Beweise sind ihm, wie bereits erwähnt, versagt.

Noch gilt die Theorie als Privileg der klugen Zunft.
Weh dem, der’s wagt und appeliert an die Vernunft.
Der wird als unmodern verlacht und gilt als “leicht lädiert”.
Jedoch ein jeder erntet ein, was er zu Feld geführt.

Denn Gott, der Schöpfer, lebt und schafft bald Ruh.
Er selbst zieht vor der Szene dann den Vorhang zu.
So endet alles tierische Geschrei und aller Hader
in diesem großen Evolutionstheater.

Hamburg 1973


Meine Beine

Der Mensch sieht, was vor Augen ist.
So auch der Mann, denn er bemißt
den Wert einer Frau, so will mir’s scheinen,
im großen und ganzen an ihren Beinen.

Nun, was soll ich sagen? Ich muß gestehn,
auch meine Beine sind nicht mehr schön.
Sie sind durchgetreten, verquollen und dick,
voll Adern und Narben. Kurz, gar nicht mehr schick.

Und dennoch, sie haben mich treulich getragen,
in guten und noch viel mehr bösen Tagen.
Sie standen allzeit verläßlich und stramm
für mich und drei Kinder ihren Mann.

Und als ich dann wanderte durch’s tiefe “Tal
des Todesschattens”, sie trugen die Qual.
Man legte sie nicht in den Stock, o nein,
den Folterknechten fiel anderes ein.

Man ließ mich zwei Tage, drei Nächte lang stehn,
um mich zu zwingen, zu gestehn.
Da waren meine Beine keine Beine mehr;
blaurote Säulen, formlos und schwer ..

Da platzte die Haut beim ersten Schritt,
als wenn man sie kreuzweis mit Messern zerschnitt.
Sie mußten auch später noch vieles erdulden.
Drei Wochen Arrest, ohn’ eignes Verschulden.

Dort wurd’n mir, aus welchem Grunde, ich weiß nicht,
statt meiner Schuhgröße “Siebenunddreißig”,
ein paar Holzschuhe Größe”Zweiundvierzig verpaßt.
Fürwahr, ein selten makaberer Spaß.

Drin lief ich drei Wochen, bei Wasser und Brot,
mir meine Füße blutig rot.
Ich lief, wie nie im Leben zuvor,
damit mir mein Herz nicht im Leibe erfror.

“Quäle nie einen Menschen zum Scherz,
denn er fühlt wie ein Tier den Schmerz.”
Ein Wachmeister hatte wohl auch dies Empfinden.
Er schickte mir zwei Mullstoffbinden.

Sie mußten dann noch in späteren Jahren
so mancherlei Torturen ertragen,
dann blieben bei’m Druck tiefe Dellen drin stehn.
Im fachjargon heißt der Zustand “Ödem”.

Ihr meine Beine, seid manchmal das Ziel
versteckten Spottes. Laßt witzeln, wer will.
Kein Schriftstück und kein Orden besagt,
daß ihr das Brandmahl des “Christ-Seins” tragt.

Heut’ tragt ihr mich manchmal nicht recht mehr.
Die frühe Belastung war wohl zu schwer.
Jehova jedoch gibt dem Müden Kraft.
Ein herrliches Ziel lohnt die Wanderschaft.

Wer weiß, wie weit noch der Weg, wie lang.
Für euch sag ich meinem Schöpfer Dank.
In seinen Augen gesehen, sind schön:
“Füße, die Wege des Lebens geh’n.”


Die alte Pfanne

Als ich nach langen Jahren aus der Fremde heimgekehrt,
stand meine Mutter in der Küche an dem Herd.
Sie hielt die alte Pfanne in der Hand,
gefüllt mit Bratkartoffeln bis zum Rand.
Goldbraun, in speck gebraten, glitten sie auf meinen Teller hin
aus jener Pfanne, mit der ich einst aufgewachsen bin.

Mir wurde warm um’s Herz. Das alte Küchenrequisit!
Daß es, wie eh’ und je, noch immer seinen Dienst versieht,
von Ruß geschwärzt, des off’nen Feuerlochs,
das längst erlosch. Heut’ wird modern gekocht.
Verbeult der Boden und der Stiel gekrümmt,vom Alter schwach.
Da wurden mir die Augen feucht, ich hab der Zeit gedacht,

als ich noch klein und von den Feuerfunken war entzückt,
die auf dem Pfannenboden glühten, und beglückt
am Zischen, Prasseln, meine Freude fand,
und mir auch mal die Fingerchen dabei verbrannt.
Als ich dann später hungrig aus der Schule kam,
Kartoffelpuffer, knusprig heiß, entgegennahm,

aus jener Pfanne. Ach wie gut es doch aus ihr geschmeckt.
Gebrat’ne Heringe. Die Finger hab ich mir geleckt. –
Was sich so mit der Pfanne alles machen läßt.
Als Schlagzeug diente sie beim Kinderfest.
Bonbons darin zu machen, haben wir als Kinder auch versucht.
Sogar den bösen Nachbarn schlu die Mutter damit in die Flucht.

Ach ja, die alte Pfanne, ich vergeß sie nie.
Solch wehmütige Regung nennt man heute “Nostalgie”.
Mich kümmert’s wenig, wie die Welt darüber denkt.
An manchem Gegenstand mehr als Gebrauchswert hängt.
Ein ganzes Leben lang, hat sie als nützlich sich und treu bewährt.
Sie, die als Hochzeitsgabe meinen Eltern einst beschert.

Drum wähle ich als sinniges Geschenk für euern Ehebund
auch eine Pfanne, aus dem gleichen Grund ..
Ist diese gabe auf den ersten Blick auch klein,
sie mög jedoch auch euch von gleichem Nutzen sein.
Ob off’nes Feuer, Gas, Elektroherd, vielleicht bald Sonnenenergie.
Ganz gleich, so eine Pfanne, sie veraltet nie.

Mai 1957


Schottbloomen

Dat grote Hus gehürt de Stadt.
Wür but för’t Proletariat.
Von buten wür dat rot anstrecken,
drum de’e dat furt’s “Klein Moskau” heten.

En’n wie ra, dor stünn ok noch een,
dat wier ganz putzig antosehn.
Buut wür dat in der Blöck verkrütz,
drüm nömt de Lüd dat “Hockenkrütz”.

In disse Hüser wier wat los,
dor wohnten lütte Lüd man blots.
De würn woanners nich giern leden,
wiel se sich manchmol schlogen deden.

Mit “Mien un Dien” nehm’s nich so nau,
doch up ehr Ort, dor wiern’s ok schlau
und wüßten sich ganz got to wehren,
un wat se harn, dat wiern veel Gören.

De schlöpen denn up’t Stroh komplett,
in, unner un ok nebn dat Bett.
Un up’m Böhn haust Unkel Kuddel,
mit Quetschkommod un Branwiensbuddel.

Wieldes, se leden nich grot Not,
un würn ok bie’n lütten grot,
denn an de Strot, dor stünn de Schünn,
dor wier’ Korn un Röwen drin.

Glieks nebn den Weg an’n Strotengroben
dor führn de Buurn mit ehre Wogen.
Unkrut un Gras wüss allerwegen
för de Kaninken un de Zägen.

De Strot, de wier to Hälft Schossee,
dornebn de Sommerweg för’t Veh,
worup de Köh to Weid gohn künn,
fröhmorgens rut un obends rin.

“Dat Finster to, de Köh de komn”,
röp man sich to, von unn no boben.
Een Wulk von Stoff un Mügn un Käwer
treckt mit Gestank de Strot voröwer.

Wie stünn denn so männigmol
un högten uns von bobendol,
wenn sich sönn Snob mit siene Karr
so mang de Kohhod fastführt har.

Dor hülp keen Fluchen, keen Gehup.
De Koh böhrt ehren Schwanz blots up,
un fleddert den fein Herrn “Zühst-mi Züh”,
up sein blankputzte Karoschrie.

Har sich denn de Spilljöck verlopen,
denn güngn de Finster werrer open.
In Nummer Tein speelt vör de Dör
een Nohwer uns sein Ständchen vör.

De Ollsch dor achter de Gardin,
de künn vör’n Doot keen Kinner lien.
Se hett meindog blots gnatzt un logen,
sich högt, wenn sich de annern schlogen.

Glieks hinnert Sogwark wier tomol
uns Strotendiek, de Poggenpool.
Wie Kinner dümpeln, Grot un Lütt,
in’n Sommer uns i disse Pütt.

An’n Rand, dor wier ‘n Tuun ut Droht,
dormit de Lüd nich von de Strot,
wenn se antüdelt, rinnerföhlen
un sich den Hinnersten verköhlen.

Dor wüss ick up, dor wür ick groot,
bi Vogelsang un Obendrot,
bi Hitt un Küll un frische Luft.
Bi Larm un Striet un Blomenduft.

Mien Schlooplied, dat wier Poggenquarrn
un Kattnmaugn un Kinnerlarm,
un Schwengelknarrn von’n Pumpenboom,
dat workt mi morgens ut’n Droom.

Du bittersöte Kinnertied,
wo büst du henn? Du büst so wiet. –
De Krieg is öwer’t Land hengohn,
doch du mien Strot, du blewst mie stohn.

Ick komm noch hüt so manches Johr
no Hus, ji sünd meist all noch dor.
Jedoch keen schimpt miehr un daht singn,
weil jie meist all up’m Kirchhoff lingn.

Denn goh ick all de Regen aff,
stoh männigmol vor manch een Graff.
Een Stück Erinnrung an mien Lewen
is mie von all juch öwrig blewen,

an Leed un Lust un Hartensquol.
Wo Schatten is, schient Sünn hendol,
un lücht herut ut’n Wulkensoom.
Ok up’m Schott, dor bleuhn de Bloom.

Hamburg 1979


In’s Poesiealbum meiner Enkelin geschrieben

Denkst Du in späteren Jahren einmal zurück
an Deiner Kindheit sonniges Glück,
dann spürst Du ganz leise meine Hand,
die Dich warm geführt durchs Kinderland.

Wirst Dich erinnern an vieles, was wir gemeinsam erlebt.
Wie wir gesungen, gelacht und um Deine Zeugnisnoten gebebt.
Deine kleinen Freuden, Dein Glück war auch mein.
In Deinen Kummer schlossest Du mich mit ein.

Doch vor allem war ich darauf bedacht,
Ehrfurcht in Dir zu wecken voe Gottes Schöpfermacht.
Das erkannt ich als meine schönste Pflicht.
Ich hab Dich so lieb, vergiß das nicht.

1975


Für Poesiealben

Betrachte einmal Deine Uhr.
Glaubst Du etwa, daß sie entstand durch blinden Zufall der Natur?

O nein, dies Kunstwerk hat ein weises Menschenhirn erdacht.
Geschickte Menschenhände haben es sodann gemacht.
Denk, wie weit wunderbarer doch der Mensch erschaffen ist.
Betracht’ Dich selbst,
glaubst Du etwa, das Du von selbst entstanden bist?

Beweist nicht der Materie vollendete Struktur
den weisen Bauplan aller Dinge der Natur?

Du selbst bist ein Bestandteil einer Welt,
die unter Welten kreist.
Doch Dein Verstand ist Geist,
ein winz’ger Teil von einem ungeheuren Geist
des Schöpfers, dessen Weisheit unermeßlich ist,
doch dessen Dasein zu verleugnen sich die Welt vermißt.

Bewahre Du jedoch Dein Herz, mein Kind,
vor’m heut’gen Trend der Glaubenslosigkeit.
Nur dem, der glaubt und danach tut,
gehört die Ewigkeit.

Rosen, Tulpen und Narzissen,
Veilchen und Vergißmeinnicht,
süße Baby’s auf den Kissen,
Schmetterling im Sonnenlicht.
All das haben Kinder gerne.
Voller Wunder ist die Welt.
Himmel, Sonne, Mond und Sterne,
alle Schöpfung, sie erzählt
von dem Einen, seiner Stärke,
seiner großen Weisheit Dir,
von Jehova’s Wunderwerke.
Wann sagst Du ihm Dank dafür?

April 1977


Im Falle eines Falles, mein Papi, der kann alles.

Mein Teddy hat ein Loch im Bauch,
das stopft er zu, und auch der Schlauch
von meinem Fahrrad ist kaputt.
Mein Papi, der macht alles gut.
Verliert mein Eselchen den Schwanz,
mein Papi macht das wieder ganz.

Im Falle eines Falles, mein Papi, der kann alles.

Er fährt freihändig auf dem Rad
und mühelos macht er Spagat,
springt ohne Anlauf über’n Zaun,
macht Kopfstand, wie ein Zirkusclown,
spielt Fußball wie ein Profi vor,
schießt, statt den Ball, den Schuh in’s Tor.

Im Falle eines Falles, mein Papi, der kann alles.

Mein Papi spielt so wunderbar
auf seiner Mundharmonika,
und wenn sein Tremolo erklingt,
das Glas davon im Schrank zerspringt.
Des Nachbars Katze stimmt mit ein,
das klingt so herrlich und so fein.

Im Falle eines Falles, mein Papi, der kann alles.

Als Papi mal zur Schule ging
und statt zu lernen, Fliegen fing,
da sagt der Lehrer: “Nun mein Sohn,
ein Achtel ist ein Teil, wovon?”
Doch Papi sagt: “Wenn Ihr’s nicht wißt,
Wie soll ich wissen, was das ist?”

Im Falle eines Falles, mein Papi, der kann alles.

Wenn Papi mal zum Nordpol reist,
wo ihm das Herz im Leib vereist,
ob er in einer Wüste schmort,
wo ihm die Sonn’ das Hirn verdorrt;
mein Papi, ja, der weiß schon Rat,
wie man zu überleben hat.

Im Falle eines Falles, mein Papi, der kann alles.

Als Papi mal ein Seemann war;
als Smutje war er wunderbar.
Der Käpt’n lobte ihn gerührt,
als er den Braten ihm serviert.
Nachher war seine Katze fort.
Es hieß: Sie wäre über Bord.

Im Falle eines Falles, mein Papi, der kann alles.

Der Nachbar hat ein Kind gekriegt.
Ich möcht’ es fahr’n, doch darf ich nicht.
Ich möchte auch ein Babylein.
Doch Mami, die sagt immer: “Nein!”
Ich mach mich mal an Papi ran,
ob der wohl eins besorgen kann?

Im Falle eines Falles, mein Papi, der kann alles.

Er fährt durch halb Europa quer
mit uns, bis an das Mittelmeer.
In Spanien brät er ganz frisch
‘nen selbstgefang’nen Tintenfisch.
“Eviva!” Er, man glaubt es kaum,
pflückt Datteln vom Zitronenbaum.

Im Falle eines Falles, mein Papi, der kann alles.

Wenn ich mal eine Dame bin,
geh ich zu meinem Papi hin.
“Misjöh”, sag ich dann ganz galant.
“Madam”, sagt er und küßt die Hand.
Erst wenn er sich im Ton vergißt,
weiß man, daß das mein Papi ist.

1967


Komm, leg deine kleine Hand in meine,
daß ich ihren warmen Druck verspür.
Alle deine Kinderträume,
deinen Kummer teil’ mit mir.

Komm, leg deine kleine Hand in meine,
laß uns noch ein Stück zusammengehn
und dir lauschen und in deine
hellen Kinderaugen sehn.

Komm, leg deine kleine Hand in meine,
laß mich spüren, daß du bei mir bist.
Bald gehst du den Weg alleine,
weil das so im Leben ist.

Komm, leg deine kleine Hand in meine,
bald liegt dieser Augenblick so weit.
Dann ist meine Zeit die deine,
Gegenwart, Vergangenheit.

Hamburg 1981


Bildbeschriftung

Uhrahne, Großmutter, Mutter und Kind
wer weiß, wie kurz noch beisammensind.
Das Kindchen lallt, die Mutter lacht,
Großmutter bezweifelt, was Uhrahne sagt:

“Ich hab das so im Gefühl,
an Zeit bleibt uns nicht mehr viel.”
Begreift ihr nicht, was ihr täglich seht,
daß diese Weltordnung zugrunde geht?”

Sie wollen nicht hören, sie sehen es nicht,
utopisch erscheint ihnen Gottes Gericht.
Viel Leben endet an jenem Tag.
Ob man sich über sie noch freuen mag?

Sommer 1985


Die Zeit des Endes

Wenn künftige Geschlechter uns dereinst fragen:
“Sagt uns, wie war es in jenen Tagen,
die man die Zeit des Endes genannt,
in der ihr lebtet, die ihr gekannt?”

Dann werden wohl Schatten über unsre Gesichter gehn,
wenn jene Bilder vor unseren Augen erstehn.
Satan, mit seinem Heer der Dämonen,
beherrschte die, die auf der Erde wohnen.

Die Welt stand in Flammen, vor Aufruhr und Kriegen,
ein Machtblock wollte den andern besiegen.
Es herrschten Tyrannen und Diktatoren,
die sich und die Welt zu retten verschworen.

Sie waren mitleidlos und brutal,
korrupt und verschlagen und ohne Moral.
Und die da thronten auf ihren Richterstühlen,
vermochten nicht, mit den Menschen zu fühlen.

Sie waren lax und nicht immun,
und selbst Übertreter in Wort und Tun.
Ihre Urteile bestanden in Paragraphen,
wobei sie in der Rechtsbeugung sich übertrafen.

So liefen Mörder und Verbrecher frei herum
und brachten, wen sie wollten, um.
Wer seinen Schmuck nicht freiwillig gab,
dem hackten sie Ohren und Finger ab.

Wem brauchte man denn schon Rechenschaft geben?
“Es gibt keinen Gott”, so lehrte man eben,
“der Mensch ist Eigenproduktion.”
Die Evolution war Religion.

Die Liebe dagegen war längst erstorben,
vom hemmungslosen Sex verdorben,
erntete die Menschheit, was sie gesät,
den Lohn der Homosexualität.

Da wurden Kinder und Eltern verstoßen,
gequält, mißhandelt und unverdrossen
für eine Idee, die ohne Verstand,
Millionen Menschen vergast und verbrannt.

Auf Kanzeln standen die falschen Propheten.
Sie gaben vor, Gott zu vertreten.
Doch sie verfälschten das göttliche Wort
und trieben die Menschen vom Glauben fort.

Gewalt und Aufruhr erfaßte die Massen.
Sie zogen plündernd durch die Straßen.
Sie warfen Türen und Fenster ein
und Brandfackeln in die Geschäfte hinein.

Es gab keinen sicheren Ort mehr auf Erden,
man konnte überall umgebracht werden.
Man wurde auf offener Straße entführt
und von Terroristen liquidiert.

Die Luft und das Wasser waren verpestet,
das Vieh mit Östrogenen gemästet.
Die Bäume starben, der Wald stand kahl,
kein Vogel mehr sang und das gras wurde fahl.

Millionen Kinder sind niemals geboren,
sie hatten ihr Recht auf Leben verloren.
Sie wurden, bevor sie geatmet, gelacht,
schon im Mutterleibe umgebracht.

Da konnten Millionen ihren Hunger nicht stillen
und starben, um des Profites willen.
Woanders, in wollüstigem Genuß,
sie erstickten an ihrem Überfluß.

Und dennoch, in diesen dunklen Zeiten,
blieben wir wach und wußten zu deuten
die Zustände, denn wir sahen es klar,
daß dies die Erfüllung der Zeichen war.

Wir trugen die Botschaft, trotz vieler Gefahren,
bis an’s Ende der Welt, in all den Jahren
und legten ein gründliches Zeugnis ab,
getreu dem Auftrag, den Jesus uns gab.

Denn das alles wird uns noch einmal widerfahren.
Wenn Satan am Ende von tausend Jahren
noch einmal für kurze Zeit Macht verlieh’n,
werden viele fallen und folgen ihm.

Was werden wir künftigen Geschlechtern dereinst sagen?
Nur in der Kraft Jehovas konnten wir dieses ertragen.
Für uns heute heißt es: Vertrauen und steh’n,
die Rettung Jehovas an uns zu seh’n.

1986


Fett schwimmt oben

Schlaft Genossen. Gute Nacht!
Wir haben euch das Bett gemacht.
Sanft schlummert nur auf euern Ruhekissen
aus Federn, die wir jenen ausgerissen,
die nicht in unsern Chor einstimmen
und dissonante Töne singen.

Inzwischen kam die große Wende.
Die Zeit ist um, der Schlaf zuende.
Die Federn, ach sie sind zerschlissen,
die Kiele stechen uns mit ihren Splissen.
Was nun? Ach uns kann nichts geschehen,
wir werden uns mal wieder drehen.

Das wäre doch gelacht.
Schon wieder wird für uns ein Bett gemacht.
Wir sind noch lange nicht verloren.
Die Schafe werden schon geschoren,
auf deren Wolle wir uns betten.
Wohl dem, uns kann doch wieder retten
die herrschende Gleichgültigkeit.
“Verdrängen” ist der Trend der Zeit.

1994


De Krieg is ut

De Krieg is ut, un bie sön’n Stand,
uns Koopmann müßt mol öwer Land.
Un weil keen Minsch miehr noch wat hat,
har he keen Auto un keen Rad.

He mokt sich up’n Weg to Foot.
Bet Sandhogen güng dat ja noch good.
Doch denn verlöt em de Jentierungssinn,
he künn den Weg no’t nächsta Dörp nich finn.

Ach, denkt he sich, ick war’t mol wogen,
de Ollsch dor achern Tuun to frogen.
So krabbelt he up alle Viern
de Böschung hoch un fröcht de Diern:
“Lew Frau, wo längslang geht dat denn?”
Ick möt hüt noch no Klokow henn.

Weil he so groot is von Statur,
denkt se dor achter ehre Mur,
de Kierl, de kümmt up’t Pierd anreden.
Se richt sich up bie ehr Verläden
un meent:”Riedens man wieder, ohn to wen’n,
denn komns grodweg no Klokow henn.

1991


Zustandsbericht

Ein Schriftstück namens “Rehabilitation”
bekam ich zugeschickt. Die Dispersation
besagt, daß alles Unrecht war, was man uns angetan
und daß das Urteil widerrufen wird und wir fortan
als “unbescholten” gelten – so es das Gesetz besagt –
und alles was geschehen ist, wird”wiedergutgemacht”.

So steht’s auf dem Papier geschrieben, das man mir geschickt.
Doch wer hat jemals auf das alles, was dahintersteht, geblickt?
Das läßt sich nicht in Zeilen fassen, jedes Wort wirkt schal,
denn ungeschrieben bleibt das Leid, der Schmerz, die Qual.
Von kleinen Kindern fortgerissen, deren Tränen niemanden gerührt,
den Folterknechten ausgeliefert und verhört.

Verurteilt zu so vielen Jahren, wie man Mördern kaum gibt heut,
in dumpfen Zellen hinzuvegetieren, wie zur Mittelalterzeit,
in Kälte, Dreck, von Ungeziefer halb zerfressen,
in Bunkerhaft, ohn Licht und Luft und kargem Essen.
So mancher ist gestorben in den Jahren hier,
hilflos auf Stroh, am Boden, wie ein Tier.

Warum, wofür, was haben wir verbrochen?
Wir haben mit den Menschen über Gottes Wort gesprochen.
Sein Reich wird kommen, wie es Christus uns verhieß.
Jedoch, das stand im Widerspruch zum roten Sowietparadies.
Doch, daß man Christen heute noch verfolgt, wie ehedem,
das wäre zu prekär, das durfte man nicht eingestehn.

Deshalb verklagt man uns, wie damals schon,
des Volksaufruhrs auch Gottes Sohn.
Vergangen ist der braune und der rote Wahn,
und nun gesteht man, daß uns Unrecht wurde angetan.
Doch, “wiedergutzumachen”, das bleibt Augenwischerei,
denn all die Schuldigen, sie leben herrlich, ohne Reu,

Dieweil sie sich mit hohen Renten und Pensionen brüsten,
doch die Geschundenen ihr dasein mit Sozialzuwendung fristen.
Die meisten sind inzwischen längst gestorben, ungenannt,
in Kerkerhaft und an den Folgen, die nie anerkannt.
Und den noch Überlebenden verordnet man Geduld.
Was soll’? Letztendlich wieder sind die Opfer schuld.

Ich hab ein Schriftstück, “Rehabilitation” genannt,
das häng ich ungerahmt mir an die Wand.
Das alte Sprichwort gilt noch heut:
“Es gibt in dieser Welt keine Gerechtigkeit!”

1994


Armes Deutschland

Eindrücke, Ratlosigkeiten, Widersprüche und Meinungen,
eingefangen und aufgelesen bei’m Besuch in Ostdeutschland 1992.

Ach, was muß man oft von bösen
Ex-Ossis hören oder lesen,
welche damals Haus und Hof verließen,
ihren Vorteil zu genießen,
denn im goldnen Westen warten
Lastenausgleich und Dukaten,
wo die D.D.R. doch bot
Verfolgung, Kerkerhaft und Brot.

Nun sind sie zurückgekommen.
Was man ihnen, wie sie sagen, weggenommen,
fordern sie jetzt frech zurück.
Ist das nicht ein starkes Stück?

Wer hat sie denn weggetrieben?
Wären sie doch hiergeblieben,
wär’n sie aller Sorgen ledig,
denn ihr Eigentum hätt gnädig
sowieso der Staat genommen.
In Obhut wärn sie auch gekommen.
Das Organ “Staatssicherheit”
hielt Unterkunft für sie bereit.

Unser “Ismus” war sozial,
befreite uns von aller Qual.
Mit perfekter Sicherheit
hat die Stasi uns betreut.

Ach, wie war es doch vordem
im Sozialismus so bequem.
Alles war reglementiert,
sogar das Denken instruiert.
Ach, wie schwer es uns jetzt fällt,
ganz auf uns allein gestellt,
selbst entscheiden und zu denken,
unser Lebensschiff zu lenken.

Honny ist von Bord gegangen,
wie die Ratten tun. Seit langem
war das Steuer schon defekt
und der Untergang perfekt.

Festgefahren auf dem Riff
ist die Politik. Das Schiff
stürmen gierig westliche Piraten
und die Wirtschaftshaie warten
auf die noch verblieb’nen Brocken,
dem Restbestand der “roten Socken”.
Die Produktion wird eingemottet,
denn die Wirtschaft ist verrottet.

Ach, was soll nun aus uns werden?
Rotes Paradies, du liegst in Scherben.
Großer Bruder, du “Sowiet”,
selbst dich hat der Wind verweht.

Alles habt ihr uns genommen.
Dafür haben wir bekommen
Skinheads und die Radikalen,
Alu, Renten und die freien Wahlen,
DM West und Arbeitslosigkeit.
Welche Ungerechtigkeit,
denn wir schufteten uns jahrelang
für den Fortschritt krumm und krank.

Haben die Parteigenossen
uns nicht jahrelang versprochen,
der Westen sei bald überholt?
Wir fühlen uns ganz schön verkohlt.

Alles ging zur Produktion
in den Westen, und der Lohn?
Wo sind alle die Devisen,
die man uns stets angepriesen?
Alles haben wir geglaubt,
wählten mit gesenktem Haupt.
Lag denn die Errungenschaft
in der Vergeudung unsrer Kraft?

Denn heut sitzen wieder jene,
die einst spuckten große Töne,
in den allerersten Reihen
und bedrücken uns von neuem.

Wie das berühmte Chamäleon,
wechselten die Farben sie, jedoch der Ton
ist noch frecher und noch rüder
gegen ihre einstgen Brüder,
und erklimmen immer weiter
die westliche Karriereleiter.
Lieber Honny, komm zurück,
auch dir blüht erneut das Glück.

Keiner wird dir etwas tun.
Wirst fortan in Frieden nun
kurze Zeit im Knastbett liegen,
danach Haftentschäd’gung kriegen.
Freispruch wird man dir gewähren,
fette Rente auch bescheren,
obwohl du niemals hatt’st Erbarmen,
mit den inhaftierten krüppeln, Kranken, Armen.

Erich nein, drum fürcht dich nicht,
human ist unser Strafgericht.
Unsre Richter sind nicht schlecht,
denn sie sprechen selten recht.

Wer ist heute ohne Schuld?
Drum vertraue ihrer Huld.
Eine Villa schenkt man dir am Ende,
drin lebst du fröhlich bis zur nächsten Wende.
Das Volk vergißt dann schnell die Last,
verdrängt, was du einst angerichtet hast.
Drum schlagt die Akten zu
und laßt den alten Greis in Ruh.

Im Land tönt’s manchmal auf und nieder:
Gebt uns unsre Mauer wieder.
“Demolierte Deutsche Republik”,
ja, wir wollen sie zurück.

Reicht die Scheuklappen uns wieder
und den Maulkorb streift uns über.
Wir war’n stets “Der Dumme Rest”,
der sich auch heute noch betrügen läßt.
Eure Löhne wolln wir haben,
uns an eurem Wohlstand laben,
aber eure Mieten wolln wir nicht.
Darum macht die Schotten dicht.

Und dann überlaßt uns brav
unserem Dornröschenschlaf.
Vierzig Jahre Hoffen, Bangen,
ist uns aller Mut vergangen.

Die Freude war von kurzer Dauer,
nach dem Fall der Zuchthausmauer.
Ratlos heben wir die Hände.
Nun nach dieser schnellen Wende,
nach dem “Müssen”, nach dem “Sollen”,
wissen wissen wir nicht, was wir wollen.
Hilflos stehn wir vor den Scherben,
wir des Sozialismus Erben.

Wer hätt jemals das gedacht?
Armes Deutschland. Gute Nacht!


Dat Schlammringen

Ein Kindheitserlebnis aus dem Jahre 1929

Fat Lewen is schwer un dat Geld so knapp
un Broder Schmalhans wohnt in Schub un Schapp.
To lewen von Hand in’n Mund is hart,
man lurt, dat dat mol beter ward.

Man hungert nich grod, dat möt man weten,
doch mücht man ok mol’n Broden eten.
Un sich en klaun? Nee, ich bewohr,
dat mokt man nich, dat is woll klor.

De beiden Nohwersch von nebenan,
de keem ock sönn Gelüste an,
se warden sich deshalb beklötern,
wi se ehrn Merachsdisch verbetetern.

Un se beschlöten mit Bravour:
wie gohn doch mol up Hamstertour.
In manchen wiern se sich ganz een,
mit Kortenleggen un annern Spleen.

De een, de wier an sich nich dömlich,
se har’n Berliner Tungenschlag, annehmlich
wier se an sich in ehre Ort.
De anner negenklock, man nich’n beten,
de glöwt, se har de Schlauheit mit’n Lepel freten.

Se schreeg un kuraschiert herüm
un prügelt sich, wenn se een dorto fünn,
lewt mit ehrs Kierl wie Hund un Katt.
Et schlögt sich un verdröcht sich Pack.

Nun jo, manto, nu güng dat los.
De beiden trampelten, man bloß
mit Korf un Sack in ehre Hand,
in’t nächste Dörp, denn öwer Land.

Jedoch de Landlüd wiern hartlebig,
se harn för disse beidn nix öwrig.
De een de kreg dree Eier von den Buurn,
de anner Schworn von’t Schwien un Uhrn.

So keem se möd un ganz verbiestert
denn obends no Hus, as dat schon düstert.
Ach, harn se wüßt, wie schwer dat mag woll sien,
se harn keen Schinken un keen Schwien.

Intwischen wier ne Tied vergohn
un manches har sich seitdem dohn.
Wie dat im Lewen manchmol is, ut de Familieneenigkeit
entstünn denn bald de grötst Feindseligkeit.

De een de mokt sich an den Mann von de anner ran,
so düchtig, dat he sich nich wehren kann.
Dat duurt nich langn, denn wür dat opebar,
dunn legen sich de beiden Wiewer in de Hoor.

För wohr, dat wier ganz fürchterlich,
de beiden Furien wöhlten up’m Hoff in’n Schlammun beten sich,
se kratzten un se wörgten sich bald doot,
krummduwwelt rüngten se sich bet up’t Blood.

Wie Kinner telltn begeistert Run üm Run,
de Ringkamp wull un wull keen En nich finn,
bet denn een Kierl de Wiewer reet ut’n een,
se wier vör luter Schiet un Dreck nich miehr to unnerscheen.

Von dor an blew ne düstre Athmosphär torück,
se titulierten sich jetzt “Flunnermul” un “Schworenkluck”.
Bet letztlich Flunnermuul den Sieg errungn,
Se kreg een Kind von ehren Mann, n lütten Jungn.

Denn treckt se weg, üm Schworenklucken to entgohn,
de no wie vör versöcht, noch frömdtogohn.
Bet mit de Tied denn de Klamauk, de uns bewegt,
ne anner Upregung dat Milieu belewt.

Dit sünd Geschichten ut mien Lewen,
ut ferne Kinnertieden hängenblewen,
an manch awsönderliche Minschlichkeiten.
Jo jo, dat Lewen, dat is bunt, so bunt kann nich mol n Scheper fleuten.

1998


Und jubelst du gern in den Himmel hinein

Und jubelst du gern in den Himmel hinein,
doch engt man dir deine Hymnen ein,
dann heb deine Schwingen und fliege weit fort
und juble an einem andren Ort.
Nicht jedem sind deine Weisen beliebt,
doch freu dich, daß es den “Großen Hörer” gibt,
und denke daran, die Töne sind frei.
Bald ist diese Welt des Mißklangs vorbei.
Dann ist auch dein Jubel wieder genehm,
im Reich des Klanges, dem “Neuen System”.

1989


Die Eh’ gleicht einem Haus

Die Eh’ gleicht einem Haus, daran müßt Ihr jetzt bauen.
Die Liebe ist der Mörtel und die Treue der Verputz.
Viel Steine voller gegenseitigem Vertrauen,
beständgen Materials, sind dazu nutz.

Drum seht, was kann man alles draus erstellen?
Vielleicht ein Schloß, herrlich und voller Pracht,
oder ein Häuschen, wo Glück und Frieden niemals fehlen?
Seht zu, daß Ihr was Ordentliches daraus macht.


Zur Eheschließung

Der Mensch ist ja nicht gern allein.
Er ist viel glücklicher zu Zwein.
Das ist seit Eden schon bekannt
und hat bis heute noch Bestand.
Trotz aller Unvollkommenheit,
erst Zweisein rechten Wert verleiht.

Doch, der den Ehebund erdacht,
Jehova, hat die Zwei gemacht,
in Harmonie den Schöpfer zu verehren
und den Bestand der Erdbewohner zu vermehren.
Gemäß Vollkommenheit, in seinem Bild
der Sinn des Ehebundes sich erfüllt.

Drum sei Jehovas Segen Euch beschieden
für Euer Glück und – Herzensfrieden.


Zur Taufe

Der Pfad ist steil und manchmal schwer.
Du hast es schon gespürt bisher.
Doch weißt du auch, gehst nicht allein,
so viele werden um dich sein.

Mag manchmal auch an Felsenecken
das Sonnenlicht sich mal verstecken,
jedoch, dahinter leuchtend bricht
hervor das Ziel, im Strahlenlicht.

Mir war der Weg noch nie zu lang.
Viel Blumem blühn am Wegesrand,
gleich treuen, lieben Weggefährten,
die dich verstehn und tragen werden.

Was aber ist die heutge Zeit,
gemessen an der Ewigkeit?
Bald ist das hehre Ziel erreicht,
das tausendjährge Königreich.

Jehova und dem Sohn sei Dank.
Dafür ist uns kein Weg zu lang.

1993


Was Gott zusammenfügt

Was Gott zusammenfügt, das soll der Mensch nicht trennen.
So sagt es Gottes Wort und darin liegt ein tiefer Sinn.
Doch heute, wo die Menschen weder Gott noch Anstand kennen,
gleich ruderlosen Schiffen, treibt die Welt in den Ruin.

Doch Euer Lebensschiff hat einen sichren Kiel
und Ihr darauf gleicht einem Kapitän und Steuermann.
Das Königreich Jehovas, das ist Euer Ziel,
damit es sicher fährt und niemals kentern kann.


Hast du dich schon einmal gefragt

Hast du dich schon einmal gefragt:
Warum bin ich auf dieser Welt?
Wer hat die Erde so schön gemacht,
die Blumen, die Vögel in Wald und Feld?

Mit wachen Sinnen geh durch die Natur,
gebrauch deinen forschenden Geist.
Dort in der Schöpfung entdeckst du die Spur,
die dir den Weg zur Erkenntnis weist.

Einem Buch mit bunten Blättern gleicht
diese Erde voll Schönheit hier.
Jedoch die Antwort auf alles zeigt
allein das “Buch der Bücher” dir.


Sprüche, auf die Männerschürze geschrieben

Gepriesen sei die Männlichkeit,
wenn sie Vernunft von Stolz befreit.

Wenn einem soviel Gutes wird beschert,
das ist wohl einen Abwasch wert.

Wir Männer schlugen so manche Schlacht,
drum auf und die Küche zum Kampfplatz gemacht.

Wo Männer Pfannen statt Flaschen halten,
sieht man den Geist der Liebe walten.

Das ist fürwahr ein rechter Mann,
der seine Frau vertreten kann.

Die Liebe geht bekanntlich durch den Magen,
manchmal auch drauf, drum Schürze tragen.

Eine Schürze läßt sich für alles benutzen,
man kann sich die Schuh und die Nase drin putzen.

Erspart bleibt dir der Liebsten Meckern.
Ich schütz dich, solltest du mal kleckern.

Statt mir die Sterne vom Himmel zu holen,
bring lieber mir aus dem Keller die Kohlen.

Das ist ein Mann von edelstem Geblüt,
der mit der Frau am gleichen Strange zieht.

Und Kind und Kegel sagt voll Ehrfurcht Dank,
putzt du ihnen die Schuhe blank.

Ich möchte nicht die Sterne vom Himmel,
hol lieber die Kohlen rauf, du Lümmel.

Mein letzter Will, raus mit dem Müll.


Tausend Mark

Tausend Mark will ich Euch schenken.
Nein, nicht etwa aus Papier,
denn das würde Euch nur kränken,
und deshalb, so dacht ich mir,
tausend Mark in fester Währung,
eingewebt auf Baumwolltuch,
trotz inflationistscher Zehrung,
widersteht dem Reißversuch.

Tausend Mark, zu seinem Nutzen
täglich habe im Gebrauch,
sich die Ohren abzuputzen,
Kopf und Beine und den Bauch.
Das Gefühl, den Schein zu haben,
der doch immer Euch verbleibt.
Tröstlich ist’s, das muß der sagen,
der Euch diese Zeilen schreibt.


Ich bin ein kleiner Gingkobaum

Ich bin ein kleiner Gingkobaum.
Was in mir steckt, das ahnt man kaum,
denn heut bin ich noch winzig klein.
Dereinst werd ich ein Riese sein.

Mein Stammbaum ist aus fernem Land,
Ostasien ist mein Heimatland.
Was mich so einzigartig macht,
das ist mein ganz besondrer Saft.
Mit Jugendkraft füllt er das Blut
und das Gehirn mit klarem Mut.

Ich bin vielleicht von jener Art,
wie uns die Bibel offenbart (Offbg 22:2),
der Bäume, die am Flusse stehn,
den wir vom Thron Jehovas fließen sehn.
Zur Heilung ihre Blätter sind
und der Menschheit ew’gen Lebens dient.

Drum gebt mir einen guten Ort
auf euerm Grundstück, denn nur dort
werd ich bei guter Pflege dann gedeihn
und euch mit meiner Kraft erfreun.


Zum Führerschein

Der Mensch erfand einmal das Rad.
Er war begeistert und dann hat
er noch ein zweites konstruiert
und vom Ergebnis fasziniert,
dacht er: Ein drittes muß noch her,
dazu ein viertes die Vollendung wär.
Und so entstand das Dind am End,
das man landläufig “Auto” nennt.
Zu dem Vehikel, das ist fein,
besitzt Du nun den Führerschein.
Doch, welch ein Vorrecht dieses ist,
wohl kaum ein junger Mensch von heut ermißt.

Wenn ich erzähl, wie es in meinen jungen Jahren war,
wo man “per Pedes”, aller Fortbewegungsmittel bar.
Ich fuhr zum Dienst – kannst Du das je begreifen? –
mit einem Fahrrad über Land, ohn’ Reifen.
Warum ich Dir dies sage? Nun, Du sollst beachten,
das Auto als ein großes Vorrecht zu betrachten.
Wenn Du nun fährst, vertrau Dich stets Jehova an.
All unsre Sorgen fahren mit. Denk stets daran.

1994


Heut nacht hat mich der Tod berührt

Heut nacht hat mich der Tod berührt,
es griff mir an’s Herz seine Hand.
Ich hab seinen eisigen Atem gespürt,
dann hat er sich seitwärts gewandt.

Dort steht er und weist mit mahnendem Blick
auf meine erfüllte Zeit.
Ich weiß, meine Uhr läuft nicht zurück.
Füg dich und halt dich bereit.

20.5.92


Die Musik

Das Reich ist nicht von dieser Welt,
es ist das Reich der Klänge.
Wohl, wen die Harmonie beseelt
zu fliehn aus Erdenenge.

Es dringt aus himmlischem Bereich
Frequenz, die klanggebunden,
zum Herzen, welche sphärengleich
dort Resonanz gefunden.

1998


Parallele

900 v.u.Z.
Vater, mein Vater, dein finstres Gesicht
verrät uns täglich, du liebst uns nicht.
Du hast nur fünf Töchter und keinen Sohn.
Einen Erstgebornen, den hattest du schon.
Du hast ihn jedoch zum Opfer gemacht,
dem Götzen Moloch dargebracht.
Entrissest der Mutter den Säugling und
warfst ihn dem Götzen in den brennenden Schlund.
Trompeten,Tamburin und Schalmei
übertönten der Mütter Wehgeschrei.
Kreischende Priester riefen sodann
händeringend die Götter an.

Vater, hörst du nicht, was der Prophet uns verheißt?
Aus ihm, Jeremis, spricht Gottes Geist:
“Ihr gebt eure Kinder Dämonen hin,
was niemals Jehova kam in den Sinn.”
Gott hat uns für all unser Tun verflucht.
Weh uns, wir werden dafür heimgesucht.

1945
Vater, dein vergrämtes Gesicht
verrät mir, was dein Mund nicht spricht.
Von deinen drei Söhnen, die nicht mehr sind,
bin ich nur geblieben, dein einziges Kind.
Du hast sie geopfert für’s Vaterland,
für Führer und Volk, wie man es damals genannt.
Einer Wahnsinnsidee habt ihr Beifall gezollt,
in Unwissenheit das Rechte gewollt.
Betrogen seid ihr, eurer Söhnee beraubt,
falschen Parolen habt ihr geglaubt.
Händeringend erflehten die falschen Hirten
den Segen für die von ihnen geistig Verwirrten.
Mit Jubel und Militärmusik
zogen sie aus – und kamen nie mehr zurück.
Nein, ihre Gebete hieß Gott nicht gut:
“Ich höre euch nicht, eure Hände sind voll Blut.”
Auch unser Nachbar verlor seinen Sohn.
Man hat ihn erschossen. Er war einer von
Jehovas zeugen, die sich nicht gebeugt
vor Menschen. Er hat Gott Treue bis in den Tod bezeugt.
Vater, mein Vater, erkennst du den Sinn?
Ich, die ich dir nur geblieben bin,
ich habe verstanden, was Gott zu uns spricht:
“Dies Zeitalter endet im Weltgericht.”

1990


An meine Eltern

Hallo, Ihr Zwei, da bin ich jetzt!
Ihr habt mich in die Welt gesetzt.
Ich gehöre einer “Spezies” an,
ich glaub, das “Dingsda” nennt man Mann!
Weil das im reifen Alter war,
bin ich ein prächtges Exemplar.
Vorläufig bin ich noch sehr schüchtern
und fürchte mich vor den Gesichtern,
die sich zu mir herniederbeugen
und mich mit Kennerblick beäugen.
Zwar mach ich noch die Windeln voll
und trotzdem findet man mich toll.
Ich bin zwar noch ein bißchen klein,
doch kann ich schon vernehmlich schrein.
Du Papa, kannst es kaum erwarten
mit mir den ersten Gang zu starten.
O ja, ich glaub, du freust dich schon
auf unsre künftge Konversation,
die wird mit viel Gestikulieren
schließlich zum Schnullertauschen führen.
Wart ab, so langsam werd ich groß.
Hast du mich erstmal auf dem Schoß,
dann werd ich dich schon inspizieren,
die Finger in die Nüstern führen.
Und erst dein Schlips – an ihn
kann ich mich in die Höhe ziehn.
Den Rest von meiner letzten Flasche
spuck ich dir in die Jackentasche.
In Mamas Lockenhaare werd ich greifen
und ihren Schmuck vom Halse streifen.
Sie sieht mich freundlich an und dann –
bietet sie mir die “Buddel” an.
Ich will mal sehn, wie’s mir gefällt
in dieser großen, bunten Welt.
Jetzt bin ich müde un es sagt
Euch Euer Prinzchen: “Gute Nacht!”

Mai 1994


Siebzig Jahre

Siebzig Jahre sind wir über den Globus getrampelt,
wie Maikäfer gekrabbelt und gestrampelt,
von oben nach unten und wieder rauf.
Fürwahr, voller Unruhe war unsres Lebens Lauf.
Nun stehn wir am Ende und schauen zurück.
Lang war der Weg und das kurze Stück,
noch vor uns, es liegt im Dämmerlicht,
undeutlich noch, doch schon sehn wir das Licht.
Wir haben ein Ziel. Das zu wissen ist gut,
darauf zuzustreben verleiht stetig Mut.

Ja, unsre Erde hielt Platz allentwegen
für uns, um unser Haupt hinzulegen.
Im Grunde ist das, sich des Lebens zu freun,
ein Vorrecht zum dankbaren Glücklichsein.
Die Jahre, die wir im Kerker verbracht,
haben uns für alles Schöne empfänglich gemacht.
Wie lange wir uns noch des allen erfreun,
wir wissen es nicht. Drum möge es sein,
daß Du Dich recht wohl fühlst in Deinem Revier,
das wünsch ich von ganzem Herzen Dir.


Du glaubst, die Bibel sei ein Märchenbuch

Du glaubst, die Bibel sei ein Märchenbuch.
Sei ehrlich, hast du sie gelesen?
Wie wär’s einmal mit dem Versuch,
die Vorurteile aufzulösen.

Du hast, wie viele vor dir schon , vielleicht,
das Buch der Bücher aufgeschlagen,
doch was du lasest, das hat dich nicht überzeugt,
daß Gott die Welt erschuf in nur sechs Tagen.

Und damit hast du sogar recht,
denn nur aus vierundzwanzig Stunden nicht
bestand ein Tag, nein, er beträgt
je siebentausend Jahre, laut biblischem Bericht.

Dann folgt der tragikvollste Akt,
von dem wir allesamt betroffen.
Adam hat in der Prüfung folgenschwer versagt,
doch Gottes Urteilsspruch birgt Grund zum Hoffen.

Die nächste Hürde, ohn Verbleib,
ist Kain, der seinen Bruder hat erschlagen.
Woher denn nun nahm Kain sein Weib,
wenn’s keine andern Menschen gab in jenen Tagen?

Doch schlag die nächsten Seiten auf,
dort wirst du dann erfahren,
daß Adam zeugt in seinem Lebenslauf
viel Söhn und Töchter, in neunhundertdreißig Jahren.

Auf diese Weise ist demnach der Kain
zu seinem Weib gekommen.
Es dürfte eine seiner Schwestern sein,
die er zur Frau genommem.

Und der Bericht, die große Flut,
dafür gibt’s wahrlich viel Beweise.
Wie schwer die Wissenschaft sich tut,
hartnäckig irrend dreht sie sich im Kreise.

Das Leben sei, die Weisheit dieser Welt dies lehrt:
Produkt chemischer Verbindung. –
Verstand und unbedingte Ehrlichkeit gehört
jedoch zur absoluten Wahrheitsfindung.

Gott schuf uns als die Krone seiner Werke,
als Meisterleistung, die ihn preist und auch
dazu das Buch, als Glaubensstärke,
als Anweisung zum täglichen Gebrauch.

Es gibt dir Antwort fast auf alle Fragen,
bezeugt den irdischen Geschichtsverlauf.
Hast du das Wort des Schöpfers aufgeschlagen,
geht dir das Herz vor Ehrfurcht auf.

Kein Buch auf Erden, welches so verbreitet.
Es ist zwar alt, doch gegnwärtig neu,
umkämpft, verfemt, vielfach mißdeutet,
beliebt, geehrt und wahrheitsgetreu.

Aus jenem uralten Berichte
enthüllt sich das Weltgeschehn,
und läßt uns im göttlichen Lichte,
den Sinn dieses Lebens verstehn.

1998


Wenn ich auf meine Hände schau

Wenn ich auf meine Hände schau,
ein Wunderwerk von konstriktivem Bau!
Jehova Gott, mit Weisheit hast du sie erdacht,
sie preisen deine geniale Schöpfermacht.

Was wär ich Erdenmensch wohl ohne sie?
Ein ganzes Leben lang, von spät bis früh,
sie taten, was das Hirn befahl, stets das,
als Werkzeug meines Geistes, ohne Unterlaß.

Voll Dankbarkeit seh ich sie manchmal an.
Kein Ring, kein Schmuckstück ist daran.
Ich hab die Fingernägel nie lackiert,
trug sie nicht langgewachsen, noch poliert.

Wozu? Ich trag sie, wie Jehova sie gemacht.
Und doch, was alles haben sie vollbracht?
Viel harte Arbeit war in sie gelegt.
Die Last der Jahre haben sie geprägt.

Und auch, mit ihnen bracht ich meinem Schöpfer Dank,
mit Harmonien, der Instrumente Klang.
Wenn ich die Saiten mit der Hände Griff berührt,
hab ich den Weg zum geistigen Bereich gespürt.

Ich sag dir Dank, Jehova Gott für meine Hände.
Lobpreisen sollen sie dich bis an meines Lebens Ende.
Und wird dein Reich dereinst gekommen sein,
dann setz ich wieder sie zu deiner Ehre ein.

1998


Königreichssaalbau Jehovas Zeugen
Versammlung Ütersen-Pinneberg 1995

Der Kleinste wird zu einem Tausend werden,
und der Geringste zur gewaltigen Nation. –
Wie hat sich das erfüllt auf Erden.
Wir sehn Jehovas Volk voll in Aktion.

Es strömen “Menschen guten Willens” überall zusammen,
den Willen Gottes zu erlernen, um ihn dann zu tun.
Deshalb, wie schon in alter Zeit begannen
Jehovas Diener Raum zu schaffen, drum

heut überall auf diesem Erdenrund entstehen
Versammlungsstätten, die zur reinen Anbetung verwandt.
Dem einzig wahren Gott zum Ruhm ersehen,
“Königreichssaal” der Zeugen Jehovas” genannt.

Auch wir, in Ütersen und Pinnebergs Versammlung überlegten:
Es wäre an der Zeit, wir brauchen Raum,
denn unser Saal ist undicht und er platzt aus allen Nähten,
er faßt oftmals die Mengen kaum.

Nun denn, mit der Idee im Kopfe schwanger,
so reifte der Entschluß zur Tat heran.
Der “Hohe Rat”, er tagte und nach langer
Wägung, die Suche nach geeignetem Objekt begann.

Ein Haus zu bauen, zu Jehovas Ehre,
erfordert seinen Willen, seinen Geist.
Denn ohne seine Billigung, es wäre
umsonst, wenn er den Segen nicht verheißt.

Gleich Kundschafter zu Mose Zeiten, spähten
die gegend alle nach dem rechten Grundstück aus.
Und schließlich fand sich, worum wir gebeten.
Das war der Anfang nun von diesem Haus.

Nun ja, wir standen nicht alleine,
denn die Versammlung Pinneberg, wie ihr ja wißt,
sie baute und sie plante mit uns im Vereine,
in brüderlicher Einheit, wie das bei uns üblich ist.

Nun hieß es, ebenfalls die Kosten überschlagen.
Wir alle waren freudig und voll Mut,
beschlossen dann, im Herzen “Ja” zu sagen,
die linke Hand nicht wissen lassend, was die rechte tut.

Nun denn, die Zeit verging in Windeseile,
wir sprühten voll Begeisterung und Tatendrsng.
Zwar säumte die Genehmigung noch eine Weile,
am Ende doch das Vohaben gelang.

Es war ein einzigartiges Zusammenspiel an Planung,
wie es die Welt mit Staunen registriert,
weil sie vom Geist Jehovas keine Ahnung,
der Herz und Hand der Bruderschaft geführt.

Erwartungsvoll begann man zu organisieren
und setzt nach Fähigkeit und Kraft das Teamwork ein.
“Der Countdown läuft”, uns Uwe sagt. Was kann da noch passieren?
Jedoch, da brach sich unser Dieter das Gebein.

Die Zeit, sie heilt bekanntlich alle Wunden.
Ein bißchen hinkend steht er seinen Mann,
wie alle Alten, Kranken und Gesunden
auch möchten Anteil haben an dem Bau sodann.

So wimmelte es bald, wie ein Ameisenhaufen.
Ein jeder fand schon, wenn er wollte, was zu tun.
Eilfertig sah man unsre Schwestern laufen
mit den Getränken, hektarliterweise, um

den Durst zu löschen, denn die Brüder schmoren
in diesem “Hundertjahrrekord” an Hitze, das war klar.
Der Schweiß drang literweise durch die Poren,
wie kostbar da doch jede Flasche Selter war.

Das Küchenzelt, der Ort, um Essen zu bereiten,
da bruzzelte und briet es und es wurde abgeschmeckt.
Viel nahrhafte und gute Speisen uns erfreuten,
die dann auf langen Tischen liebevoll gedeckt.


gedicht-sammlung

 

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